Was Kinder als schön empfinden »Ich denke leider sehr viel über mein Aussehen nach«
Lewis, 11 Jahre alt, aus Hawaii:
Beim Wort Schönheit denke ich an coole Autos und Flugzeuge. Und an Supermodels. Ich glaube, Jungs machen sich genauso viel Schönheitsdruck wie Mädchen. Ich selbst gucke auch öfter in den Spiegel und denke über das Thema Aussehen nach. Ab und zu style ich meine Haare besonders, benutze Conditioner und knete mir Gel in die Haare. Ganz einfach, um mich schön zu fühlen.
Ich lebe mit meiner Familie auf Hawaii, aber meine Mutter ist Deutsche. In Berlin tragen die Leute viel Schwarz, Grau oder Weiß. Hier auf Hawaii sieht man viele bunte Farben und Blumen-Prints. Was gleich ist: Wer schlank und groß ist und ein schönes Lachen hat, gilt als schön. Dabei glaube ich, dass Schönheit nichts über einen Menschen aussagt. Man kann von außen super aussehen, aber hässlich von innen sein. Auf Social Media machen sich die Menschen schöner, als sie sind. Viele posen für die Kamera, ziehen schicke Kleidung an, haben immer gute Laune oder benutzen Filter. Ich glaube, viele machen das, damit sie mehr Likes kriegen. So wirkt auf Social Media alles schöner als in echt.
Maria, 15, aus Chile:
Wenn ich über Schönheit nachdenke, kommt mir direkt meine Schwester in den Kopf. Oder meine Mama, weil sie eine wirklich tolle Frau ist. Ich finde, Schönheit ist mehr als nur Aussehen. Es ist immer eine Kombination aus innen und außen. Was bringt es, die schönste Person auf Erden zu sein, wenn man zugleich eine arrogante Nervensäge ist? Wenn eine Person sympathisch und witzig ist und ich mich in ihrer Nähe wohlfühle, finde ich sie automatisch schöner.
Ich denke zwar darüber nach, wie ich aussehe. Aber dann mache ich mir bewusst, dass es wichtiger ist, einen schönen Charakter zu haben, bescheiden und hilfsbereit zu sein. Außerdem ist Schönheit immer eine Sache der Perspektive. Findet nicht jeder etwas anderes schön? Wer bestimmt, was hässlich ist? Ist es nicht viel hässlicher, andere nach ihrem Aussehen zu beurteilen? Dass man mit seinen Freunden manchmal über andere spricht, ist normal. Aber ich versuche, nur über das Äußere von jemandem zu sprechen, wenn es etwas Positives ist. Zum Beispiel, dass eine Person tolle Haare hat – das kann man jemandem ruhig sagen.
Salem, 9, aus Äthiopien:
Schönheit bedeutet für mich, wenn Menschen nett zueinander sind, füreinander einstehen, sich umeinander kümmern und eine Gemeinschaft bilden. Deshalb denke ich beim Wort Schönheit auch direkt an die äthiopische Kultur. An unsere jährlichen Feste, zu denen wir traditionelle Kleidung tragen. Bestickte Gewänder und Kopfbedeckungen, in denen man sich wunderschön und besonders fühlt.
Wir haben hier ein besonderes Ritual: die Kaffeezeremonie, an der fast ausschließlich Frauen teilnehmen. Wir rösten zusammen Kaffeebohnen, zerstoßen sie in einem Mörser und brühen den Kaffee dann in einer typischen Tonkanne, einer sogenannten Jebana, auf. Dazu gibt es oft Popcorn. Diese Zeremonie ist Schönheit für mich. Sie zeigt, was entsteht, wenn Menschen zusammenarbeiten und das Miteinander feiern.
Elise, 10, aus Deutschland:
Ich mag an mir meine braunen Augen. Ich finde auch meine Haare schön, sie sind braun, aber auch ein bisschen blond. Mir gefällt an anderen, dass jeder verschieden aussieht. Niemand ist gleich. Das macht jede Person hübsch, eben auf ihre eigene Weise.
Ich denke leider sehr viel über mein Aussehen nach und mache mir Gedanken darüber, was andere über mich denken. Obwohl meine Mama immer sagt, dass ich schön sei. Manchmal habe ich Angst, dass mich jemand wegen meines Aussehens auslachen könnte. Dabei weiß ich gar nicht, woher das kommt. Eigentlich wird in meiner Klasse nicht so viel darüber geredet, wer wie aussieht. Trotzdem glaube ich, dass jeder sich Gedanken über sein Aussehen macht. Keine Ahnung, warum eigentlich.
