Suzuki V-Strom 650XT im Test - DER SPIEGEL
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Suzuki V-Strom 650XT: Treue Seele

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Autogramm Suzuki V-Strom 650XT Einfach goldig

Auch nach der Überarbeitung ist die Suzuki V-Strom 650XT keine Schönheit. Beim Fahren glänzt sie dennoch - und das nicht nur wegen goldener Felgen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Bieder und brav.

Das sagt der Hersteller: Die V-Strom mit 645-Kubik-Motor ist ein Dauerbrenner aus dem Hause Suzuki. Sie gehört zu jenen Motorrädern, die im Design zwar unauffällig sind, aber wegen ihrer schieren Masse zur Präsenz einer Marke auf der Straße beitragen: Seit der Markteinführung im Jahr 2004 haben die Japaner mehr als 170.000 Stück des günstigen Allrounders gebaut.

Gerald Steinmann, Marketing Manager bei Suzuki Europe, schwört deshalb auf die Maschine: "Mit der 650er V-Strom hat man eigentlich alles, was man an Motorrad braucht. Es ist bezahlbar, passt für Einsteiger, für Pendler, für Weltreisende. Und ins Gelände kann man damit auch."

Doch der Markt hat sich in den letzten Dutzend Jahren stark verändert: Die Abverkäufe der kleinen V-Strom gingen massiv zurück. Fahrer haben inzwischen in dieser Klasse Alternativen von Kawasaki, BMW und Yamaha zur Auswahl oder wollen gleich ein Retrobike, das mehr hermacht.

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Suzuki V-Strom 650XT: Treue Seele

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Seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt für Motorräder die Euro-4-Norm mit unter anderem verschärften Abgas-, Verbrauchs- und Lärmwerten. Suzuki hat deshalb die Zäsur genutzt, die V-Strom 650 noch einmal - auch stilistisch - aufzufrischen: Die Maschine hat jetzt einen veränderten V2-Motor mit 71 PS, eine Traktionskontrolle und etwas mehr Elektronik an Bord.

Das ist uns aufgefallen: Optisch ist die V-Strom 650 näher an die große Schwester, die V-Strom mit 1000-Kubik-Motor, herangerückt. Die Front beider Versionen ist jetzt ziemlich identisch. Gemein ist ihnen der Entenschnabel, die seitlichen Verkleidungen unterscheiden sich nur in Nuancen. Der Schalldämpfer liegt bei der V-Strom 650 weiter unten, was mehr Platz für den Koffer schafft. Aber wirklich hübsch oder gar aufregend haben die Eingriffe ins Detail auch das Modelljahr 2017 nicht gemacht.

Positiv ist allenfalls zu vermelden: Der Bugspoiler steht dem Aggregat sehr gut und die XT-Variante, die wir gefahren sind, ist mit auffälligen Goldfelgen und Drahtspeichen versehen. Auch die Details im Cockpit sind allesamt ansprechend. Der neu geformte und mehrfach verstellbare Windschild schützt tatsächlich vor Verwirbelungen. Das digitale Instrument mit allen nötigen Informationen wird ergänzt von einem analogen Drehzahlmesser und einer nützlichen 12-Volt-Steckdose.

Ihre echten Werte spielt die V-Strom 650 bei der Probefahrt aus. Schon das Platznehmen auf einer etwas härteren Bank ist angenehm, man sitzt aufrecht mit idealem Kniewinkel. Alles passt, man fühlt sich sofort Zuhause. Der V2-Motor ist mit seinen 62 Newtonmetern von jeher sehr kultiviert, agil und geschmeidig. Er lebt von seinem breiten nutzbaren Drehzahlband. Schalten ist eher unwichtig, es gibt schon ab etwa 3.000 Umdrehungen pro Minute genügend Schub. Das reicht allemal, um unaufgeregt und souverän auch im Tross mit PS-stärkeren Maschinen mitzufahren. Unterstützt wird der Antrieb vom erprobten Fahrwerk, der einfachen Schwinge und der tief eintauchenden Gabel. Insgesamt sind keine Spitzenkomponenten verbaut, doch die Abstimmung ist perfekt.

Die V-Strom funktioniert also immer noch bestens, obwohl Suzuki weiterhin auf verschiedene Motormappings oder Fahrmodi verzichtet. Spendiert haben die Suzuki-Techniker statt dessen eine relativ früh zugreifende Traktionskontrolle. Das Modul ist abschaltbar, was sich spätestens auf lockerem Untergrund auszahlt. Eher im Hintergrund arbeiten zwei weitere feine Technikneuerungen: Statt dem bisherigen System ist ab 2017 ein ABS von Bosch mit Kurvenfunktion verbaut. Das verträgt sich blendend mit der Kombi-Bremse von Suzuki - wer vorne hart in die Eisen geht, bremst hinten gleich elektronisch gesteuert mit.

In der Summe ist nach den Testkilometern unter widrigen Umständen im Regen zu vermerken: Die V-Strom 650XT ist kein Motorrad, das man in der Garage anhimmelt. Ihre Stärken spielt sie beim Fahren aus. Und: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt wie bei fast keiner anderen Mittelklasse-Maschine.

Das muss man wissen: Suzuki baut die V-Strom 650 in der Standardversion mit 10-Speichen-Gussrädern (8390 Euro) und als XT (mit Speichenrädern, Handprotektoren, Kunststoff-Motorspoiler sowie neuen Reifen des Typs Bridgestone Battlax Adventure A 40) für erschwingliche 8990 Euro.

Die drei Farben Weiß, Schwarz und Kanariengelb sind lieferbar - seltsamerweise ist aber nur die Kombination mit gelb und goldgelben Felgen möglich. Wer Weiß oder Schwarz wählt, muss mit schwarzen Felgen Vorlieb nehmen. Das Zubehörsortiment ist gut bestückt.

Das werden wir nicht vergessen: den Lenker der V-Strom 650XT. Der törnt total ab. Mal ehrlich: Wer verbaut in dieser Fahrzeugklasse noch billiges, verchromtes Stahlrohr?

Hersteller:Suzuki
Typ:Suzuki V-Strom 650XT
Karosserie:Motorrad
Motor:Zweizylinder-V2-Motor
Getriebe:6-Gang-Getriebe
Hubraum:645 ccm
Leistung PS:71 PS
Leistung kW:52 kW
Drehmoment:62 Nm
Höchstgeschw.:190 km/h
Gewicht:213 kg
Preis:8.990 €