Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
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Ich möchte Ihnen in dieser Ausgabe von einer grünen Utopie erzählen. Von einem Land, in dem bis zu 98 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Und wo die Energiewende Zehntausende Jobs schuf, von denen vor allem strukturschwache Regionen profitieren. »Gibt’s nicht«, denken Sie jetzt vielleicht. Gibt’s sehr wohl, wie ich in dieser Woche gelernt habe.
Uruguay, der südamerikanische 3,5-Millionen-Einwohner-Staat, bezieht heute bis zu 40 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft, bis zu 40 Prozent aus Windkraft, knapp 20 Prozent aus Biomasse und vier Prozent aus Solarenergie. Bei gutem Wetter decken erneuerbare Energien sogar den gesamten Strombedarf des Landes. Wie konnte das gelingen?
Die Wende begann etwa 2008, als extrem hohe Ölpreise und Dürren das Energiesystem des Landes schwächten. Uruguay reagierte und investierte gezielt in erneuerbare Energien – was innerhalb der Bevölkerung zunächst für Skepsis sorgte. Die Regierung antwortete darauf mit einer Aufklärungskampagne: »Techniker der Energiebehörde zogen durchs Land, hielten Vorträge in Gemeindezentren, beantworteten Fragen, räumten Vorurteile aus dem Weg, hörten zu«, schreibt meine Kollegin Pinar Dogantekin, die über die uruguayische Erfolgsgeschichte einen Text geschrieben hat.
Windräder in Uruguay: Energiewende ist auch mit begrenzten Mitteln möglich
Foto: Picardo Photography / Alamy / mauritius images»Was mich bei meiner Recherche wirklich beeindruckt hat, war die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Dimension dieses Umbaus«, sagte mir Pinar. Anders als in vielen Industrienationen sei die Transformation dort pragmatisch und parteiübergreifend verlaufen. Ein weiteres Plus: Durch die Wende entstanden 50.000 Jobs, viele davon im ländlichen Raum.
Wie sehr Uruguay als Vorbild für andere Länder taugt, bleibt dennoch fraglich. Das Land hat besondere Vorteile: »Starke Winde, hohe Solareinstrahlung und eine geringe Bevölkerungsdichte erleichterten den Ausbau von Windkraftanlagen«, schreibt Pinar. Es dürfte in Uruguay einfacher sein, nahezu komplett auf Erneuerbare umzusteigen, als in einer Industrienation wie Deutschland.
Gleichzeitig zeigt die Erfolgsgeschichte: »Es geht. Auch ein kleines Land ohne große Industriebasis kann innerhalb kurzer Zeit viel verändern, wenn der politische Rahmen stimmt, die Menschen mitgenommen werden und der Umbau nicht als Bürde, sondern als Chance begriffen wird«, sagte mir Pinar.
Ich empfehle Ihnen ihren Text sehr.
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Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Ärzte transplantieren erstmals menschliche Blase
Die Liste der transplantierbaren Organe ist um eines reicher: In den USA haben Mediziner einem Patienten erstmals eine menschliche Harnblase eingepflanzt. Und wenngleich der Eingriff wahrscheinlich nicht zum Standard wird, planen die Chirurgen die Operation bei vier weiteren Patienten. Auch eine klinische Studie ist angedacht. Lesen Sie hier die ganze Meldung über das Novum in der Medizin.
Ostdeutsche Bundesländer bei internationalen Studierenden besonders beliebt
Studierende, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, ziehen nach …? Die Antwort lautet nicht unbedingt Hamburg oder Bayern, sondern Brandenburg. Dort lebten zuletzt die meisten »Internationals«, wie ein neuer Datenbericht des Deutschen Akademischen Austauschdienstes zeigt. Darin schneiden fast alle ostdeutschen Länder bei der Zahl der ausländischen Studierenden besonders gut ab: Nach Brandenburg auf Platz eins folgen Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern kann bei der Beliebtheit der anderen Ostländer nicht mithalten. Sehen Sie hier das gesamte Ranking.
Studierende im Hörsaal (Symbolbild): Brandenburg auf Platz eins
Foto: Peter Kneffel / picture alliance / dpaWHO schließt Pandemievertrag für die Zukunft
Millionen Tote, Lockdowns, Lieferengpässe: Damit sich das Chaos der Coronapandemie möglichst nicht wiederholt, hat die Weltgesundheitsorganisation einen Pandemievertrag geschlossen. Dieser umfasst verschiedene Maßnahmen – etwa die Überwachung des Tierreichs zur Prävention, Technologietransfer sowie bessere Lieferketten für Schutzmaterial und Impfstoffe. Bevor der Vertrag in Kraft tritt, muss er noch weitere Hürden nehmen. Lesen Sie hier mehr dazu.
