Wie Stacey wieder glücklich wurde, mit Hilfe aus Deutschland - die guten News der Woche - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Lena Greiner

meinung •Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten Stacey kämpft sich zurück ins Leben – mit Hilfe aus Deutschland

Sie verlor vor zwei Jahren fast alles, nun steht Stacey aus Nairobi wieder mitten im Leben. Wie Wohnen in Städten bezahlbar werden könnte. Wie Sie sich morgens das Snoozen abgewöhnen. Hier sind die guten Nachrichten der Woche.

Herzlich willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten aus der Woche. Schön, dass Sie da sind!

Im Januar 2021 traf unser Afrika-Korrespondent Heiner Hoffmann Stacey zum ersten Mal. Er recherchierte einen Artikel über die Folgen der pandemiebedingten Schulschließungen in Kenia, welche die extremen sozialen Unterschiede in Kenia weiter verschärft hatten. Viele Kinder aus den ärmeren Vierteln waren in diesem Dreivierteljahr auf sich gestellt, und vor allem viele Schülerinnen kehrten danach nicht wieder in den Unterricht zurück – weil sie in der Zeit schwanger geworden waren. So auch Stacey aus Kibera, dem größten Slum Afrikas, damals gerade 18 Jahre alt. Sie war vorher eine der Klassenbesten, wollte Jura studieren, nun erwartete sie ein Kind.

Heiner begleitete Stacey über das ganze Jahr und hält auch immer noch Kontakt zu ihr. Es war eine Zeit mit schönen Momenten, aber auch mit schlimmen Tiefen und Schicksalsschlägen. Anfang Februar 2021 kam ihre Tochter Aurelia zur Welt, »die Goldene«. Das Baby lebte zunächst bei Staceys Bruder und dessen Frau, damit Stacey, die Vollwaise ist, im Internat am Lake Victoria die Schule beenden konnte. Sie bestand das Abitur im April 2021, war unter den besten 25 Prozent ihrer Schule.

Stacey im Juni 2021 mit ihrer Tochter Aurelia

Stacey im Juni 2021 mit ihrer Tochter Aurelia

Foto: Nichole Sobecki / DER SPIEGEL

Dann passierte das Schreckliche: Am 21. September 2021 starb Aurelia, im Alter von sieben Monaten. 30 Jahre – so alt wird eine Bewohnerin oder ein Bewohner Kiberas im Durchschnitt; jedes fünfte Kind stirbt, bevor es das fünfte Lebensjahr erreicht. Aurelia hatte Fieber bekommen und Schmerzen. Stacey versuchte noch, sie ins Krankenhaus zu bringen. Doch der Krankenwagenfahrer wollte 20 Euro, um überhaupt den Motor anzulassen. Die jungen Eltern reagierten sofort, verkauften ihre Handys an die nächstbesten willigen Käufer. Der Krankenwagen kam. Doch da lebte das Baby schon nicht mehr.

Stacey fiel in ein tiefes Loch. Ihr Erspartes, womit sie ihre Ausbildung finanzieren wollte, hatte sie für die Beerdigung ausgegeben. Dennoch kämpfte sie weiter. »Ich lasse nicht zu, dass auch meine Träume sterben«, sagte sie Heiner im Herbst 2021. Damals verkaufte sie Pflegeprodukte an der Straße.

Zahlreiche SPIEGEL-Leserinnen und -Leser meldeten sich damals bei uns, die Stacey helfen wollten. Darunter auch der fünffache Vater Andreas Hessel, 63, aus Losheim am See. »Der Artikel hat mich tief bewegt«, schrieb er uns damals. »Ich möchte die Situation der jungen Frau zumindest verbessern. Kann ich Geld spenden für die Ausbildung?« Und so kam es. Inzwischen finanziert Hessel seit rund zwei Jahren Staceys Ausbildung in Gebärdensprachdolmetschen an der St. Paul University, eine Wohnung in Nairobi und den Lebensunterhalt – rund 1000 Euro im Jahr für die laufenden Kosten plus rund 4000 Euro bisher für die Ausbildung. »Sie wird Anfang nächsten Jahres ihre Ausbildung beenden und dann in ein neues Leben starten können«, schrieb er Heiner kürzlich. »Wenn auch nur einem Menschen geholfen werden kann, dann ist das besser als nichts!«

