Renault Racoon: Eine Studie, die sogar schwimmen kann - DER SPIEGEL
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Renault Racoon: Schwamm drüber

Foto: Thierry des Ouches

Renault Racoon Der Untergang

Als der SUV ins Wasser ging: Die Automobilgeschichte ist voll von irren Entwürfen, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten Visionen. Dieses Mal: das Amphibienfahrzeug Renault Racoon.
Von Matthias Kriegel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

1993 war Renault eigentlich bestens darauf vorbereitet, die Zukunft zu erobern. Was der französische Hersteller da auf dem Genfer Autosalon präsentierte, war ein Fahrzeugtyp, der ein paar Jahre später extrem boomen sollte und heute fast ein Viertel der Neuzulassungen auf dem europäischen Pkw-Markt abdeckt. In dem Konzeptauto Renault Racoon saß man vergleichsweise hoch über der Straße, und das Design des Wagens war cooler als bei allen gängigen Kombi- oder Familien-Van-Modellen. Kurzgesagt: Der Racoon hatte alle Vorzüge, die heute an einem SUV geschätzt werden.

Blöd nur, dass diese Vorzüge damals Nebensächlichkeiten beim Racoon waren - und der eigentliche Fokus auf einer Tugend lag, die den meisten SUV-Kunden völlig egal sein sollte: nämlich extreme Geländegängigkeit. Wie extrem, dazu kommen wir gleich.

Zunächst sei noch erwähnt, dass es dem Konzeptauto keineswegs an futuristischer Technik mangelte. Beispielsweise sorgten in der Karosserie verborgene Kameras für eine perfekte Rundumsicht. Das blasenförmige Äußere sah zudem aufregend aus und versprach einen geringen Luftwiderstandswert - wichtig für den Spritverbrauch. Für den Einstieg ins Auto wurde die Kuppel per Fernsteuerung geöffnet. Eine vergleichbar extravagante Konstruktion sah man bei einem SUV erst viele Jahre später: als Flügeltüren des Tesla Model X.

Trotz Kompass kaum wegweisend

Beim Antrieb war der Racoon seiner Zeit allerdings nicht gerade voraus. Kein Elektro- oder Hybridmotor steckten in dem Auto, sondern ein drei Liter großes V6-Aggregat mit Doppelturbo, gut für 262 PS. Dank Allradantrieb sollte sich der Wagen durch jedes Gelände wühlen können, für besonders holprige Strecken ließ sich die Karosserie außerdem hydraulisch anheben.

Na gut, übermotorisiert sind auch viele moderne SUVs. Aber wo heute Infotainmentsysteme und Touchscreens verbaut sind, befand sich beim Racoon ein Kompass - eine Erfindung, die nicht mal 1993 mehr als revolutionär galt.

Foto: Alain Sadoc

Schlussendlich war es dann wohl die falsche Nische, die Renault mit dem Racoon besetzte. Kompakt-SUV, Mini-SUV, Cabrio-SUV - das alles wäre in Ordnung gewesen. Aber der Racoon war ein Amphibien-SUV. Er konnte schwimmen.

Schwimmende Autos, das war spätestens seit den Sechzigerjahren klar, waren für die Masse einfach nicht geschaffen. Ist es heute noch von Interesse, dass es der Racoon mit seinen zwei Hydrojet-Turbinen auf fünf Knoten brachte? Oder dass bei einem Schwimmtest in Venedig ein Wendekreis von 35 Metern gemessen worden sein soll?

Dem damaligen Renault-Chefdesigner Patrick le Quément war kein Vorwurf zu machen. Im Jahr, als der Racoon in Genf gezeigt wurde, ging ein anderer seiner Entwürfe in Seriefertigung: Der Renault Twingo sollte jede Menge Stückzahlen machen und wird bis heute gebaut.

Als der SUV-Boom losbrach, gehörte Renault jedoch zu den Marken, die den Trend zunächst völlig verschliefen. Dabei war man mit dem Racoon doch eigentlich nah dran gewesen. Der französische Hersteller hatte 1993 bereits die Zukunft gesehen. Nur eben noch zu verschwommen.

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Foto: Thierry des Ouches