Von wem man beim Älterwerden am besten lernt - die guten Nachrichten der Woche - DER SPIEGEL
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Kühn mit Showmaster Gottschalk, SPIEGEL-Kollegin Vicky Bargel 2024: »Ich habe Glück, ich darf noch mitspielen«

Kühn mit Showmaster Gottschalk, SPIEGEL-Kollegin Vicky Bargel 2024: »Ich habe Glück, ich darf noch mitspielen«

Foto:

Dirk Bruniecki / DER SPIEGEL

Nadine Wolter

Alles Gute vom SPIEGEL Von wem man beim Älterwerden am besten lernt

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»Ich habe doch gerade erst Abitur gemacht. 1995«, schreibt unser Reporter Alexander Kühn. Ich weiß, was er meint. Meinen Freundinnen würde ich sagen: »Fühl' ich.«

Ich bin mittlerweile Mitte 30 und erschrecke mich regelmäßig darüber, wie unleugbar erwachsen ich jetzt bin.

Vielleicht war es ganz gut, dass man als Kind nicht wusste, dass die Erwachsenen um einen herum auch nicht viel mehr Übersicht haben als man selbst, sondern auch nur auf Sicht fahren und dabei älter werden.

Um Letzteres geht es Kühn. Das Älterwerden. Er ist 50 geworden, ist also NOCH erwachsener ich, und hat versucht, übers Schreiben sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass er – Zitat! – redaktionsintern jetzt zu den Senioren zählt.

»Es ist eine Rolle, auf die mich niemand vorbereitet hat. Sie grämt mich, denn ich sehe mich noch immer als Nachwuchstalent«, schreibt Kühn.

Sein Text ist ein leicht bearbeiteter Auszug aus dem SPIEGEL-Buch »Älterwerden für Anfänger. Was ich mir dabei von Nana Mouskouri, Thomas Gottschalk und meiner Mutter abschauen möchte – und was lieber nicht«. Darin erzählt er von dem Jahr, in dem er 50 wurde, und wie es ihm gelang, seinen Frieden damit zu machen. Das Buch erscheint am 20. Mai.

»Ich musste dieses Buch schreiben«, antwortet er mir auf die Frage, warum man mit 50 ein Buch übers Altwerden verfasst. »Wann, bitte, soll ich mir Gedanken übers Älterwerden machen, wenn nicht jetzt? In 20, 30 Jahren ist es zu spät. Ich beginne doch auch nicht erst mit 80, in die Rentenkasse einzuzahlen.«

Am Ende ist es nicht das Schreiben, das ihn mit dem Älterwerden versöhnt, sondern das, was davor passiert.

Wir haben einen Beruf, in dem man zwar irgendwann ganz sicher kein Nachwuchstalent mehr ist, aber immer ein bisschen Nachwuchskraft bleibt. Weil wir Fragen stellen. Ein Leben lang. »Ich wechselte zum SPIEGEL und lerne seither dazu, mit jedem Text, den ich schreibe, und es wird nie aufhören«, schreibt Kühn über seine ersten Jahre als Journalist und die Jahre danach.

Nachwuchsjournalist Kühn 1993 mit Jungstar Harald Schmidt beim Interview fürs »Badische Tagblatt«.

Nachwuchsjournalist Kühn 1993 mit Jungstar Harald Schmidt beim Interview fürs »Badische Tagblatt«.

Foto: Privat

Auf Recherchen hat er in den vergangenen Jahren junge Menschen kennengelernt, die ihm imponierten: »junge Klimaschützer, Veganer, LGBTQ-Aktivistinnen und -Aktivisten, alle links, aber ohne Schaum vor dem Mund, anders als die linken Twitter-Maulhelden. Keiner wollte mir etwas verbieten, keiner beschimpfte mich als alt und gestrig. Tatsächlich habe ich seit einiger Zeit das Gefühl, ich lerne mehr von den Jüngeren als von den Älteren.«

Ich habe Kühn gefragt, wie alt er gern wäre, wenn er es sich aussuchen könnte. »Im besten Fall lebt man so, dass man gar nicht auf die Idee kommt, ein anderes Alter haben zu wollen«, antwortete er. Ich empfehle Ihnen seinen Text sehr.

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Bessere Medikamentenversorgung
In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Engpässen in Apotheken bei bestimmten Medikamenten. Nun haben sich EU-Unterhändler in Brüssel auf Regeln geeinigt, um die Produktion von Arzneimitteln leichter mit öffentlichen Geldern unterstützen zu können. Mehr dazu hier.

Anerkennung der Homo-Ehe
Das Rathaus der polnischen Hauptstadt Warschau hat zum ersten Mal eine gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt. Die Beamten folgten damit einer Entscheidung von Polens Oberstem Verwaltungsgericht. Das folgte wiederum einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Die ganze Meldung lesen Sie hier.

