12-jähriger Künstler Mikail: »Ich male, was ich in meinem Kopf sehe« - DER SPIEGEL
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Zwölfjähriger Künstler »Ich male, was ich in meinem Kopf sehe«

Mikail malte schon im Kleinkindalter. Heute werden seine großen, bunten Bilder für viel Geld von Kunstsammlern auf der ganzen Welt gekauft. Hier verrät er, welche seine Lieblingsfarbe ist und welche Musik er beim Malen hört.
Protokoll: Claudia Beckschebe • • aus DEIN SPIEGEL 5/2025

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals nicht gemalt zu haben. Soweit meine Erinnerungen zurückreichen, habe ich das gemacht. Zuerst mit Fingerfarben. Die haben meine Eltern mir zum vierten Geburtstag geschenkt. Eine Leinwand gab’s auch dazu. Mein erstes Bild hat mein Papa damals aus Spaß auf Facebook gepostet und die Leute gefragt, wie sie es finden. Einfach nur so, eine Ahnung von Kunst hatte er auch nicht.

Es gab ganz viele Likes für mein Bild und sogar Leute, die Kaufanfragen stellten. Das Bild haben meine Eltern aber nicht hergegeben. Es ist unverkäuflich und wird in meinem Atelier in Köln aufbewahrt.

Mikail in seinem Element

Mikail in seinem Element

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL

Ich habe weitergemalt. Und ich wollte mehr über Kunst wissen. Meine Eltern sind mit mir in Museen und Ausstellungen gegangen. Mir haben die Sachen von Gerhard Richter und Jean-Michel Basquiat gefallen, das sind berühmte Künstler. Ich fand die Bilder toll, aber ich fand auch immer etwas daran, das ich anders gemacht hätte.

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Zu Hause habe ich dann umgesetzt, was ich selbst gut fand. Ehrlich gesagt, habe ich einfach immer und überall gemalt. Auch mal die Wände daheim vollgekritzelt, das fanden meine Eltern nicht so toll. Heute mache ich das nicht mehr. Meine Zeichnungen kommen in ein Skizzenbuch. Was ich gut finde, übertrage ich mit Kohlestiften auf Leinwände. Die sind mit der Zeit immer größer geworden, ich mag es am liebsten, großformatige Bilder zu ­malen. Die Leinwände sind oft so hoch wie ich.

Was das Künstlerherz begehrt, sind Farben ohne Ende. In seinem Atelier hat Mikail Tuben, Flaschen, Stifte in unzähligen Tönen.

Was das Künstlerherz begehrt, sind Farben ohne Ende. In seinem Atelier hat Mikail Tuben, Flaschen, Stifte in unzähligen Tönen.

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL
Schön bunt: Mikails Bilder, der Boden in seinem Atelier, seine Klamotten – alles ist voller Farbe, so auch diese alten Sneaker.

Schön bunt: Mikails Bilder, der Boden in seinem Atelier, seine Klamotten – alles ist voller Farbe, so auch diese alten Sneaker.

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL

Meine Bilder male ich mit Ölpastellen, Acrylfarbe, Sprayfarben, Filzstiften und Texturpaste. Ich mache abstrakte Kunst. Ich versuche also nicht, etwas nachzuzeichnen, das es in echt gibt. Ich male, was ich in meinem Kopf sehe. Es gibt ein paar Figuren und Motive, die man oft auf Bildern von mir sieht, die Krone zum Beispiel. Mir gefällt, wie das Gold leuchtet, vor allem auf strahlend blauem Hintergrund. Blau ist sowieso meine Lieblingsfarbe. Davon verbrauche ich am meisten. Blau ist in ganz vielen Nuancen in meinem Atelier vorrätig. Das ist ein großer Raum, den wir in Köln angemietet haben. Hier sind Leinwände, meine ganzen Malsachen und eine Musikanlage. Da läuft laut Rap von Travis Scott, wenn ich male.

Ich gehe supergern in den Künstlerbedarf, um mir Farben auszusuchen. Einmal habe ich meinen Papa allein losgeschickt, er sollte mir neue Stifte kaufen – und dann kam er mit Glitzermarkern zurück. Fehlkauf! Seitdem gehe ich lieber immer mit.

Mikails Papa Kerem hat sich ein Tattoo stechen lassen, das eine der Figuren seines Sohnes zeigt.

Mikails Papa Kerem hat sich ein Tattoo stechen lassen, das eine der Figuren seines Sohnes zeigt.

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL
Kerem Akar zeigt das erste abstrakte Bild, das Mikail als Kleinkind gemalt hat.

Kerem Akar zeigt das erste abstrakte Bild, das Mikail als Kleinkind gemalt hat.

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL

Meine erste Solo-Ausstellung, also eine Ausstellung, in der nur Bilder von mir gezeigt wurden, hatte ich mit fünf in Hamburg. Ich weiß noch, wie aufregend und schön ich das fand. Davor waren meine Bilder immer mal in kleineren gemischten Ausstellungen gezeigt worden. Viele Erwachsene, die in der Kunstszene arbeiten und solche Ausstellungen organisieren, haben meine Kunst damals abgelehnt, weil sie es komisch fanden, dass ich so jung war. Aber in Hamburg hat es eben geklappt mit der Solo-Ausstellung. Die war ein ganz großer Erfolg. Die Bilder wurden verkauft, und es gab auf einmal Interesse aus der Kunstszene im Ausland: aus den USA, aus der Türkei. Es kamen dann auch viele Berichte in der Presse über mich, weil es als besonders galt, dass ich so jung war. Ich freue mich natürlich, dass Menschen sich für meine Kunst interessieren und meine Bilder kaufen wollen. Ich stelle mir vor, dass man mich in 400 Jahren noch kennt, dass ich in den Geschichtsbüchern stehe. Das wäre cool. Demnächst habe ich wieder eine Ausstellung – auf Mallorca.

Das große blaue Gemälde heißt »Flower Royals« und ist für 18.630 Euro zu haben.

Das große blaue Gemälde heißt »Flower Royals« und ist für 18.630 Euro zu haben.

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL
In dieser Galerie wird Mikails Kunst ausgestellt

In dieser Galerie wird Mikails Kunst ausgestellt

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL

Ich durfte schon viele tolle Orte besuchen, weil meine Kunst gefragt ist. New York zum Beispiel, da durfte ich auf dem Empire State Building ein Bild malen. Das wurde für 17.000 Euro versteigert. Das Geld ging an eine Hilfsorganisation für krebskranke Kinder. Das hat mich richtig gefreut.

Dieses Protokoll erschien in DEIN SPIEGEL 5/2025.

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