Weiße Zähne, makellose Haut, durchtrainierter Körper: Wer so aussieht, gilt in unserer Gesellschaft als attraktiv. Doch wer hat das eigentlich entschieden? Inwiefern beeinflussen Social Media, was wir schön finden? Und was kann man tun, um dem ständigen Vergleich mit vermeintlich perfekten Influencerinnen und Influencern zu entfliehen? In der neuen Ausgabe von DEIN SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazin für Kinder, geht es darum, wie Beauty-Trends entstehen, wann Social-Media-Filter gefährlich werden können und was gegen den Schönheitsdruck hilft. Außerdem im Heft: Krieg in Iran. Was dort gerade passiert, woher die Informationen aus dem Land kommen und wie es den Kindern und Jugendlichen vor Ort geht. DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier bestellen:
Agartuu, 14, aus Deutschland:
Auf Social Media gibt es nur eine Art, schön zu sein: Man muss dünn sein und ein tolles Gesicht haben. Wenn ich durch Instagram scrolle, denke ich manchmal: »Wow, die sieht hübsch aus.« Aber dann mache ich mir bewusst, dass das Bild vielleicht bearbeitet ist. Mit manchen Filtern sehen Personen komplett anders aus. Sich davon unter Druck setzen zu lassen, finde ich blöd.
Ich schminke mich fast nie. Wenn doch, weiß ich durch Schmink-Tutorials auf Social Media, wie es geht. Früher habe ich öfter »Germany’s Next Topmodel« angeschaut, jetzt nicht mehr. Trotzdem habe ich damals weniger über mein Aussehen nachgedacht als heute. Ich weiß nicht, ob das an Social Media liegt. Ich glaube, auch Jungs machen sich Gedanken über ihr Aussehen. Zum Beispiel über einen bestimmten Haarschnitt. Vor einiger Zeit gab es den Trend »low taper fade«: rasierter Nacken und etwas längere Haare oben und an den Seiten. Die Videos davon gingen viral.
Abigail, 13, aus Kenia:
Ich liebe meine Haare. Alle drei Wochen lasse ich mir Zöpfchen flechten bei der Friseurin. Das dauert eine gute halbe Stunde, weil es winzige Zöpfchen sind, die eng am Kopf anliegen. Nach drei Wochen mache ich die Zöpfchen wieder auf, wasche und föhne meine Haare und lasse sie wieder flechten. Das kann niemand allein. Die Regel hier an den Schulen lautet: entweder Zöpfe oder Glatze. Mir stehen abrasierte Haare nicht, aber bei anderen kann das gut aussehen.
Ich finde mich schön, wenn ich mich wohlfühle in meiner Haut und mich pflege. Für mich sind Äußerlichkeiten eigentlich nicht so wichtig. Gärten mit roten Blumen finde ich schön. Aber hier in Kibera, dem größten Slum Ostafrikas, wo ich lebe, gibt es keine Gärten. Hier muss man schon suchen, um etwas Schönes zu finden. Ich finde Schönheit in Büchern und Geschichten. Ich lese gern dicke Fantasy-Bücher und liebe es, in andere Welten einzutauchen und mit den Figuren mitzufühlen – das macht mich glücklich.
Robin, 10, aus Deutschland:
Schön ist alles, was mir Spaß macht: Kickboxen, in den Urlaub fahren, Capri-Sonne trinken. Am besten mit Kirschgeschmack. Ich male gern. Ich finde meine Zeichnungen schön. Und vieles, was bunt ist: ein Magazin-Cover, eine Taschentuchverpackung oder Sticker, die aussehen wie Schmetterlinge. Mein Lineal dagegen finde ich nicht schön. Es ist langweilig und einfach nur gerade. Es wäre schöner, wenn es eine lustige Form hätte.
Tiere sind schön. Vor allem unsere beiden Katzen. Sie sehen aus wie kleine Raubtiere. Aber auch Ratten sind für mich schön. Viele finden sie hässlich und haben Angst vor ihnen. Dabei sind das doch super Tiere. Meine Lieblingsfarbe ist Blau, so wie mein Trikot. FC Schalke 04. Olé, olé! Wenn ich mein Trikot trage, so wie heute, und in den Spiegel gucke, finde ich mich schön. Super Outfit, denke ich dann. Und: Menschen, die ich gern mag, sind schön. Meine Oma zum Beispiel. Ich habe ein ausgedrucktes Bild von ihr, darauf sieht sie wunderschön aus.
Unai, 13, aus Spanien:
Ich denke selten über mein Aussehen nach. Auch das Äußere von anderen ist mir nicht besonders wichtig. Es gibt hier auf Ibiza viele Menschen, die modebewusst sind und einen besonderen Kleidungsstil haben. Sie achten darauf, welche Klamotten ihnen am besten stehen. Ich kann nicht verstehen, warum Leute so viel Geld für Kleidung ausgeben.
Ich interessiere mich aber auch nicht besonders für Mode. Hauptsache, meine T-Shirts und Hosen sind bequem und sportlich. Ich brauche keine teuren Klamotten oder Markenschuhe. Ich scrolle zwar manchmal durch Social Media, aber habe keinen eigenen Account. Manchmal gucke ich mir lustige Videos mit Witzen oder Gags an. Aber wie irgendwelche Influencer aussehen, ist mir ziemlich egal. Social Media haben für mich nichts mit den Themen Aussehen oder Schönheit zu tun.
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