Schönes Ding: Das Traumschiff
Schönes Ding Das außerirdische Aushängeschild
Die US-Autofirmen hatten das Geld, die italienischen Karossiers die Ideen. Diese Gewaltenteilung führte Mitte der fünfziger Jahre zu einigen der abgefahrensten Autos überhaupt. Typen wie dem Lincoln Boano Indianapolis Coupé zum Beispiel. Lackiert in Knallorange, mit gerundeten Scheiben, je drei (gefakten) Auspuffrohren, die aus den Flanken ragen, halb verkleidete Räder und einem Karosseriekörper, der auch als Raumschiff in einem Science-Fiction-Film hätte Karriere machen können.
Die Studie ist ein Symbol für den damaligen Aufbruchsgeist. Details vom gefeilten Bug über die kuppelförmige Passagierkabine bis hin zum glattflächigen Fahrzeugrumpf erinnern an die Luft- und Raumfahrt, die große technische Verheißung der fünfziger Jahre. Das mittig angeordnete Cockpit sowie sämtliche Bedienknöpfe lassen sich mit einer im Armaturenbrett versenkbaren Klappe abdecken. Dann sieht der Innenraum - vom großen, dünnen Lenkrad einmal abgesehen - so aus wie der Kommandostand eines Sternenkreuzers, der per Sprachbefehl gesteuert wird.
Kurzaufenthalt bei Errol Flynn
Henry Ford II hatte das Einzelstück bei der Carozzeria Boano bestellt, die von 1954 bis 1957 in Grugliasco bei Turin Autos entwarf und baute - darunter den berühmten Ferrari 250 GT Boano. Der Wagen war als spektakulärer Blickfang für die Ford-Nobelmarke Lincoln gedacht und wurde mit der zu dieser Zeit typischen US-Autotechnik bestückt. Also: 4,2-Liter-V8-Motor und Dreigang-Automatik. Der Kilometerzähler zeigt, so findet man es in diversen Quellen über den Wagen, lediglich 1019 Kilometer an.
Schönes Ding: Die skurrilsten Auto-Designstudien
Nach dem ersten Auftritt des Coupés beim Salon in Turin 1955 kam der Wagen in die Ford-Zentrale nach Dearborn bei Detroit. Es heißt, Henry Ford II habe ihn in den sechziger Jahren an den befreundeten Schauspieler Errol Flynn weitergegeben. Jedenfalls wechselte das Unikat in der Folge mehrfach den Besitzer, wurde später piekfein restauriert und vor einigen Jahren für knapp 1,4 Millionen Dollar versteigert.
In diesem Sommer, beim Concours d'Elegance im kalifornischen Pebble Beach, sorgte das Auto für "Ahs" und "Ohs" beim Publikum. In amerikanischen Auto-Blogs hieß es, Ford-Erbe Edsel II habe das Coupé vom Fleck weg gekauft, um es wieder in den Familienbesitz zurückzuholen, für den es sein Vater einst in Auftrag gab.