Bentley Continental GT im Test: Rolle rückwärts - DER SPIEGEL
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Autogramm Bentley Continental GT: Rolle rückwärts

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Autogramm Bentley Continental GT Die vielleicht teuerste Jackenablage der Welt

Bentley kombiniert im Continental GT modernste Digitaltechnik mit alter Handwerkskunst. Sechs Kuhhäute, zehn Quadratmeter Holzfurnier wurden in dem Wagen verarbeitet. Wer hinten sitzt, kann den Luxus nicht genießen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Zu tief ins Glas geschaut? Das Innenleben der Scheinwerfer und Rückleuchten des neuen Bentley Continental GT erinnert an kristallene Whiskey-Schwenker.

Das sagt der Hersteller: Hightech und Handwerkskunst - das waren für Entwicklungschef Rolf Frech die beiden Ecksäulen bei der Arbeit am neuen Continental GT. Der Ingenieur, der sich mit diesem Modell in den Ruhestand verabschiedet hat, ließ etwa für den Zwölfzylinder, das digitale Cockpit oder das aufwendige Fahrwerk mehr Software programmieren als für einen Boeing Dreamliner. Doch im Innenraum kommen nach wie vor klassische Materialien zum Einsatz, etwa mehr als zehn Quadratmeter Holzfurnier oder die Häute von sechs Kühen. In der edelsten Ausstattung sind diese mit exakt 310.675 Stichen abgesteppt.

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Das ist uns aufgefallen: Der Continental ist in jeder Hinsicht extrem: Der Innenraum ist von den großen Lederflächen bis zu den mikrofeinen Gravuren auf den Stellern der Luftausströmer luxuriöser und liebevoller gestaltet als jedes andere Auto aus dem VW-Konzern und einem Rolls-Royce ebenbürtig. Das Einzige, was in dieser Lounge aus Lack und Leder nicht opulent ist, das sind die Platzverhältnisse im Fond, die das Ledersofa zur vielleicht teuersten Jackenablage der Welt reduzieren.

Das Fahrverhalten ist deutlich sportlicher, als man es von Autos in dieser Klasse kennt. Zwar versuchen auch Modelle wie der Rolls-Royce Wraith, das Coupé der Mercedes S-Klasse oder der Achter BMW sowohl sportlich als auch komfortabel, luxuriös zu sein - doch kein anderer Gran Turismo schafft das so überzeugend wie der neue Continental GT.

Und das liegt nicht allein am sechs Liter großen Zwölfzylinder, aus dem zwei Turbolader ein maximales Drehmoment von 900 Nm pressen. Der 635 PS starke Motor bringt den Wagen in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Fahrer hört davon kaum etwas, sitzt er doch hinter dickem Isolierglas. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 333 km/h. Stark und schnell waren die Autos von Bentley schon immer. Doch während der letzte Continental noch fuhr wie ein Hochgeschwindigkeitszug und bei Vollgas eigentlich nur auf Geraden zu beherrschen war, macht der neue seine Sache auch in Kurven gut.

Die Ingenieure spendierten dem Luxuswagen nicht nur einen voll variablen Allradantrieb, sondern auch eine Luftfederung, die den Fahrkomfort zwischen wolkenweich und sportlich variieren kann. Zudem bauten sie noch einen Wankausgleich mit 48-Volt-Technologie. Extrem schnelle Elektromotoren stellen die Stabilisatoren so ein, dass sich der Wagen kaum mehr in die Kurven neigt und entsprechend schneller ums Eck kommt.

Das fühlt sich gespenstisch an und kann freilich auch gefährlich werden. Denn zusammen mit der perfekten Dämmung und dem nahezu komplett gekapselten Motor geht so jedes Gefühl für Geschwindigkeit verloren.

Das muss man wissen: Der neue Continental GT kostet mindestens 201.467 Euro und wird - wie alle Bentleys - weitgehend in Handarbeit gebaut. So zumindest erzählen es die Briten und sind stolz darauf, dass sie in Crewe weniger Roboter haben als in jeder anderen VW-Fabrik - mit Ausnahme von Bugatti. Die Geschichte funktioniert allerdings nur, weil die meiste maschinelle Arbeit andernorts im Konzern erledigt wird. Die sehr wohl von Robotern und großen Pressen geformten Karosserieteile zum Beispiel kommen aus der Porsche-Fabrik in Leipzig.

Gestartet ist der Continental GT als Coupé mit zwölf Zylindern. Aber dabei wird es nicht bleiben. Der neue Chef Adrian Hallmark hat zuletzt bei Jaguar gelernt, wie man eine Modellplatte mit einfachen Mitteln weiter auffächern kann. Außer einem Continental V8 und natürlich einer Cabrio-Variante, wird Bentley sicher auch wieder Derivate wie den GT Speed auflegen und für sehr viel mehr Geld ein bisschen mehr Leistung anbieten. Weitere Motorvarianten sind dagegen unwahrscheinlich.

Das werden wir nicht vergessen: Die Opulenz des Wagens. Allein die pfundschweren Aschenbecher aus Echtmetall sind fast ein Grund, wieder mit dem Rauchen anzufangen. Doch das absolute Highlight ist die rotierende Konsole zwischen den beiden Passagieren in der ersten Reihe. Die Entwickler nennen sie etwas despektierlich Toblerone. Auf der einen Seite zeigt sie einen gestochen scharfen Touchscreen. Auf Knopfdruck erfolgt eine Rolle rückwärts, damit mechanische Uhren zum Vorschein kommen, die für Normalsterbliche jeden Preisrahmen sprengen.

Hersteller:Bentley
Typ:Continental GT W12
Karosserie:Coupé
Motor:W12-Zylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe:8-Gang-Doppelkupplung
Antrieb:Allrad
Hubraum:5.950 ccm
Leistung PS:635 PS
Leistung kW:467 kW
Drehmoment:900 Nm
Von 0 auf 100:3,7 Sek.
Höchstgeschw.:333 km/h
Verbrauch (ECE):12,2 Liter
CO2-Ausstoß:278 g/km
Kraftstoff:Super
Kofferraum:358 Liter
Gewicht:2.254 kg
Maße:4850 / 1954/ 1405
Preis:201.467 €

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