Beruf Lkw-Fahrer Volle Ladung
Jetzt muss es schnell gehen! Es ist 6.30 Uhr, und Jan Schiller steht vor einem offenen Garagentor in einer Halle und lädt Waren in einen Lkw: Waschmaschinen, Servietten, Wandfarbe und Trockner – eingepackt in Kisten und Folien, Türme aus Pappe und Plastik. All das soll Jan heute von der Stadt Fulda ins rund anderthalb Autostunden entfernte Marburg fahren. Jan ist gut in der Zeit, aber je länger er am Morgen beim Einladen braucht, desto später ist er am Nachmittag zurück.
Welche Produkte Jan heute transportieren soll, wie viele geladen werden müssen und wohin sie geliefert werden sollen, steht in einer blauen Mappe, die Jan zum Start seiner Schicht um 5.30 Uhr abgeholt hat. Jan arbeitet als Lkw-Fahrer für die Spedition »Zufall« – ein Unternehmen, das den Transport von Waren organisiert, sowohl innerhalb Deutschlands als auch weltweit. Die blaue Mappe hat ein Disponent für Jan zusammengestellt. Disponentinnen und Disponenten planen, wann und wie bestimmte Güter ausgeliefert werden. Die Touren selbst übernehmen dann Fahrerinnen und Fahrer wie Jan.
Den Lkw kann Jan direkt von einem Garagentor aus beladen. Rund 27 Tonnen wiegt das beladene Fahrzeug am Ende. Jan transportiert immer nur Stückgut, also Waren, die er einzeln am Stück zu den Kunden bringen kann – etwa Kisten.
Foto: Gaby Gerster / DEIN SPIEGELJan muss die Ware aber nicht nur ans Ziel bringen, sondern erst einmal sinnvoll im Lkw und im Anhänger verstauen. Alles für die erste Station muss ganz vorn stehen, während die Pakete und Paletten für die letzte Lieferung nach hinten müssen. Auch das Gewicht ist wichtig: Jan verteilt die Ladung so, dass linke und rechte Seite gleichmäßig belastet sind. Das soll verhindern, dass das Fahrzeug unterwegs aus dem Gleichgewicht gerät oder sogar umkippt. Um sicherzustellen, dass auch bei einer Vollbremsung nichts durcheinanderfliegt, fixiert Jan die Ladung mit einem Stahlbalken. Dann ist das Fahrzeug fertig. Den Motor, die Bremsen, die Reifen und die Beleuchtung hat Jan bereits zum Schichtstart überprüft. Sicher ist sicher.
Wie lernt man, glücklich zu sein? Mobbing, Müdigkeit, mieser Leistungsdruck – wenn in Deutschland Kinder und Jugendliche gefragt werden, wie es ihnen in der Schule geht, sind die Ergebnisse leider schlecht. Viel zu wenige gehen gern zur Schule und fühlen sich dort gut. Mancherorts wird dagegen etwas unternommen, mit einem besonderen Schulfach: Glück! Wir haben eine Schule in Berlin besucht und uns angeschaut, wie Glück gelehrt wird. Außerdem im Heft: Warum Elon Musk so mächtig ist. DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:
Vorn und hinten am Fahrzeug hat Jan vor Fahrtbeginn je eine orangefarbene Warntafel angebracht. Die Tafeln signalisieren, dass Jan heute auch Gefahrgut transportiert. Gefahrgüter sind Stoffe und Gegenstände, die zum Beispiel leicht entzündlich sind und bei einem Unfall eine Gefahr für Menschen, Tiere und die Umwelt darstellen können. Das können schon harmlose Produkte wie Parfüm sein. Jan muss in diesem Fall auch spezielle Gefahrgut-Koffer für jede Person im Fahrzeug mitnehmen. Darin befinden sich unter anderem Masken, Schutzbrillen und Handschuhe.
Jan fährt einen Elektro-Lkw. Sein Fahrzeug hat also keinen Verbrennungsmotor, sondern wird mit Strom aus einer großen Batterie angetrieben. Dadurch stößt der Lkw während der Fahrt kein CO₂ aus – und bewegt sich fast lautlos über die Straßen.
