BMW X3: Generation zwei fährt vor
BMW X3 Limousine mit Geländeoptik
Die Zulassungszahlen für kompakte Geländewagen gehen noch immer weiter nach oben. Diese Entwicklung möchte auch BMW nutzen und rollt ab 20. November zu Preisen ab 39.100 Euro die zweite Generation des Modells X3 zu den Händlern. Mit dem neuen Auto wurde deutlich mehr verändert, als das in der Autoindustrie üblich ist. Die Produktion beispielsweise findet nun nicht mehr bei Magna in Graz statt, sondern ab sofort im US-amerikanischen BMW-Werk in Spartanburg. Und der Wagen selbst wurde ein wenig protziger und zugleich praktischer, die Motoren stärker und dennoch sparsamer.
Vor sieben Jahren debütierte der erste BMW X3, das Auto war der erste Kompakt-SUV eines so genannten Premiumherstellers. "Mittlerweile haben all unsere direkten Konkurrenten nachgezogen", sagt Markus Braunsberger, der Chef der Baureihe beim Münchner Autobauer. Um gegen die neue Konkurrenz zu bestehen, hat BMW jetzt gründlich nachgelegt. Vor allem der Fahrkomfort, der Alltagsnutzen und die Anmutung des Interieurs sind nun deutlich besser als zuvor.
BMW: Von Flugzeugbauer zum Premium-Pkw-Hersteller
Das spürt man auf der Testfahrt bereits nach wenigen Minuten. Schließlich sind die US-Highways berüchtigt für die schlechte Qualität der Betonfahrbahnen. Wo der alte X3, der fast schon zwanghaft Sportlichkeit zur Schau stellte, wie ein störrischer Esel über die Querfugen gerumpelt wäre, rollt der Nachfolger ruhig und gelassen über die Interstate I-85. "Bei der Abstimmung haben wir uns eher an unseren Limousinen orientiert als unseren Geländewagen", sagt Heinz Krusche, der bei BMW die Fahrdynamik verantwortet.
Auf Knopfdruck simuliert der Kompakt-SUV den Sportler
Doch ganz auf die Rolle des gelassenen Gleiters soll sich ein BMW nun auch wieder nicht beschränken. Deshalb genügt ein Druck auf die Schaltwippe auf der Mittelkonsole, und die alten Härte ist zurück: Der Motor dreht höher, man braucht mehr Kraft am Lenkrad und die Straßenlage wird bestimmter. Außerdem fährt der Wagen dann noch flotter um die Ecken.
Auf dem Weg durch Atlanta ist aber weder an schnelle Kurven noch an eine flotte Landpartie zu denken. Dafür bietet der Stau in der Rushhour Gelegenheit für eine Revision des Innenraums: Wo der erste X3 noch ein wildes Potpourri aus BMW 3er, 5er und Z3 war, blickt man jetzt auf eine harmonische Landschaft in Lack und Leder, die sauber verarbeitet und liebevoll gestaltet wurde. Der alte Klappmonitor des Navigationsgeräts ist einem Festeinbau samt iDrive-Controller gewichen - das ist jener Kombiregler, der ähnlich wie eine Computermaus funktioniert. Auf Wunsch gibt es zudem Extras wie ein Headup-Display oder die Kamerarundumsicht "Top View", die Instrumente im schwarzen Cockpit wirken so edel wie im BMW 7er und die Bedienung gibt endlich keine Rätsel mehr auf.
Mehr Platz im Fond, 550 Liter Kofferraumvolumen
Außerdem hat man jetzt genügend Platz auf allen Plätzen. Der X3 ist in jeder Dimension um ein paar Zentimeter gewachsen: Vorne herrscht im neuen Modell ein großzügiges Raumangebot, und die Rückbank ist nun auch für Erwachsene eine komfortable Empfehlung. Außerdem gibt es auch ausreichend Platz für Zuladung: Der Gepäckraum hinter der auf Wunsch auch elektrisch aufschwingende Heckklappe fasst nun 550 Liter.
Die wichtigste Motorisierung für den deutschen Markt ist der zwei Liter große Dieselmotor im Basismodell X3 20d. Er klingt zwar beim Anfahren ein wenig knurrig, ist aber ansonsten ein kultiviertes Kraftpaket, das gut mit dem knackigen Sechsgang-Getriebe kontrolliert werden kann. 184 PS und 380 Nm garantieren ein flottes Fortkommen. Immerhin schafft der Wagen den Sprint in 8,5 Sekunden und läuft locker 210 km/h. Neben dem kleinen Diesel gibt es für rund 12.000 Euro Aufschlag einen großen Benziner im Modell X3 35i, der aus sechs Zylindern und drei Litern Hubraum 306 PS entwickelt. Im nächsten Jahr folgen ein 30d mit 245 PS und ein 28i mit 258 PS.
Wachstum ohne Nebenwirkungen - gibt's das überhaupt?
Obwohl der X3 in jeder Variante stärker und schneller wurde als früher, haben die Motoren weniger Spritdurst. Das liegt am Feinschliff für die Konstruktion, aber auch an der serienmäßigen Start-Stopp-Funktion, die BMW bei den Benzinmodellen erstmals auch mit der neuen Achtstufen-Automatik kombiniert. Und es liegt am Leichtbau: "Wir wollten Wachstum ohne Nebenwirkungen", sagt Braunsberger. "Trotz des größeren Formats ist zum Beispiel der X3 20d um 25 Kilogramm leichter als bisher" - immerhin.
X1, X3, X5, X6 - die SUV-Truppe bei BMW wirkt frisch und austrainiert. Vermutlich wird die Riege noch größer, denn angeblich wird bereits an einem X4 gearbeitet wird. Ermutigend für Entwickler und Marketingleute ist der Erfolg des SUV-Coupés X6. Außerdem gibt es namhafte Konkurrenten, die es in der Kompakt-SUV-Klasse mit einem Zweitürer versuchen wollen. Den Range Rover Evoque zum Beispiel, oder den avisierten Porsche Cajun. Die BMW-Designer jedenfalls hätten schon ein paar Ideen. Bereits die ersten Skizzen zum neuen X3 zeigten ausschließlich Zweitürer.