Und Stacey ließ uns wissen: »Mir geht es gut. Ich bin glücklich und fühle mich immer gesegnet, wenn ich in der Schule bin, denn nicht alle Kinder aus den Slums können sich das leisten.«

Stacey im Herbst 2021

Stacey im Herbst 2021

Foto: Gordwin Odhiambo / DER SPIEGEL

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Inflation: Die Entlastungspakete helfen vor allem Familien mit geringen Einkommen
28 Maßnahmen hat die Bundesregierung beschlossen, um den Folgen der Inflation etwas entgegenzusetzen, darunter etwa das 9-Euro-Ticket, höheres Kinder- und Wohngeld sowie die Gaspreisbremse. Mein Kollege Florian Diekmann aus dem Wirtschaftsressort zeigt in dieser Analyse, wie diese wirken. Das Ergebnis: Von den insgesamt rund 240 Milliarden Euro schweren Paketen profitieren Familien mit geringen Einkommen am meisten. »Zieht man nun die Mehrbelastungen durch höhere Preise ab, bleibt ein Plus von 3155 Euro für die Jahre 2022 und 2023«, schreibt Florian.

Als zweite deutsche Großstadt: Erlangen führt kostenlosen Nahverkehr ein
Ab 1. Januar 2024 kann jede Einwohnerin und jeder Besucher Erlangens einfach in den Bus einsteigen, ein Ticket braucht man nicht mehr. Mit dem Gratis-ÖPNV soll die Innenstadt von Autos entlastet werden, berichten die »taz«  und andere.

So wird Wohnen in der Innenstadt bezahlbar
Zu wenig Wohnraum, zu teurer Wohnraum: Vor allem in Großstädten kann Wohnungssuche grausam sein. In einem Gastbeitrag unterbreitet Ernst Hubeli, Mitinhaber einer Zürcher Architekturbüros, eine Idee, wie sich die Wohnungsnot in Zentren leicht lösen ließe: durch Aufbauten auf brachliegenden Flachdächern. Oft stünden mehrere Millionen Quadratmeter zur Verfügung. Städte wie London und Belgrad machen demnach bereits vor, wie es gehen kann. Lesen Sie hier mehr .

Foto: Florian Gaertner / Photothek / Getty Images

Weil die Schule es nicht macht, erklären diese zwei Experten jungen Menschen die Finanzwelt
Was sind ETF, Trading-Apps und Kryptowährungen? Wie kümmert man sich selbst um die eigene Rente? Viele Jugendliche sorgen sich um ihre ökonomische Zukunft. Meine Kollegin Miriam Olbrisch berichtet hier über zwei Mittzwanziger, die in Seminaren versuchen, jungen Menschen die Angst zu nehmen .

Mehr Kegelrobben im Wattenmeer und auf Helgoland
Die Zahl der Jungtiere stieg in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 13 Prozent: Das größte Raubtier Deutschlands, die Kegelrobbe, vermehrt sich derzeit prächtig.

Foto: Detlef Denne / imagebroker / IMAGO

Mithilfe von Robotern: Neue Bäume zur Rettung des Regenwaldes
20 Prozent des gesamten Amazons-Regenwaldes sollen bereits verloren gegangen sein. Nun wollen Naturschützer aus Peru der Zerstörung entgegenwirken – mit Robotern. Ein Roboter kann bis zu 600 Bäume pro Tag pflanzen. Wie das geht, sehen Sie in diesem Video.

Was gut ist – für Sie:

Bahn oder Flug verspätet? Hier bekommen Sie Ihr Geld zurück
Ich wünsche es Ihnen nicht, aber es ist gut möglich, dass Sie auf dem Weg in die Sommerferien oder zurück eine nervige Verspätung erleben. Wenn der Zug Stunden zu spät kommt oder der Flug gar ganz ausfällt, hilft oft eine Schlichtungsstelle weiter. Und so funktioniert es.

Sommer, Sonne, Schweiß: So bleiben Sie trocken
Und auch das wünsche ich Ihnen nicht, aber es ist bei steigenden Temperaturen ebenfalls möglich: Dass Sie schwitzen. Wie Hände, Stirn und Achseln möglichst trocken bleiben und was man gegen Schweißgeruch tun kann, erklärt der Mediziner Christoph Schick im Podcast mit meiner Kollegin Ronja Bachofer, den Sie hier hören können.

Foto: Bambu Productions / Photodisc / Getty Images

Hier können Sie auf eine einsame Insel ziehen, für Geld
Stellen Sie sich vor, Sie bekämen vom Staat 84.000 Euro dafür, dass Sie ein Haus kaufen und renovieren – und dort hinziehen. Mit dort sind 23 abgelegene Inseln an der Westküste Irlands gemeint. Und das Projekt gibt es wirklich. Lust auf Homeoffice in der Einsamkeit bekommen? Hier erfahren Sie mehr.

Ohne Dauer-Snooze: So kommen Sie morgens besser aus dem Bett
Ich weiß, wovon ich schreibe, schließlich gehöre ich auch zu den leidenschaftlichen Snoozern. Alle paar Minuten den Wecker weiterstellen, und das bis zu einer dreiviertel Stunde – kein Problem! Ich plane diese Zeit sogar mit ein, wenn ich den Wecker stelle. Nun gibt es leider schlechte Nachrichten: Laut der Schlafmedizinerin Dora Triché ist das Dauer-Snoozen Ausdruck eines unguten Schlafverhaltens. Hm. Allerdings gäbe es auch Menschen, die gar nichts daran ändern müssten. Ha! Mehr erfahren Sie hier im Interview .

Foto: Lightsy / Addictive Stock / IMAGO

Und sonst?

Über die geplante Kürzung des Elterngelds für Eltern, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen zusammen über 150.000 Euro liegt, wird derzeit heftig diskutiert. Die große Mehrheit der Deutschen hält nach einer SPIEGEL-Umfrage diesen Vorschlag für richtig. Eltern mit einem Einkommen über dieser Kappungsgrenze müssen sich nun im wahrsten Sinne des Wortes die Frage stellen, wie viel ihnen die Zeit mit dem Baby wert ist. In unserem Elternabend-Newsletter schreibt meine Kollegin Marianne Wellershoff darüber, wie wertvoll für sie die gemeinsamen Monate mit den Zwillingstöchtern waren, und warum gerade diese erste Zeit so wichtig ist für den Aufbau einer guten Bindung. Geborgenheit ist die Basis dafür, dass die Kinder Selbstvertrauen entwickeln und resilient werden gegen Krisen, die es leider ganz sicher in jedem Leben gibt.

Sie haben auch Kinder in ihrem Leben? Dann könnte der Elternabend-Newsletter vom SPIEGEL etwas für Sie sein. Meine Kolleginnen und Kolleginnen schreiben darin jeden Samstag über Erziehungsgeheimnisse, Ausflugstipps, Rezepte und vieles mehr rund um Familie. Hier können Sie sich .

Die gute Nachricht von Ihnen:

Unser Leser Martin Berschiek schickte uns dieses schöne Bild aus der Fischbeker Heide bei Hamburg, das sofort Lust macht auf einen Ausflug in die Natur, und schrieb dazu: »Was mir guttut: zu jeder Jahreszeit ein schöner Spaziergang. Ihre Beiträge tun mir auch gut. Danke dafür.«

Wie nett! Das zu hören, tut uns auch gut.

Foto: Martin Berschiek

Wenn auch Ihnen etwas Schönes widerfahren ist, Sie etwas erlebt, gesehen, gehört haben, das Sie teilen möchten: Schreiben Sie uns. Per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de . Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen*.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, bleiben Sie optimistisch! Und wenn Sie sich noch nicht für diesen neuen wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.

Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort

(*Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer – auf Wunsch – anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL.de und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.