Sicherheitsabstand von »Marine One« Trumps Baustelle sorgte offenbar für »sehr schwerwiegende« Panne bei Helikopterflug
Donald Trump verlässt im Helikopter »Marine One« das Weiße Haus (vor Beginn der Bauarbeiten)
Foto: Jonathan Ernst / REUTERSKommunikationsprobleme am Weißen Haus sorgten offenbar dafür, dass der Präsidentenhelikopter »Marine One« einem startenden Verkehrsflugzeug in Washington gefährlich nahe kam. Das ist das Ergebnis eines vorläufigen Berichts des National Transportation Safety Boards (NTSB), über den die »Washington Post« berichtet .
Die Behörde stellt demnach fest, dass die Besatzung des Helikopters nicht in der Lage war, die Flugsicherung im vorgeschriebenen Zeitraum von drei Minuten vor dem Start zu informieren. Die Probleme seien mit den Bauarbeiten am Weißen Haus zu erklären, wegen derer der Hubschrauberlandeplatz zeitweilig verlegt werden musste. US-Präsident Donald Trump befand sich während des Flugs selbst an Bord des Helikopters.
US-Präsident Donald Trump am Helikopter
Foto: Joshua Roberts / REUTERSDer US-Präsident lässt seinen Amtssitz seit Monaten aufwendig umgestalten und ausbauen. Die Pläne sind politisch und juristisch hochumstritten. Kritiker werfen Trump vor, das Gebäude ohne Rücksicht auf seine Historie zu verändern, um sich selbst ein Denkmal zu setzen. Vorgesehen ist unter anderem auch ein neuer Helikopterlandeplatz.
Sicherheitsprobleme waren offenbar schon länger bekannt
Am derzeitigen Ausweichstandort kommt es jedoch offenbar seit Wochen zu Kommunikationsproblemen. Der nun untersuchte Vorfall ereignete sich am 4. August, als eine Embraer E-170 von Envoy Air vom Reagan National Airport abhob, um nach Florida zu fliegen.
Wie es heißt, unternahm die Besatzung des Präsidentenhelikopters mindestens zwei Versuche, die Flugsicherung zu informieren, wurde jedoch durch Kommunikationsprobleme behindert. Die Besatzung habe auch versucht, eine Abflugmeldung abzusetzen. Dies sei ebenfalls gescheitert.
»Marine One« nach dem Start am Weißen Haus
Foto: Joshua Roberts / REUTERSDer Hubschrauber und das Flugzeug näherten sich deshalb laut Bericht bis auf etwa 1500 Meter seitlich und etwa 213 Meter vertikal an. Vorgeschrieben sind laut der US-Flugaufsichtsbehörde FAA mindestens 300 Meter vertikal und je nach Flugphase mehrere Kilometer horizontal. Der Sicherheitsabstand wurde demnach von Trumps Helikopter deutlich unterschritten. Ein weiteres Flugzeug in der näheren Umgebung sei sicherheitshalber umgeleitet worden, heißt es weiter.
Der Luftfahrtexperte Michael McCormick von der Embry-Riddle Aeronautical University sagte der »Washington Post«, es handele sich um einen »sehr schwerwiegenden« Zwischenfall, nicht zuletzt, weil der Helikopter des Präsidenten beteiligt gewesen sei.
Bedenken scheinen den Verantwortlichen schon Tage vor dem Vorfall gekommen zu sein. Bereits am 30. Juli hätten sich die Besatzung der »Marine One« und Vertreter der Flugsicherung getroffen, nachdem Kommunikationsprobleme aufgefallen waren. Wie es nun heißt, soll der Vorfall noch weiter untersucht werden.
FAA-Chef Bryan Bedford erklärte in dieser Woche, dass bereits Konsequenzen gezogen worden seien. So habe die Behörde nach dem Vorfall eine Antenne verlegt und »Verfahren« geändert. Nach bisherigen Tests seien keine weiteren Probleme bemerkt worden.
Die Sicherheit im Luftraum um Washington sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Im Januar vergangenen Jahres kollidierte ein Regionaljet von American Airlines mit einem Armeehubschrauber nahe dem Flughafen der Hauptstadt. 67 Menschen kamen dabei ums Leben. Es handelte sich um den schwersten Flugunfall in den USA seit 2001. Nach dem Unfall erließ die FAA weitreichende Beschränkungen für Helikopterflüge.