Schönes Ding: Chrysler Diablo: Flossen hoch!
Unikat Chrysler Diablo Fahrende Untertasse
Das Geld sitzt locker während der Monterey "Classic Car Week" an der kalifornischen Küste. Im Jahr 2008 beispielsweise bot ein Autoenthusiast 1,2 Millionen Dollar für ein rotes Chrysler Cabriolet. Den Zuschlag bekam er allerdings nicht: Dem Besitzer war das Gebot zu gering. War das nun Größenwahn oder ein gewisses Gespür?
Natürlich handelte es sich bei dem Auto um einen besonderen Wagen: Baujahr 1957, 6,70 Meter lang, 250.000 Dollar damalige Produktionskosten und vor allem - es gab nur diesen einen. Der Name des Unikats: Chrysler Diablo.
Gestaltet wurde das Einzelstück von Virgil Exner, einem jener Automobildesigner, die den opulenten US-Straßenkreuzer-Look der Fünfzigerjahre mitprägten. Exner kam 1949 zu Chrysler und der Diablo gehörte zu den Kreationen, die prototypisch für seine Ideen waren. Als Basis für das fulminante Cabriolet wählte Exner einen Chrysler Dart von 1950. Auf dieser Plattform fertigte die italienische Karosserieschmiede Ghia, die zu dieser Zeit diverse Chrysler-Showcars in Form brachte, den Diablo nach den Anweisungen Exners.
Schönes Ding: Chrysler Diablo: Flossen hoch!
Aus heutiger Sicht lässt sich der Chrysler Diablo als Höhe- und vielleicht auch schon Wendepunkt der US-Autokultur der Fünfzigerjahre interpretieren. Der Viersitzer gehörte zu den längsten Pkw-Designstudien, die je gebaut wurden. Außerdem feiert das Riesencabrio noch einmal die von General-Motors-Designer Harley Earl 1948 ausgelöste Heckflossen-Mode, die von Virgil Exner begeistert aufgenommen wurde.
Elektrische Scheibenheber und ein Radio mit Sendersuchlauf
Nicht nur die angedeuteten Leitwerke am Heck, auch die Form des Karosseriekörpers insgesamt macht deutlich, wie stark sich Exner von Ideen und Visionen aus der damals schwer angesagten Raumfahrt inspirieren ließ. Der Wagen wirkt wie eine fliegende Untertasse auf Weißwandreifen. Alles, was an ein Auto erinnert - Außenspiegel, Radhäuser, Auspuffrohre -, wurde so unauffällig und beiläufig wie möglich gestaltet. Hervorgehoben ist stattdessen ein umlaufender Chromgürtel, eine wie bei einem Flugzeug stark gebogene Frontscheibe und ein neues Niveau der Automatisierung.
Hier feierten elektrische Fensterheber Premiere
Foto: ShooterzSo zeigte Chrysler beim Diablo Showcar erstmals elektrische Fensterheber, eine Servolenkung und ein Radio, das auf Knopfdruck von selbst einen Sender sucht. Das waren 1958, als der Wagen erstmals auf Ausstellungen gezeigt wurde, absolute Neuheiten. Was darüber hinaus vor allem Ingenieure und Aerodynamiker beeindruckte, war die enorme Windschlüpfrigkeit des Autos. Angeblich hatte der Chrysler Diablo den bis dahin niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert bei einem Pkw.
Abgehobene Optik, bodenständiger Antrieb
Trotz Raumfahrtstilistik und elektronischer Spielereien war der Antrieb des Cabriolets durch und durch konventionell. Unter der Haube trug der Chrysler Diablo einen V8-Motor mit 6424 Kubikzentimeter Hubraum und einer Leistung von 375 PS. Damit hebt zwar nicht der Wagen ab, wohl aber der Verbrauch, zumindest gemessen an aktuellen Maßstäben.
Schönes Ding: Die skurrilsten Auto-Designstudien
Anders als andere Studien, die nach spektakulären Messeauftritten in den Katakomben der Hersteller verschwanden oder sogar zerstört wurden, verkaufte Chrysler den fahrbereiten Diablo einige Jahre nach dessen Ausstellungstournee. Durch welche Hände das Auto im Einzelnen ging, ist nicht bekannt. Nur dass der vorletzte Besitzer den Wagen rund drei Jahrzehnte lang behielt. Er war es auch, der bei der Auktion 2008 das Gebot von 1,2 Millionen Dollar ablehnte. Angeblich hatte der anonyme Eigner mit einem mehr als doppelt so hohem Gebot gerechnet.
Fünf Jahre später, bei einer Auktion in Scottsdale im US-Staat Arizona, wurde das Auto schließlich doch verkauft: für 1,375 Millionen Dollar. Warum in diesem Fall das Gebot als angemessen empfunden wurde, ist nicht überliefert. Nur so viel lässt sich sagen: Der Diablo ist damit das bislang teuerste Chrysler Concept Car.