Volvo LCP 2000: Leicht verunstaltet - DER SPIEGEL
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Volvo LCP 2000: Fahr' schon mal voraus

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Volvo LCP 2000 Leicht verunstaltet

Die Automobilgeschichte ist voll von irren Entwürfen, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten Visionen. Diesmal: ein schwedischer Plastikbomber fürs neue Jahrtausend.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Optisch ist das Auto eine Zumutung. Die Karosserie wirkt ungelenk, die Proportionen stimmen nicht, das Hinterteil des Gefährts sieht aus, als sei es vom Chefdesigner rückwärts an die Wand gefahren worden. Selbstverständlich war es ganz anders: Die aerodynamisch optimierte Form des Volvo LCP 2000 zielte weit voraus. Das 1983 vorgestellte Konzeptauto war Volvos Vision eines fortschrittlichen Alltagsautos für das Jahr 2000.

Das Kürzel LCP bedeutete "Light Component Project", denn Volvo-Entwicklungsleiter Rolf Mellde und sein Team hatten den Auftrag erhalten, ein sparsames und vor allem leichtes Fahrzeug für das neue Jahrtausend zu entwerfen. Anforderungen: Platz für mindestens zwei Personen, höchstens 700 Kilogramm Gewicht und einen Verbrauch von weniger als vier Liter Sprit auf 100 Kilometer.

Die Studie, die auch heute noch in der Volvo-Zentrale in Göteborg steht, erfüllt immerhin zwei der drei Vorgaben. Der Verbrauch liegt unter den geforderten vier Litern, der Wagen verfügt über vier Sitzplätze, aber leider liegt er auch beim Gewicht über dem, was verlangt war, wenn auch nur knapp: 707 Kilogramm bringt das Projektfahrzeug auf die Waage. Insgesamt gilt der LCP 2000 als Meilenstein für effizienten Automobilbau. Vor allem aber als technologischer Ausgangspunkt der zunehmenden Umweltorientierung von Volvo.

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Volvo LCP 2000: Fahr' schon mal voraus

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Sitzen im Gepäckabteil

Besonders in Sachen Leichtbau setzte das Konzeptfahrzeug vor 35 Jahren Maßstäbe. Die einteilige Bodenplatte besteht aus Kunststoff, auf den zur Verstärkung Aluminium- und Magnesiumstreben aufgeklebt wurden. Die Rahmen der beiden Seitentüren sind aus Kohlefaserverbundstoff gefertigt - einem damals exotischen Werkstoff, für den es noch kaum Erfahrungswerte gab. Die große, bis weit ins Dach reichende Heckklappe wiederum besteht vollständig aus Plastik. Sie öffnet den Zugang zu den beiden hinteren, entgegen der Fahrtrichtung angeordneten Sitzen und zugleich zum Gepäckabteil.

Volvo teilte damals mit, im Auto seien lediglich 150 Kilogramm "traditioneller Materialien" verbaut worden. Eine Vielzahl an Bauteilen bestand also aus zumindest Anfang der Achtzigerjahren noch sehr ungewöhnlichen Materialien. Dazu gehörte auch der 1,3-Liter-Dreizylinder-Turbodieselmotor mit einer Leistung von 53 PS und einem Block aus Magnesium. Das Aggregat wiegt lediglich 98 Kilogramm und treibt über ein Fünfgang-Schaltgetriebe die Vorderräder an.

Die Zukunft roch nach Bratfett

Volvo entwickelte noch einen zweiten Motor, nämlich einen Dreizylinder-Turbodiesel mit 1,4 Liter Hubraum, 90 PS Leistung und einem Grauguss-Block, der jedoch mit unterschiedlichsten Treibstoffen betrieben werden kann, darunter auch Rapsöl, was, wie Volvo später in einer Mitteilung schrieb, "dem Fahrzeug einen dezenten Duft von Fish and Chips verlieh". Bis auf den Imbissbuden-Geruch jedoch hatte der Wagen nichts Traditionelles an sich.

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Genau so war er auch gedacht: Als Ideenträger für künftige Autoentwicklungen und als Denkanstoß für ein grundsätzlich anderes Herangehen an das Thema Automobil. Zu dem Wagen wurden Studien über den Gesamtenergieverbrauch verfertigt - von der Produktion über die Nutzung bis hin zur Entsorgung und Wiederverwertung der Materialien. Es waren die Anfänge jener Neuorientierung bei dem schwedischen Autohersteller, die 1988 in eine "Umweltprodukterklärung" mündeten.

Volvo stellte damals als erster Pkw-Fabrikant weltweit eine Datenbank für sämtliche Modelle bereit, in denen sich Kunden einen Überblick über die Auswirkungen des Autos auf die Umwelt verschaffen konnten: vom Energieeinsatz in der Fabrik über den Einsatz von Recyclingstoffen bis zur Ausdünstung von Lösungsmitteln.