Jeep wird 75: Vorwärts im Rückwärtsgang - DER SPIEGEL
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Jeep-Jubiläum: Es gibt ein Durchkommen

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75 Jahre Jeep Vorwärts im Rückwärtsgang

Jeeps ließen sich von nichts aufhalten, weder von den Nazis noch von der Wildnis. Jetzt feiert die Marke, die als Synonym für Geländewagen gilt, ihren 75. Geburtstag - und wirkt irgendwie steckengeblieben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Freiheit!", ruft Stefan Moldaner, "Jeep ist wohl die einzige Marke der Welt, die aus dem Streben nach Freiheit entstanden ist." Man kann das auch weniger pathetisch formulieren als Moldaner, aber der Mann ist nun mal Markenchef von Jeep in Deutschland.

Auf was er mit der Freiheitserklärung hinaus will: Die US-Army benötigte im Zweiten Weltkrieg dringend ein "leichtes Aufklärungsfahrzeug mit Vierradantrieb". Die Wahl fiel schließlich auf ein Modell des Herstellers Willys-Overland, das ab 1941 zur Ikone wurde: GIs im Willys MB als Kaugummi verteilende Befreier von der Nazi-Diktatur - ein Symbolbild.

Dieser Wagen war die Basis für die Marke Jeep, deren Name zum Gattungsbegriff für Geländewagen avancierte - wie Tesa für Klebeband oder Tempo für Papiertaschentücher. Warum aus der Modellbezeichnung Willys MB überhaupt Jeep wurde, dazu gibt es mehrere Theorien. Die gängigste geht so: Bei der Entwicklung des Allradlers handelte es sich um einen Regierungsauftrag, ein "Governmental Project" oder kurz GP, und die Ingenieure mussten ständig Änderungswünsche der Militärs berücksichtigen. Diese wurden durchnummeriert nach dem Muster GP1, GP2 und so weiter. Und irgendwann hatte sich das GP (gesprochen: Dschipie) zu Jeep abgeschliffen. 1955 tauchte das Wort Jeep - nachdem es schon längst gebräuchlich war - erstmals als Markenname auf den Autos auf.

Geburtshelfer des SUV-Segments

Die robusten Allradler waren in der zivilen Welt angekommen, es gab neben dem kompakten Viersitzer einen siebensitzigen Kombi und einen Minilaster. Jeep wuchs, und der Hersteller Willys-Overland fusionierte mit der Kaiser-Frazer Corporation. Es war der erste von bislang sechs Eigentümerwechseln. Heute gehört Jeep zu Chrysler und damit zum Konzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA).

Jürgen Pander

So wechselhaft die Unternehmensgeschichte auch war: die Modellpolitik von Jeep ist ein einziges Beharren. Der Jeep CJ-5 wurde mehr als 30 Jahre lang fast unverändert gebaut. Im Prinzip ist auch der aktuelle Jeep Wrangler zumindest optisch noch sehr eng an dieses Auto angelehnt: Siebenschlitziger Kühlergrill, runde Scheinwerfer, trapezförmige Radhäuser, Haken zur Motorhaubenverriegelung, Kastendesign - kaum ein anderes modernes Serienauto ähnelt so stark einem Ur-Modell.

Das gleiche gilt für den Jeep Wagoneer, mit dem die Marke 1963 sozusagen das moderne Sports Utility Vehicle, kurz SUV, begründete - jenen Fahrzeugtyp, um den in der Autobranche ein Hype ausgebrochen ist. Der luxuriöse Familien-Geländewagen, der ab 1974 vom nahezu baugleichen, etwas sportlicher positionierten Modell Cherokee flankiert wurde, blieb bis 1993 kaum verändert im Angebot. Der Wagoneer war der erste Allradler mit Automatikgetriebe und der erste mit selbsttragender Karosserie - mit einem Starrachsen-Fahrwerk, das vorn mit Schraubenfedern und hinten mit Blattfedern bestückt war.

Unveränderliche Gestaltungselemente, extreme Geländegängigkeit, robuste Technik - diese Merkmale prägten die Marke Jeep in den vergangenen 75 Jahren. Für die Zukunft wären allerdings ein paar Ideen zu den Themen Effizienz, Nachhaltigkeit oder Vernetzung nicht schlecht. Doch da hat Jeep nicht viel zu bieten.

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75 Jahre Jeep: Karriere als Zivilist

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Immerhin koppelt das Allradsystem inzwischen automatisch den Hinterachsantrieb ab, wenn er nicht benötigt wird. Das senkt den Verbrauch. Der 6,4-Liter-V8-Motor des Grand Cherokee schaltet bei moderater Beanspruchung außerdem vier seiner acht Zylinder ab, um Sprit zu sparen. Doch von Hybridisierung oder gar Elektrifizierung ist noch keine Rede. Die Technologien seien alle im Konzern vorhanden, heißt es, konkrete Ansagen jedoch gibt es nicht.

Erst einmal will Jeep weiter vom SUV-Boom profitieren. "Im Jahr 2018 wollen wir weltweit zwei Millionen Autos verkaufen", sagt Stefan Moldaner. Im vergangenen Jahr waren es 1,2 Millionen. Auf Deutschland entfielen 14.819 Jeep-Neuzulassungen, was einerseits sehr bescheiden ist, andererseits aber eine Absatzsteigerung von gut 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Moldaner peilt für 2018 einen Marktanteil von einem Prozent in Deutschland an. Das wäre eine Verdopplung des aktuellen Werts.

Man bleibt sich treu - und das ist ein Problem

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn im kommenden Jahr wird Jeep einen neuen Kompakt-SUV im Format des VW Tiguan vorstellen. Anschließend soll eine neue Generation der Markenikone Wrangler erscheinen, unter anderem auch als Pick-up-Variante, und eine Neuauflage des Flaggschiffs Grand Cherokee ist ebenso geplant.

Zum Markenjubiläum gibt es jetzt aber erst einmal die "75th Anniversary Special Edition": Limitierte Sondermodelle aller Jeep-Baureihen mit üppiger Ausstattung, bronzefarbenen Zierelementen und Sonderfarben. "Man kann sich als Marke treu bleiben und dennoch innovativ sein", sagt Moldaner. Recht hat er, an Treue fehlt es bei Jeep nicht. Eher an Innovationen.