Andreas Landberg, DER SPIEGEL:
»In den USA laufen die Vorwahlen. Und Stand jetzt treten im November bei der Präsidentschaftswahl wieder Donald Trump und Joe Biden an. Wir besuchen heute eine kleine Wahlkampfveranstaltung der Demokraten in Florence, South Carolina, und möchten hier darüber sprechen, wie wichtig diese Wahl ist, welche Ängste die Demokraten haben und ob Joe Biden der richtige Kandidat ist.«
Es ist ein kleines Event – rund 50 Leute sind gekommen, inklusive der Pressevertreter und Organisatoren. Aber wer hier ist, der macht klar, wie wichtig dieses Wahljahr wird.
Andreas Landberg, DER SPIEGEL:
»Was würde es aus Ihrer Sicht bedeuten, wenn Biden verliert und Trump das Amt wieder übernimmt?«
Besucherin:
»Es geht um Leben und Tod. So sehe ich das mit Blick auf Biden und Trump.«
Maggie Glover, Ex-Senatorin South Carolina:
»Demokratie, das Leben, wie wir es kennen in Amerika, steht zur Abstimmung.«
Besucher:
»Ich glaube, viele Menschen sagen, dass jede Wahl die wichtigste Wahl unseres Lebens ist. Aber ich glaube, diese Wahl ist es tatsächlich, weil die Demokratie auf dem Spiel steht.«
Mit Jaime Harrison ist auch der Vorsitzende der Democratic National Convention zu Gast, so etwas wie der Generalsekretär seiner Partei. Er betont, welche besondere Rolle South Carolina in diesem Jahr zukommt.
Jamie Harrison, Vorsitzender der Democratic National Convention:
»Ihr seid es, die als Allererstes dran sind, den mächtigsten Mann der Welt auszuwählen. Ihr seid die Ersten im Land!«
Denn: Statt wie traditionell in New Hampshire, starteten die Demokraten mit ihren Vorwahlen in diesem Jahr zum ersten Mal offiziell im diverseren South Carolina. Schwarze machen hier etwa ein Viertel der Bevölkerung aus. Dieser für Biden so wichtigen Wählergruppe die erste große Bühne zu geben, ist ein Signal an schwarze Wähler im ganzen Land. Denn sie will er von sich überzeugen, um die Wahl im November zu gewinnen.
Die Veranstaltung in Florence zieht genau diese Wählerinnen und Wähler an, die allermeisten Gäste sind Afroamerikaner – und wollen Biden unbedingt weiter im Weißen Haus sehen.
Andreas Landberg, DER SPIEGEL:
»Fühlen Sie sich von Joe Biden vertreten?«
Besucherin:
»Definitiv, als Afroamerikanerin. Seit Biden das Amt übernommen hat, haben wir mehr Möglichkeiten.«
Besucherin:
»Ich gehöre zu einer Minderheit. Ich möchte, dass jeand im Amt ist, der fair zu allen ist. Und ich glaube, Joe Biden ist so ein Mann.«
Isaac Wislon, Vorsitzender Demokratische Partei Florence:
»Donald Trump hat gesagt, dass er an Tag eins ein Diktator sein wird und er zehn Millionen Menschen abschieben würde. Ich bin geneigt, zu glauben, dass ich zu diesen zehn Millionen Menschen gehören würde, wegen meiner Hautfarbe.«
Dass Biden im Amt bleibt, hoffen hier nicht nur alle. Sie zeigen sich davon auch restlos überzeugt – trotz Bidens Alter von 81 Jahren. Dabei zeigten Umfragen schon im vergangenen Jahr, dass drei Viertel der Bevölkerung ihn für zu alt für eine zweite Amtszeit halten.
Andreas Landberg, DER SPIEGEL:
»Er ist der älteste Präsident in der Geschichte der USA.«
Besucherin:
»Natürlich. Aber was ist falsch daran? Ich bin auch alt.«
Andreas Landberg, DER SPIEGEL:
»Obwohl er am Ende einer zweiten Amtszeit 86 wäre? «
Besucherin:
»Das ist okay. 86? Mein Vater ist mit 101 gestorben und er war noch geistig fit.«
Besucher:
»Der andere ist wie viel jünger? Drei oder vier Jahre? Und er hat nicht wirklich die geistige Fähigkeit oder den Intellekt gezeigt, das Land zu führen. Für mich stellt sich die Frage gar nicht.«
Besucherin:
»Welche andere Wahl haben wir? Einen Parteilosen wählen? Die Republikaner? Welche Wahl haben wir? Er ist die beste Wahl für uns.«
So blenden die Gäste hier das Risiko einfach aus, dass Bidens Alter Wähler abschrecken könnte. Aus Überzeugung? Oder aus Angst vor der Alternative?
Andreas Landberg, DER SPIEGEL:
»Es war schon auffällig, dass wirklich jeder einzelne Mensch, mit dem wir hier gesprochen haben, Zuversicht ausstrahlt, betont optimistisch ist, dass Joe Biden der richtige Kandidat ist, dass sein Alter völlig egal ist und dass er am Ende gewinnen wird. Diese Hoffnung – das ist auch klar geworden – kommt aber wohl auch daher, dass die Alternative für viele unerträglich ist: dass Donald Trump ein zweites Mal ins Weiße Haus einzieht.«