Ford Indigo: Doppelt schnell
Concept-Car Indigo Rasanter Fordschritt
Indigo nennt man normalerweise einen tiefblauen Farbton. Doch das bizarre Fahrzeug, das Ford auf der Autoshow in Detroit im Jahr 1996 enthüllte, erstrahlte in feurigem Rot und hieß dennoch Ford Indigo. Wer nachfragte, wurde aufgeklärt: Der Name der Studie habe nichts mit der Farbe zu tun, sondern bedeute "Indy go". Weil es sich um ein Konzeptauto handelte, in dem etliche Technologien der künftigen "Indy"-Rennwagen von Ford steckten, also den Autos für die legendären 500-Meilen-Rennen in Indianapolis.
Ford Indigo klingt trotzdem so spielerisch, als ob sich Ingenieure auch mal was Originelles jenseits von Technik ausdenken wollten, ein abgefahrenes Familienauto, zum Beispiel. Doch davon könnte der Indigo nicht weiter entfernt sein. In nur sechs Monaten entstand das Fahrzeug, was nur möglich war, weil etliche namhafte Rennsportfirmen daran mitwirkten. Reynard Motorsport zum Beispiel, wo das Monocoque aus Kohlefaser-Verbundstoff und integrierter Aluminium-Struktur entstand. Oder Cosworth, wo auf Basis des 3-Liter-V6-Duratec-Motors von Ford ein 6-Liter-V12 für die Studie entstand.
Die Vorderradaufhängung steht frei, die Hinterräder stützten sich am Transaxle-Sechsganggetriebe ab - so kennt man es von Formel-Fahrzeugen. Geschaltet wurde per Knöpfen am Lenkrad, auf der Vorderseite des Volants befand sich die Taste zum Hochschalten, zum Runterschalten musste man den Knopf auf der Rückseite drücken.
Die schlüssige, windschlüpfige Form begeistert noch heute
All diese technischen Raffinessen waren vor 20 Jahren entweder neu, oder zumindest in dieser Ausprägung noch nie zuvor verwirklicht worden. Ford wollte mit der Studie Indigo bei der "Heim-Messe" in Detroit mal wieder ein Zeichen in Sachen Vollgas-Kompetenz setzen. Der letzte Formel-1-Konstrukteurstitel (1981) lag damals immerhin schon 15 Jahre zurück, der letzte Rallye-Meistertitel ebenfalls.
Heute hingegen verblüffen Gestaltung und Konzept des Autos weitaus mehr als seine technischen Details. Das gesamte Auto wirkt wie ein riesiger Käsehobel, weil der Heckspoiler sich wie eine Klinge aus dem Karosseriekörper schält. Und der Frontspoiler sitzt wie eine schwarze Schranke vor dem Auto, das dahinter beinahe mickrig wirkt. Gerade mal einen Meter hoch war der Wagen, Ford-Designer Claude Lobo hatte die aerodynamisch geschliffene Form entwickelt.
Ford Indigo: Doppelt schnell
Und er hatte darauf geachtet, dass der Wagen straßenzulassungstauglich war. Deshalb erhielten die Rennreifen dünne, beinahe auf dem Profil aufliegende Kotflügel; deshalb gibt es Tagfahrlicht, Blinker (beides im Frontspoiler), Scheinwerfer in den Außenspiegelgehäusen und Rücklichter (im Heckspoiler). Zudem konzipierte Lobo den Wagen als Zweisitzer. Die beiden eng nebeneinander postierten Schalensitze waren mit Leder bezogen und jeweils mit Vierpunkt-Gurten ausgestattet. Ein Dach oder Seitenscheiben gab es nicht, wohl aber eine Stereoanlage.
Wird das Ding in Kleinserie gebaut?
Weil der Ford Indigo die Zulassungsregularien erfüllte und auf einer Pkw-Messe gezeigt wurde, erblühten natürlich sofort die Spekulationen, es werde eine Kleinserie des Autos für Sportwagenfans aufgelegt. Und tatsächlich raunten Ford-Verantwortliche damals hinter vorgehaltener Hand, man wolle das nicht ausschließen.
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Gebaut wurde aber außer dem fahrfähigen Showcar nur noch ein weiteres Modell. Dieses verkaufte Ford später bei einer Auktion und der neue Besitzer zerlegte es kurze Zeit später vollständig. Dass ursprüngliche Messemodell ist also längst wieder ein Unikat und nach wie vor im Besitz von Ford.
Das Konzept des V12-Motors aus der Studie erlebte später eine Karriere als Antrieb in einigen Luxussportwagen von Aston Martin. In der Studie, die lediglich 1043 Kilogramm wog, vermochte die Maschine Beachtliches zu leisten. Das Beschleunigungsvermögen von 0 auf Tempo 100 lag beispielsweise bei 3,9 Sekunden. So etwas einmal Seite und Seite zu erleben, das schweißt gewiss zusammen.