Renault Talisman im Test: Der Einschmeichler - DER SPIEGEL
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Autogramm Renault Talisman: Dann mal viel Glück

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Autogramm Renault Talisman Der Einschmeichler

Renault schickt den Talisman ins Rennen um die Mittelklasse - und pfeift dabei auf stramme Motoren. Stattdessen setzen die Franzosen auf ein fast beispielloses Platzangebot und kuschelige Atmosphäre.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Bloß nicht kuschen! Renault wagt sich mit dem Talisman ins hart umkämpfte Segment der Mittelklasse und hat dem Wagen eine Form verpasst, die nur so vor Selbstvertrauen strotzt.

Das sagt der Hersteller: "Wir wollen, dass die Kunden stolz sind, wenn sie das Auto parken und beim Weggehen noch einmal einen Blick über die Schulter werfen", sagt Renault-Chefdesigner Laurens van den Acker. Dabei setzt Renault nicht nur auf das selbstbewusste Design. "Wir wollen die Kunden auch mit dem Raumangebot, mit Komfort und mit Technik überzeugen", sagt Konzernchef Carlos Ghosn.

Das ist uns aufgefallen: Warm und wohnlich empfängt einen der neue Talisman. Wo es im VW Passat bei aller Noblesse so nüchtern zugeht wie in einem deutschen Amtszimmer und im Opel Insignia oder im Ford Mondeo wie in einem in die Jahre gekommenen Business-Hotel, sitzt man im Renault sozusagen in der guten Stube. Die Ambientebeleuchtung ist angenehm und unaufdringlich, das Armaturenbrett mit dem senkrechten Touchscreen wirkt aufgeräumt und übersichtlich.

Bei der Konstruktion der Sitze ist Renault sogar ein kleines Kunststück gelungen: Die dicken Kopfstützen sind kuschelweich, und die Lehnen und Kissen so bequem gepolstert, dass man sich darin wie in einen Wohnzimmersessel schmiegen kann. Soviel Komfort traut man dem Gestühl auf den ersten Blick gar nicht zu, und Renault hebt außerdem hervor, dass die Sitze der Limousine zu den dünnsten dieser Klasse gehören und deshalb drei Zentimeter weniger Platz einnehmen.

Überhaupt, das Platzangebot: Der lange Radstand von 2,81 Meter und die kompakt verbauten Motoren sorgen dafür, dass man in der Fahrgastzelle des Talisman viel Bewegunsgfreiht hat. In dieser Klasse bietet nur der Skoda Superb noch mehr Raum.

Innen ist bei diesem Renault also alles entspannt - und passend dazu ist auch die Motorisierung eher gemütlich. Unser Testwagen hatte den stärksten Dieselmotor mit 160 PS. Bei Geschwindigkeiten bis 130 km/h ist der Talisman damit eine formidable Reiselimousine. Das dicke Dämmglas schottet wirkungsvoll die Wind- und Außengeräusche ab, das adaptive Fahrwerk bettet einen wie auf Watte, die Hinterachslenkung sorgt für geradezu beiläufige Spurwechsel.

Für den dynamischen Ritt auf der Landstraße ist er dagegen nicht geschaffen. Dafür fehlen Fahrwerk und Lenkung selbst im Sport-Modus die Schärfe und vor allem fehlt dem Antrieb der Punch.

Das muss man wissen: Der Renault Talisman ist im Grunde ein Espace mit Flachdach. Er übernimmt von der Großraumlimousine neben der Plattform auch viel Technik - von den LED-Scheinwerfern über die Allradlenkung und das Head-up-Display bis hin zur Onlinenavigation und Appstore. Auch die Motoren kennt man allesamt aus anderen Renault-Modellen: Es gibt zwei Benziner mit 1,6 Liter Hubraum und 150 oder 200 PS sowie drei Diesel mit 1,5 oder 1,6 Liter Hubraum mit einer Leistung von 110, 130 oder 160 PS.

Gebaut wird das Auto im nordfranzösischen Douai. Das Renault-Werk wurde dort für 420 Millionen Euro zur Oberklasse-Fabrik aufgerüstet. Dabei haben den Franzosen Spezialisten von Kooperationspartner Daimler geholfen. Der Produktionsanlauf gestaltet sich allerdings noch etwas holprig. Renault musste den Start des Talisman jedenfalls um ein paar Wochen verschieben, er soll jetzt im Frühjahr 2016 über die Straßen rollen.

Fest steht, dass zuerst eine Limousine für mindestens 27.950 Euro auf den Markt kommt; etwas später folgt für exakt 1000 Euro mehr die Kombiversion Grandtour, die viel wichtiger ist, was die Stückzahlen angeht.

Das werden wir nicht vergessen: Den "Komfort"-Modus. Das Auswählen dieses Fahrprogramms bezweckt zwar das gleiche wie bei vielen anderen Autos auch; die Federung wird softer, die Lenkung weicher, die Gänge des Doppelkupplunggetriebes wechseln gemächlicher. Bei Renault wird die Komfortzone aber zusätzlich ausgeweitet - indem der Sitz automatisch das Massageprogramm startet. Das nennt man dann wohl Savoir-Vivre.