Protest statt Bollerwagen und Bier
Anstatt Vatertags-Partys mit den Kumpels zu feiern, sind in Berlin mehrere Hundert Männer gegen Gewalt an Frauen auf die Straße gegangen. Meine Kollegen Marie Steffens und Thies Schnack haben sich auf der Demo umgehört:

DER SPIEGEL

Fuchs auf Abwegen
Die Feuerwehr hat einen jungen Fuchs aus der Düsseldorfer Kanalisation gerettet. Das Fuchsbaby habe vermutlich nicht mehr den Weg aus dem Kanal gefunden, teilte eine Stadtsprecherin mit. Nun befindet es sich auf einer Pflegestelle für Wildtiere.

Gerettet: das Fuchsbaby

Gerettet: das Fuchsbaby

Foto: Stadt Düsseldorf / dpa

90 statt 100 Gramm? Nicht mit dem Landgericht!
Bei seinen Schokoladentafeln ist der Milka-Konzern Mondelēz der zartesten Versuchung erlegen, seit es den Kapitalismus gibt: höhere Preise für ein günstiges Produkt. Das Landgericht Bremen sah in diesem Trick nun einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht und könnte den Konzern so zum Einlenken bewegen. Geklagt hatte die Hamburger Verbraucherzentrale.

Schneller als alle Männer
Das 600-Kilometer-Projekt des Extremsportlers Arda Saatçi geht um die Welt. Fast zeitgleich gelingt der Ultraläuferin Rachel Entrekin etwas ebenso Außergewöhnliches: Sie läuft mehr als 400 Kilometer und 1200 Höhenmeter schneller als alle ihre Mitläuferinnen und Mitläufer. Über sie sollten wir sprechen .

Ultraläuferin Rachel Entrekin: 409 Kilometer in 56:10 Stunden

Ultraläuferin Rachel Entrekin: 409 Kilometer in 56:10 Stunden

Foto: Scott Rokis / Cocodona 250 / Anadolu / picture alliance

Zoo trotzt Krieg
Wasserknappheit, Futtermangel und immer wieder Explosionen: Mehr als vier Jahre Krieg haben Tieren und Menschen im Zoo Mykolajiw sehr zugesetzt. SPIEGEL-Reporterin Ann-Dorit Boy berichtet in dieser Video-Reportage, wie dennoch alle überleben.

DER SPIEGEL

Was gut ist – für Sie:

ETF-Sparen mit dem Staat
Die Riester-Rente ist tot – aber lohnt sich das neue Altersvorsorgedepot für Sie? Mit unseren interaktiven Rechnern sehen Sie sofort, wie viel staatliche Zulage Ihnen zusteht und wie viel Geld Sie am Ende in Ihrem Depot haben könnten. Hier entlang .

Sportlich mit Baby
Das Baby ist da – und seitdem hat er kaum noch Zeit für Sport: Kollege Marvin Rishi Krishan hat ein bisschen gebraucht, um herauszufinden, wie er Elternsein und Fitness im Alltag besser vereinbaren kann. Und fand eine Wunderwaffe. Welche, lesen Sie hier. 

Rishi Krishan und der Kettleball.

Rishi Krishan und der Kettleball.

Foto:

Jenny Bewer / DER SPIEGEL

Besser als Nichtstun
Nach einem Work-out oder langen Lauf verlangt der Körper Ruhe. Aktive Erholung schlägt jedoch kompletten Stillstand, sagt ein Sportmediziner. Und er erklärt hier , wie auch Tischtennis, Billard oder Gartenarbeit helfen können.

Gesetzlich oder privat?
Sie denken über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nach? Verbraucherschützerin Julika Unger erklärt, für wen sich der Schritt lohnt – und ob Sie später wieder in die Gesetzliche können. Hier lesen Sie mehr .

Und sonst?

Fast ein Jahr lang hat er das Geld, was er vor allem mit dem Sammeln von Pfandflaschen einnimmt, eingeteilt: In das, was er pro Tag brauchte und das, was er spenden will. 200 Euro hatte der Obdachlose Schwalbe Ende des vergangenen Jahres zusammen und überreichte es einem Stuttgarter Sozialdienst. Die Bitte: Das Geld kurz vor dem Weihnachtsfest alleinstehenden Müttern zukommen zu lassen.

Svenja Gruß vom Sozialdienst Katholischer Frauen und Schwalbe im Stuttgarter Schlossgarten

Svenja Gruß vom Sozialdienst Katholischer Frauen und Schwalbe im Stuttgarter Schlossgarten

Foto:

Sozialdienst katholischer Frauen e.V. drs

Erst berichteten lokale Medien, dann auch überregionale wie der SPIEGEL. Schwalbes Geste rührte Menschen in ganz Deutschland. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte nach.)

Mittlerweile hat Schwalbe so viele Menschen zum Spenden inspiriert, dass 10.000 Euro für alleinerziehende Mütter zusammengekommen sind.

Das reicht dem Obdachlosen nicht. Er möchte weiterhelfen. Und gründet deswegen eine Stiftung, die obdachlose Frauen unterstützen soll. Sie soll Schwalbennest heißen. Für sie hat Schwalbe seit Februar schon 6000 Euro Spenden gesammelt. Mehr dazu hier.

Mit dieser schönen Geschichte verabschiede ich mich. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.

Seien Sie gut zu sich – und Ihren Mitmenschen,

Ihre Nadine Wolter, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL