Wie SPIEGEL-Korrespondent Christoph Giesen eine neue Familie in den USA bekam - DER SPIEGEL
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Späte Folgen des Zweiten Weltkrieges Wie SPIEGEL-Korrespondent Christoph Giesen eine neue Familie in den USA bekam

Viele Familiengeschichten wurden durch den Zweiten Weltkrieg umgeschrieben. Manchmal erfahren wir erst heute, was damals vor mehr als 80 Jahren geschah. So wie Christoph Giesen, der 2020 in Peking einen Brief bekam.

»Und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht’s noch mal so gut. Als er diesen Spruch immer und immer wieder hörte, hat es bei ihm geklickt. Hat er verstanden: ›Es geht hier um mein Leben. Die wollen mich am liebsten töten.‹«

Der Mann, der SPIEGEL-Korrespondent Christoph Giesen im Jahr 2023 dieses Erlebnis berichtet, heißt Harry Fybel. Er ist zu diesem Zeitpunkt 99 Jahre alt und lebt in Los Angeles. Geboren wurde er als Harry Feibel in Berlin – und er ist Christophs Großonkel, von dessen Existenz der China-Korrespondent bis 2020 nichts wusste.

Gary Fybel und SPIEGEL-Korrespondent Christoph Giesen mit Garys Recherchen

Gary Fybel und SPIEGEL-Korrespondent Christoph Giesen mit Garys Recherchen

Foto: Francesco Rucci / DER SPIEGEL

Im Podcast berichtet Christoph, wie er im Sommer 2020 an seinem Dienstsitz Peking einen Brief bekam, der seine Familiengeschichte vollkommen veränderte. Denn Harry Fybels Mutter war die Schwester von Ernst Ries, Christophs Großvater.

»Wir wussten, dass er 1943 in Auschwitz ermordet worden ist, und wir sind immer davon ausgegangen, dass er nur noch einen jüngeren Bruder hatte und dessen Ehe kinderlos war«, erzählt Christoph in dieser Folge des SPIEGEL-Auslandspodcast Acht Milliarden. »Das heißt, wir hatten nicht auf dem Schirm, dass es eventuell noch einen weiteren Familienzweig gibt. Und dieser Brief 75 Jahre und 16 Tage nach Ende des Zweiten Weltkrieges geschrieben, hat dann auf einmal einen Familienzweig in Amerika zutage gefördert. Der erste Impuls war eine gewisse Ungläubigkeit bei mir. Kann das stimmen? Ergibt das Sinn?«

Eine spannende Suche auf zwei Kontinenten beginnt, denn Christoph kann wegen der Pandemie nicht aus China ausreisen. Und Gary Fybel, Harrys Neffe, der den Brief geschrieben hat, wohnt in den USA. Wie sich nach Jahren alles zusammenfügte und wie Christoph schließlich erfuhr, was mit seinem Urgroßvater und seiner Schwester zwischen 1933 und 1945 geschah – das erzählt er in dieser Episode.

Diese Folge können Sie gleich hier hören:

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