Wladimir Putin: Wie ein Unbekannter zum mächtigsten Mann Russlands wurde - Podcast - DER SPIEGEL
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Vierteilige Podcastserie »Putins Aufstieg« Wie ein Unbekannter zum mächtigsten Mann Russlands wurde

Mitten in der Nacht übergab Boris Jelzin vor 25 Jahren die Herrschaft über Russland an Wladimir Putin. Der war damals politisch unbekannt – aber er wusste genau, wie autokratisch und antiwestlich sein Land werden sollte.
Ein Podcast von Olaf Heuser und Christian Neef

Es ist der 31. Dezember 1999, kurz vor Mitternacht.

Im russischen Fernsehen läuft ein Programm, wie es nie zuvor und auch danach nie mehr zu sehen war: Russlands Präsident Boris Jelzin hält seine Neujahrsansprache. Die Gesichtsmuskeln des Machtpolitikers bewegen sich genauso wenig wie der Schmuck am Weihnachtsbaum hinter ihm. Aber die Worte, die Jelzin spricht, stellen das gesamte Machtgefüge des riesigen Reiches auf den Kopf.

»Heute ist ein ungewöhnlich wichtiger Tag für mich. Ich möchte ein wenig mehr sagen, als ich es normalerweise tue. Ich möchte Sie um Vergebung bitten für die Tatsache, dass viele unserer Träume nicht in Erfüllung gegangen sind«, beginnt er und endet mit einem Lebewohl und dem Wunsch, seine Landsleute mögen glücklich werden.

Dann öffnet Jelzin die Tür seines Büros und begrüßt einen dünnen Mann mit ausdruckslosem Gesicht und großen Augen. Wladimir Putin, seinen Nachfolger.

31. Dezember 1999: Der Tag, an dem Boris Jelzin die Macht in Russland an Wladimir Putin abgibt

31. Dezember 1999: Der Tag, an dem Boris Jelzin die Macht in Russland an Wladimir Putin abgibt

Foto: ITAR-TASS / picture-alliance / dpa

Jelzin wünscht ihm viel Glück, übergibt eine Dokumentenmappe und damit sozusagen auch die Räumlichkeiten im Kreml. Dann nimmt er seinen Mantel, verabschiedet sich und geht hinaus in die Moskauer Winternacht.

Mit dieser Inszenierung beginnt Putins Aufstieg zum mächtigsten Mann Russlands. Zum zeitweiligen Reformer seines Landes. Zum Autokraten. Und schließlich zum Diktator, der den Krieg zurück nach Europa bringt.

Ein halbes Jahr vor dieser Szene war Putin ein politisch Unbekannter. Dann erwählte ihn der mächtige Jelzin-Clan als Nachfolger für den nicht mehr haltbaren Familienpatriarchen. In einer vierteiligen Sonderserie des SPIEGEL-Auslandspodcasts »Acht Milliarden« erzählt Russland-Experte Christian Neef, wie Putin eher zufällig an die Macht kam und danach das Land nach seinen Vorstellungen und Ängsten formte.

»Überraschend war diese Auswahl auf jeden Fall«, sagt er im Podcast. »Nicht für die Jelzin-Familie natürlich, aber für alle anderen. Nicht nur für Journalisten oder für das russische Volk selbst oder für das Ausland, sondern auch für alle Politologen und jeden, der mit Politik in Moskau zu tun hatte.«

Die erste Folge der Podcastserie erzählt von der »Operation Nachfolger«: Wie Jelzin und sein Clan eine künstliche Partei erschaffen, die für Putin die Duma-Wahl gewinnen soll. Wie sie den heutigen Verteidigungsminister und damaligen Volkshelden Sergej Schoigu als Parteichef installieren, damit Putin im Falle einer Niederlage keinen politischen Schaden erleidet. Und wie deutlich der designierte Präsident schon zum Jahrtausendwechsel definiert, wie sein Russland aussehen wird.

»Schon in seiner sogenannten Millenniums-Botschaft sagt Putin ganz klare Dinge, die eigentlich antiwestlich sind«, analysiert Christian Neef. »Er sagt nämlich, die Rolle der Staatsmacht sei in Russland immer größer gewesen als in der westlichen politischen Kultur. Daher könne Russland nicht eine Kopie der USA oder Englands werden, wo liberale Werte lange historische Tradition haben. Also, der Staat muss ausgebaut werden. Der Staat, sagt er, ist bei uns ein ganz anderes Instrument, als er in westlichen Ländern ist. Der Mensch, das Individuum, muss zurücktreten.«

Die erste Folge der Podcastserie »Putins Aufstieg« hören Sie hier:

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