Rover Mini Spiritual: Der Versuch war klug - DER SPIEGEL
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Schönes Ding: Was wäre wenn...?

Foto: Rover

Rover Mini Spiritual Der Versuch war klug

Ein Raumwunder auf drei Meter Länge: Die Automobilgeschichte ist voll von irren Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten Visionen. Dieses Mal: ein minimales Raumwunder.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Frühjahr 2001 begann bei der Marke Mini eine neue Ära: Das erste Modell unter BMW-Regie lief im Werk in Oxford vom Band. Bis heute wurden dort mehr als 2,5 Millionen Mini-Exemplare produziert. Der Kleinwagen im Retro-Look wurde zu einer Erfolgsstory - doch er hätte auch ganz anders aussehen können: überraschender, moderner, mutiger.

Nämlich so, wie es die Studie Rover Mini Spiritual andeutete. Das Konzeptauto wurde 1997 auf dem Autosalon in Genf vorgestellt. 1993, ein Jahr vor der Rover-Übernahme durch BMW, hatten die Briten damit begonnen, über einen Nachfolger des seit 1959 nahezu unverändert gebauten Mini nachzudenken.

Das neue Auto sollte den Geist des von Sir Alec Issigonis konzipierten Kleinwagens in die Moderne übersetzen. Das Team um Designdirektor Gordon Sked entwarf einen Kleinwagen, dessen Räder an den äußersten Ecken der drei Meter langen Karosserie platziert waren und der billig zu fertigen war - all das entsprach dem Ur-Mini. Völlig neu hingegen waren das One-Box-Design sowie der Heckantrieb mit Heckmotor, eine Kombination, die den Innenraum so groß machte wie auf dieser Grundfläche nur möglich.

Im Oktober 1995 wurde dieses geniale Kleinwagenkonzept intern vorgestellt - und zwar in Konkurrenz zu einem anderen Ideenträger, der beim neuen Eigentümer BMW entstanden war. Die BMW-Studie erhielt den Vorzug: Dem BMW-Management schwebte ein sportlicher Premium-Kleinwagen vor, kein minimalistisch-praktisches Allzweck-Stadtauto.

Wenigstens ein großer Auftritt

Doch die Rover-Truppe wollte ihre Idee, wenn sie schon nicht durchzusetzen war, wenigstens noch einmal öffentlich präsentieren. Das geschah bei eben jenem Autosalon in Genf 1997, als der von Oliver Le Grice designter Rover Mini Spiritual im Duett mit der dreieinhalb Meter langen Maxi-Version Rover Mini Spiritual Too im Rampenlicht der Messe stand. In Presseberichten wurde das Auto als "Wunder des Packaging" beschrieben. Der Innenraum der viertürigen Studie, so hieß es damals, sei so geräumig wie der des BMW 7ers.

Das lag auch an einigen technischen Besonderheiten. Der 800-Kubik-Dreizylindermotor etwa war unter der Rücksitzbank eingebaut und statt eines herkömmlichen Fahrwerks besaß das Auto eine Hydragas-Federung. Dieses System war eine Entwicklung von British Leyland und es benötigte nur einen sehr geringen Bauraum; statt konventioneller Stahl- oder Gummifedern kamen mit Stickstoff gefüllte Hohlkugeln zum Einsatz. Druckpumpen beispielsweise waren deshalb gar nicht nötig.

Retro-Optik - leider ohne die alten Vorteile

Wie man heute weiß, wurde die Mini-Zukunft dann weitaus konventioneller. Der neue Mini erhielt, wie der alte, einen quer eingebauten Frontmotor, Frontantrieb und dazu die gleichen Proportionen - allerdings auf eine Länge von 3,62 Meter gestreckt. Wie man sich das vorzustellen hatte, zeigte BMW ein halbes Jahr nach dem Rover-Mini-Spiritual-Debüt, im Herbst 1997 auf der IAA in Frankfurt. Dort stand das Mini Concept Monte Carlo Rallye auf der Messebühne. Dessen Design hatte der heutige BMW-Chefkreative Adrian van Hooydonk entworfen - und es zielte schon eindeutig in die Richtung, die der neue Mini dann ab 2001 einschlug.

Aktueller Mini

Aktueller Mini

Foto: Mini

Ob der Rover Mini Spiritual ein ebenso großer Erfolg geworden wäre wie das Auto, das seit nunmehr 15 Jahren die Mini-Geschichte fortschreibt? Die Frage ist natürlich nicht zu beantworten. Wohl aber lässt sich festhalten, dass sich der aktuelle Mini zwar optisch an das Ur-Modell anlehnt, aber vor allem durch Preis und Größe jedoch so weit davon entfernt ist wie damals in den Neunzigerjahren die BMW-Designer in München von ihren Rover-Kollegen in Gaydon.