Uber bietet jetzt Fahrten nur für Frauen an
Frauen fühlen sich insbesondere nachts in der Öffentlichkeit deutlich unsicherer als Männer. Das belegt eine Studie der früheren Bundesregierung. Die Fahrdienstplattform Uber bietet künftig in Berlin, Frankfurt und München Fahrten mit Fahrerinnen nur für Frauen an – ohne Aufpreis. Vor allem nachts sollen sich Kundinnen dadurch sicherer fühlen. Lesen Sie hier mehr Hintergründe.
Was gut ist – für Sie:
So trainieren Sie eine gesunde Körperhaltung
Ich gebe zu: Meine Körperhaltung ist, gelinde gesagt, nicht die beste. Ich bin ein Sportmuffel, arbeite auch gern mal von der Couch aus – beides nicht gerade förderlich für den Rücken. Dabei braucht es gar nicht viel, um einer schlechten Haltung gegenzusteuern. Den Anfang machen fünf kleine Übungen, die Svenja Kinder im aktuellen SPIEGEL Extra GESUNDHEIT & FITNESS empfiehlt.
So gelingt der Städtetrip ohne schlechtes Gewissen
Egal, ob Rom, London oder Málaga: Viele Städte leiden unter Massentourismus. Aber deswegen gleich auf die Reise verzichten? Erfahren Sie hier, was Sie bei der Buchung über Portale wie Airbnb oder Booking beachten müssen, welche Alternativen es gibt und was Sie sonst noch tun können, damit Städte nicht unter Ihnen leiden. Und sollten Sie eine Reise in eine Region gebucht haben, in der zuletzt ein Erdbeben war, können Sie hier nachlesen, ob und zu welchen Bedingungen sich der Trip stornieren lässt.
Menschenmassen auf der Spanischen Treppe in Rom: Beliebtes Urlaubsziel
Foto:Joerg Carstensen / Jörg Carstensen / picture alliance
Was Sie über die Früherkennung von Prostatakrebs wissen müssen
Eine gute Nachricht für Männer, die eine urologische Untersuchung scheuen: Das rektale Abtasten soll ersetzt werden, da es oft zu Fehlalarm führte. Eine neue Methode sieht stattdessen zunächst einen Bluttest vor. Bei auffälligen Werten soll ein MRT folgen. Fachleute haben die neue Strategie auf fast 500 Seiten beschrieben. Und meine Kollegin Irene Berres hat sie hier für Sie zusammengefasst.
Was gegen Vergesslichkeit im Alltag hilft
Vielleicht kennen Sie das auch: Die halbe Nacht lang nicht geschlafen. Dann, am nächsten Morgen, im Halbschlaf den Kaffee verschüttet. Und: Wo war gleich noch mal das Handy? Wo der Schlüssel? Es kann unterschiedliche Gründe für diese Art der Schusseligkeit und Vergesslichkeit geben. Erfahren Sie hier , wie Sie diese erkennen und einordnen – und vor allem, was gegen das Chaos im Alltag hilft.
Und sonst?
Zum Abschluss möchte ich Ihnen von Aicha Babacar in Kairo erzählen. Die Tanzlehrerin unterrichtet versteckt in der Tiefgarage einer Shoppingmall den sogenannten Bauchtanz. Ihre Kurse sind äußerst beliebt und Monate im Voraus ausgebucht. Und das, obwohl – nein, weil der traditionsreiche Tanz in Ägypten ein widersprüchliches Dasein führt: »Er wird geliebt – und verachtet. Frauen sollen ihn beherrschen, aber nicht öffentlich«, schreibt meine Kollegin Dunja Ramadan, die Babacar in Kairo besucht und mit Kursteilnehmerinnen gesprochen hat.
Eine von ihnen erzählte ihr gleich, wie sie in dem Kurs gelandet sei: »Ihr Freund habe sie von einem auf den anderen Tag geghostet, das habe sie fertig gemacht. Aicha Babacar und der Bauchtanz haben ihr Selbstbewusstsein gestärkt, heute sei sie viel entspannter. Die Liebe komme von allein – und wenn nicht, habe sie jetzt neue Freundinnen dazugewonnen«, erzählte mir Dunja.
Damit sind Babacars Kurse für viele Frauen weit mehr als eine Fitnesseinheit: Der Unterricht bietet für sie einen geschützten Raum – in dem sie ihre Weiblichkeit gemeinsam feiern und laut mitsingen können, ihre Hüften kreisen lassen, doch für niemand anderen, sondern nur für sich selbst. Für manche von ihnen ist der Tanz eine Form der Therapie.
Was ich in Dunjas Text außerdem gelernt habe: Der Bauchtanz, wie ich ihn bislang im Kopf hatte, ist gewissermaßen eine westliche Erfindung. Der männliche und koloniale Blick war es, der den Tanz für immer verändert hat. Lesen Sie mehr Hintergründe in Dunjas Text .
Kursteilnehmerin Serah Fouad: Gemeinsam Weiblichkeit feiern
Foto: Rehab Eldalil / DER SPIEGELIch wünsche Ihnen ein gutes Wochenende. Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.
Herzliche Grüße
Ihre Anastasia Trenkler, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL