Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten Wieso Spanien bei Frauenrechten so fortschrittlich ist
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Im Sommer, zur Urlaubszeit, sei es besonders schlimm, sagt Kommissarin María Jesús Cantos. Wenn Paare viel Zeit miteinander verbrächten, gäbe es mehr tote Frauen, ermordet von ihren Männern. Zehn waren es in den vergangenen Wochen in Spanien. Das ist die schlimme Nachricht. Die Gute lautet: Die Zahl der Frauen, die getötet worden seien, nachdem sie sich den Behörden anvertraut hätten, habe sich laut Cantos halbiert. Kaum ein EU-Land nimmt geschlechtsspezifische Gewalt so ernst wie Spanien.
Grund für den Rückgang der Morde ist auch ein Programm namens VioGén, das Cantos leitet. Rund 40.000 Beamte helfen beim Schutz der Frauen. Mehr als 2800 Spezialisten sind für Betroffene telefonisch erreichbar. »Unser System ist weltweit einzigartig«, sagt Cantos. Viele Länder beneiden Spanien um das beeindruckende Programm. Mehr als 700.000 Fälle wurden seit dem Start 2007 inzwischen verzeichnet. Vertraut eine Frau sich der Polizei an, ermittelt ein Algorithmus das Risiko, dass der Mann sie erneut angreifen könnte.
Graffiti in Málaga: Plötzlich Avantgarde
Foto:Stephen Taylor / mauritius images
»Viele Spanierinnen, die während der Wirtschaftskrise nach Deutschland ausgewandert sind, wundern sich, wie strukturkonservativ es hier im Vergleich ist und wie weit ihr Land trotz allen Machismos gekommen ist«, sagt mein Kollege Steffen Lüdke aus dem Auslandsressort, der zu den Fortschritten in Spanien recherchiert hat.
Doch nicht nur der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt gehört in Spanien seit Jahren zur Staatsräson. Auch sonst ist das Land – für viele überraschend – progressiv: Spanierinnen dürfen sich krankmelden, wenn sie unter Menstruationsschmerzen leiden, und werden trotzdem bezahlt. Personen ab 16 Jahren können ihren Geschlechtseintrag unkompliziert ändern lassen. Die Pille danach ist gratis. Die gleichgeschlechtliche Ehe führte Spanien 2005 ein, als weltweit drittes Land. Die Regierung des Sozialisten Pedro Sánchez verabschiedete kürzlich ein Gesetz, das in Aufsichtsräten von größeren Unternehmen eine Frauenquote von 40 Prozent vorschreibt.
»Es gab schon immer zwei Spaniens, ein sehr konservatives und ein progressives«, sagt Steffen. »Doch dass sie so weit in recht kurzer Zeit gekommen sind, ist definitiv bemerkenswert.« Seine Erklärung dafür: »Nach der langen Franco-Diktatur wollten viele Spanierinnen aufholen – und endlich zum Rest Westeuropas aufschließen. Gleichzeitig war die empathische spanische Gesellschaft immer wieder extrem schockiert über schreckliche Fälle von Gewalt gegen Frauen, jeder kennt die Namen der Opfer. Die Taten haben eine große Wirkung entfaltet.« Ich finde: VioGén sollte ein Vorbild sein für Deutschland und andere Länder.
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Berichte der Regierung und der Uno: Ein Zehntel der indischen Bevölkerung ist nicht länger arm
Im bevölkerungsreichsten Land der Welt ist die Zahl der Menschen, die in Armut leben, deutlich zurückgegangen. Uno-Schätzungen zufolge verringerte sich Anzahl der Inderinnen und Inder, die in multidimensionaler Armut leben, von 55 Prozent im Jahr 2005 auf 16,4 Prozent im Jahr 2021. Der Anteil der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sank demnach auf zehn Prozent. Es bleibt zu hoffen, dass die Pandemie und ihre Nachwirkungen diese Erfolge nicht zu sehr geschmälert haben.
Mann auf einer Mülldeponie in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi
Foto: Manpreet Romana / AFPGrüner Wasserstoff in gigantischem Ausmaß
In Namibia soll eine der weltweit größten Anlagen für grünen Wasserstoff entstehen – mit deutscher Beteiligung. Afrika gilt als perfekter Standort für die Produktion des neuen Rohstoffs. Unser Afrikakorrespondent Heiner Hoffmann war vor Ort und beschreibt in seiner Reportage, welche Chancen das Projekt bietet.
Frankreich verschwendet deutlich weniger Lebensmittel
Als erstes Land der Welt verabschiedete Frankreich im Jahr 2016 ein Gesetz, das es Supermärkten verbietet, unverkaufte Lebensmittel wegzuwerfen. Das scheint zu wirken: Tafeln etwa erhalten seitdem deutlich mehr Spenden, berichtet tagesschau.de in diesem Beitrag . Und das Gesetz wurde demnach auch ausgeweitet auf den Großhandel, größere Hersteller sowie kleinere Supermärkte und Kantinen.
Frauengesundheit: Wie sich Eierstockkrebs verhindern lässt
Es ist eine der besonders tödlichen Krebsarten, und es gibt bisher kein Screeningprogramm für Eierstockkrebs. Inzwischen gehen Ärztinnen und Ärzte immer häufiger dazu über, vorsorglich die Eileiter zu entfernen. Eine Studie an mehr als 25.000 Frauen hatte jüngst ergeben, dass sich das Risiko dadurch bedeutend senken lässt. Das beste Alter für den kurzen und unaufwändigen Eingriff sei nach Abschluss der Familienplanung und wahrscheinlich bis spätestens Mitte 50, zitiert meine Kollegin Veronika Hackenbroch eine Expertin. Lesen Sie hier den ganzen Text .
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Wo Eltern mit Plastikflaschen das Schulgeld bezahlen können
20 Millionen Kinder gehen in Nigeria, Afrikas bevölkerungsreichstem Land, nicht zur Schule. Vielen Familien fehlt das Geld. Einige Einrichtungen akzeptieren aber ein alternatives Zahlungsmittel: Plastikmüll. Sehen Sie hier im Video, wie das Projekt funktioniert.
Was gut ist – für Sie:
Fast alle Bundesländer haben inzwischen Sommerferien. Doch Entspannung bedeutet nicht unbedingt Erholung. Und meistens hält der Urlaubseffekt nur kurz an. »Es ist nicht so, dass ein längerer Urlaub mehr Erholung bringt als ein kürzerer Urlaub. Der entscheidende Faktor ist, wie ich den Urlaub erlebe und ob ich damit zufrieden bin«, sagt Carmen Binnewies, die an der WWU Münster zu Erholung forscht. In diesem Smarter-Leben-Podcast mit ihr hören Sie, bei welchen Urlaubsaktivitäten man besonders gut abschalten kann und wie wir uns das Urlaubsgefühl möglichst lange erhalten können.
Wie man im Urlaub der Instagram-Sucht entfliehen kann
Wir alle kennen es: Eigentlich möchte man ein gutes Buch lesen, seinen Gedanken nachhängen oder einen Film schauen, und dann bleibt man beim schnellen Nachrichtenscrollen am Smartphone-Display kleben, eine Social-Media-App ergibt die nächste und wenn man alle durch hat, noch mal von vorn. Damit Insta uns nicht länger von den wichtigen Dingen des Lebens abhält, erklärt Ihnen mein Kollege Markus Böhm aus dem SPIEGEL-Netzwelt-Ressort hier, wie Sie ganz einfach Limits setzen für die schlimmsten Zeitfresser-Apps.
Faulenzen ohne Hashtag oder schlechtes Gewissen
#MeTime #Yoga #Sauna: Wenn Mütter mal etwas machen, das nicht mit Kindern, Arbeit oder Haushalt zu tun hat, muss auch die Freizeit häufig effizient sein – um den Körper zu trimmen oder wenigstens um in den sozialen Netzwerken gut auszusehen. Stopp, sagt unsere Autorin Frauke Suhr und plädiert hier für Faulenzen mit gutem Gewissen . Und ohne Sinn und Zweck.
Das neue kostenlose SPIEGEL-Coaching: Lebensträume verwirklichen
Das Leben steckt voller wunderbarer Möglichkeiten. Aber wie können wir sie nutzen und möglichst viele Glücksmomente sammeln? In acht Schritten können Sie hier lernen, wie Sie Ihre tiefsten Wünsche wiederentdecken und in die Tat umsetzen. Teil 1 und Teil 2 sind bereits erschienen.
Und sonst?
Bleiben wir noch etwas beim Thema Urlaub. Vielleicht haben Sie vor, an diesem Wochenende in die Sommerferien aufzubrechen. Wer mit dem Auto fährt, muss nicht nur Tetris mit dem Gepäck im Kofferraum spielen und Hunger-Pipi-Durst-Langeweile-»Wann sind wir endlich da?« im Kopf haben, sondern sollte auch mit sehr vollen Straßen rechnen. Welche Spur die schnellste ist, wann man einen Stau auf der Autobahn umfahren und wann man lieber direkt reinfahren sollte, erfahren Sie hier.
Doch irgendwann kommen glücklicherweise alle an, und dann regnet es. Oder man ist gar nicht weggefahren und fragt sich: Wie können sich die Kinder in den Ferien nett beschäftigen? »Dein SPIEGEL« hat fünf Ideen für draußen und drinnen gesammelt – und getestet. Viel Spaß beim Basteln, Backen und Spielen!
Die gute Nachricht von Ihnen:
»Vor einiger Zeit wollte ich in einem Supermarkt eine Grünpflanze im Sonderangebot kaufen«, schrieb uns unsere Leserin Maria S. »An der Kasse stellte sich aber heraus, dass ich eine Pflanze mit einem höheren Preis erwischt hatte. Gerade als ich den Topf wieder zurückstellen wollte, hörte ich eine mir unbekannte junge Frau hinter mir sagen: ›Ich bezahle diese Pflanze und schenke Sie Ihnen. Man sollte immer etwas Grünes zu Hause haben.‹ Verblüfft, aber glücklich lächelnd ob dieses unerwarteten Geschenks verließ ich mit der schönen Grünpflanze den Laden.«
Wenn auch Ihnen etwas Schönes widerfahren ist, Sie etwas erlebt, gesehen, gehört haben, das Sie teilen möchten: Schreiben Sie uns. Per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de . Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen.*
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, bleiben Sie optimistisch! Und wenn Sie sich noch nicht für diesen neuen wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.
Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort
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Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft
Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.
Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.