Mini Countryman im Test: Das rollende Bällebad - DER SPIEGEL
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Mini Countryman Cooper D: Das Spielmobil

Foto: Jürgen Pander

Mini Countryman Cooper D Der Maxi-Mini

Fast viereinhalb Meter Auto und technisch ein Bruder des BMW X1: Vom einstigen Markenkern hat sich Mini mit dem Countryman längst verabschiedet. Aber so üppig wie das Maß ist auch die Masse an verspielten Details.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ist das jetzt originell oder einfach nur albern? Im Mini Countryman gibt es die Funktion "Mini Country Timer": Sie erkennt anhand von Daten des GPS und der Fahrassistenzsysteme, ob das Auto im Gelände bewegt wird. Je nach gesammelter Strecke kann es der Fahrer dann vom "Street Cruiser" (Level 1) über den "Rock Rocker" bis zum "Cliff Champ" (Level 7) bringen. Der Mini Countryman hat wohlgemerkt 16,5 Zentimeter Bodenfreiheit und - im Falle unseres Testwagens - einen Frontantrieb. Er ist also ungefähr so geländegängig wie ein VW Golf.

Der Offroad-Kilometerzähler mit Highscore-Funktion macht es deutlich: Man braucht Humor, um dieses Auto zu mögen. Insofern ist auch die SUV-Variante des Mini dem Grundkonzept der BMW-Tochtermarke treu geblieben, die Kunterbunthaftigkeit und Verspieltheit auf die Spitze zu treiben. Gleichzeitig stellt der Countryman wegen seiner schieren Größe (ein Fünftürer!) den übelsten Verrat an der Ursprungsidee des Minis, die ja schon im Namen steckt, dar.

Was soll man sagen: Der Erfolg gibt den Mini-Machern recht. Von der ersten, im Herbst 2010 auf den Markt gekommenen Generation des Countryman wurden mehr als 550.000 Exemplare verkauft. Die zweite Generation ist seit Frühjahr am Start. Sie ist noch größer und üppiger als ihr Vorgänger, die Technik basiert auf dem BMW X1.

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Mini Countryman Cooper D: Das Spielmobil

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Das Auto misst jetzt 4,30 Meter, bietet fünf Sitzplätze und ein Ladevolumen, das je nach Stellung der Rücksitzlehnen von 450 bis 1390 Liter reicht. Die billigste Version des Countryman kostet 26.500 Euro und tritt mit einem 136 PS starken Dreizylinder-Benziner an. In unserem Testauto vom Typ Cooper D steckte ein Vierzylinder-Diesel mit 150 PS im Motorraum. Ein angenehmer Motor, laufruhig und kraftvoll. Sparsam? Das nicht: Der Bordcomputer unseres Wagens meldete am Ende einen Durchschnittsverbrauch von 6,6 Liter je 100 Kilometer, das ist eine saftige Abweichung von den offiziell angegebenen 4,5 Litern. Die Abgase werden von einem NOx-Speicherkatalysator gereinigt, die Maschine erfüllt die aktuelle Abgasnorm Euro 6c.

Soweit die Formalitäten. Doch die sind bei einem Mini ja eher nebensächlich. Denn was den Countryman von den vielen anderen Autos in seiner Klasse abhebt, ist ein Schwung an Details. In der Summe ergeben sie das Bild eines Kompakt-SUV, der so aufgedreht wirkt wie ein Teenager vor dem ersten Discobesuch.

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"Wie in der Disco", urteilten auch zwei achtjährige Mitfahrerinnen auf der Rückbank, als sie die Lichtspielerei um das kreisrunde Bedien- und Anzeigeninstrument auf der Mittelkonsole erblickten. Je nach Fahrsituation wechselt dessen Farbe: Schlägt der Einparksensor an, flammt der Lichtkreis erst orange auf und wird roter, je näher man einem Hindernis rückt. Schaltet man den "Mini Driving Mode" von der Normalstellung (orange- und pinkfarbenes Licht) auf "Sport" oder "Green", wechselt die Illumination ins Rote oder Grüne. Die Farben ändern sich sogar, wenn man im Bordcomputer vom Kommunikations- ins Navigationsmenü wechselt.

So viele Möglichkeiten!

Zum Starten des Motors muss man einen roten Kippschalter auf der Armaturentafel drücken. Eine weitere Leiste mit Kippschaltern befindet sich - wie in einem Flugzeugcockpit - am Dachhimmel. Das Interieur ist ein Mix aus Retro- und Digitalelementen. Geprägt wird es letztlich aber vom persönlichen Geschmack des Besitzers, denn kein anderes Fahrzeug dieser Klasse lässt sich derart individualisieren.

Zur Wahl stehen zum Beispiel sieben Sitzpolsterungen, Lederapplikationen an den Türverkleidungen in vier Farben, vier unterschiedliche Interieuroberflächen, dazu ein extra Chrompaket, diverse Ausführungen des Dachhimmels und der Fußmatten, drei Lenkräder und für außen elf Lackfarben, vier Arten von Motorhaubenstreifen, drei Dachfarben, extra Chromzierat, eine schwarze Dachreling, eine Offroad-Beplankung, ein Dachspoiler sowie ein Aerodynamik-Kit.

Wer sich fest vorgenommen hat, einen Mini Countryman zu kaufen, ansonsten aber nicht entscheidungsfreudig ist, sollte sich jetzt schon mal in den Ausstattungskatalog vertiefen - vielleicht steht die Zusammenstellung dann zur nächsten Modellgeneration in ein paar Jahren.

Sind die Geschmacksfragen geklärt, wartet auf Kunden mit größerem finanziellem Spielraum noch eine Vielfalt an technischen Optionen: Vom Head-up-Display (600 Euro) über die automatische Heckklappe (450 Euro), den Rundum-Einparksensoren (800 Euro) bis zum Navigationssystem (2160 Euro).

Fahrerisch bereitet der Countryman auch ohne viel Schnickschnack großen Spaß. Der Wagen ist naturgemäß zwar nicht so agil, wie man das von den kleineren Mini-Typen kennt, doch Fahrwerk, Lenkung und der drehmomentstarke Motor verbreiten schon das, was im Mini-Mutterhaus BMW als "Freude am Fahren" gepriesen wird. Nur das standardmäßige Sechsgang-Schaltgetriebe könnte sich vielleicht etwas geschmeidiger bedienen lassen, hier stören ab und zu kleinere Hakeleien.

Ansonsten findet sich kaum etwas, was an diesem Auto nervt - immer vorausgesetzt, man steht auf die typischen Mini-Verspieltheiten. Wer Kippschalter, Lichtshows und "Cliff Champ"-Contests mag, wird sich in dem Wagen jedenfalls wie in einem Bällebad auf Rädern fühlen.

Hersteller:Mini
Typ:Countryman Cooper D
Karosserie:SUV
Motor:Vierzylinder-Diesel
Getriebe:Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb:Front
Hubraum:1.995 ccm
Leistung PS:150 PS
Leistung kW:110 kW
Drehmoment:330 Nm
Von 0 auf 100:8,9 Sek.
Höchstgeschw.:208 km/h
Verbrauch (ECE):4,5 Liter
CO2-Ausstoß:118 g/km
Kofferraum:450 Liter
umgebaut:1.390 Liter
Gewicht:1.480 kg
Maße:4299 / 1822 / 1557
Versicherung (HP):17 €
Versicherung (TK):22 €
Versicherung (VK):23 €
Preis:29.500 €

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