Foto: Gaby Gerster / DEIN SPIEGELPersönliches – wie ein Namensschild oder einen kleinen Anhänger – findet man bei Jan im Lkw nicht. Nur eine Flasche Cola-Mix, eine Packung Kaugummis und eine rote Brotdose mit Vollkorntoasts für die Mittagspause liegen im Fahrerhaus. »Ich bin da einfach gestrickt«, sagt Jan. »Mir ist es nur wichtig, dass es immer schön sauber ist.«
Während Jan über die Landstraße fährt, wird es langsam hell. Jan kennt sich in der Gegend aus, ein Navi braucht er nicht. Seit ein paar Jahren fährt er jeden Tag dieselbe Strecke. Den Weg in die Transportbranche hat Jan als Quereinsteiger gefunden: Nach der Schule hat er zuerst im Einzelhandel und im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet. Bei »Zufall« hat er 2021 angefangen, erst als Fahrer für Kleintransporter, dann für Lkw.
Was ist das Schönste an dem Beruf?
»Wenn die Kunden sich freuen, dass die Ware bei ihnen ankommt. Und dass ich zwischendurch auch durch schöne Landschaften fahre.«
Und was ist das Schlimmste?
»Die Unfallgefahr. Wenn ich mit einem Lkw in ein Auto fahre, ist das Auto kaputt, und der Lkw hat vielleicht ein paar Kratzer. Man darf darum nie den Respekt vor dem Fahrzeug verlieren.«
Wie viele Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrer gibt es in Deutschland?
Rund 545.000.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Die klassische Berufsausbildung dauert drei Jahre. Es gibt aber auch die Möglichkeit, eine Umschulung oder eine sogenannte »beschleunigte Grundqualifikation« zu machen. In jedem Fall muss man am Ende den Lkw-Führerschein haben.
Wie viel verdient man?
Das ist unterschiedlich. In der Mitte sind es rund 2900 Euro im Monat.
Was muss man können?
Sich gut konzentrieren – auch bei langen Fahrten
Mit großen Fahrzeugen umgehen – und ein Interesse an Technik mitbringen
Pünktlich, aber auch flexibel sein – Routen werden geplant und angepasst
Für wen ist das nichts?
Für Menschen, die nicht gern Auto fahren. Oder sich am Steuer öfter mal aufregen, besonders bei Staus und im dichten Verkehr.
Ohne Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer wie Jan läuft nichts, aber immer weniger Leute wollen den Beruf machen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Vor allem Menschen, die sehr weite Strecken fahren, klagen über fehlende Anerkennung und zu wenige Parkplätze, Duschen und Schlafmöglichkeiten. Jan hat Familienmitglieder, die als Fernfahrer arbeiten. »Für mich wäre das nichts. Ich habe einen neunjährigen Sohn, den ich jeden Abend sehen will«, sagt er.
Während seiner Arbeit nutzt Jan viele technische Hilfsmittel: Kameras im Fahrerhaus ersetzen die Seitenspiegel, und mit einer Art Smartphone lassen sich alle Lieferungen sorgfältig dokumentieren.
Foto: Gaby Gerster / DEIN SPIEGELDie erste Station auf Jans Tour ist eine der schwierigsten. Jan soll fünf Paletten aus dem Anhänger bei einem Großmarkt abliefern. Dafür muss er mit dem 18,75 Meter langen Fahrzeug rückwärts an eine Laderampe fahren: Einparken auf Hochleistungsniveau. Ein paarmal muss er neu ansetzen, dann hat Jan es geschafft. In der Halle wartet bereits ein Mitarbeiter, um die Paletten entgegenzunehmen. Während Jan die Ware mit einem Hubwagen aus dem Anhänger lädt, prüft der Mitarbeiter, ob alle Verpackungen unbeschädigt sind. Dann kann Jan die Ware in einem digitalen System als »geliefert« eintragen. »Bis zum nächsten Mal«, sagt er und setzt sich ins Fahrerhaus.
Jan hat ein straffes Programm, aber aus der Ruhe bringen lässt er sich nicht. »Stress mache ich mir gar nicht mehr – da wird man nur nervös und macht Fehler«, sagt er.
Sicherheit hat oberste Priorität. Um gut sichtbar zu sein, trägt Jan deshalb im Dunklen auch immer eine gelbe Warnschutzjacke.
Foto: Gaby Gerster / DEIN SPIEGELWie schnell Jan fährt und ob er genug Pausen macht, wird dokumentiert. Jedes Mal, wenn er eine Fahrt antritt, muss er seine Fahrerkarte – eine kleine Plastikkarte – in ein Gerät stecken, das Tachograf heißt. Die gespeicherten Daten kann die Polizei oder die Spedition auslesen und dadurch sehen, ob Jan sich an alle Regeln gehalten hat. Auch Jan ist das wichtig: »Ich nehme meine Arbeit sehr genau«, sagt er und macht sich auf den Weg zum nächsten Kunden. Nach ein paar Stationen ist der Anhänger leer. Jan stellt ihn bei einem Großhändler für Musikinstrumente ab, wo er für die Rückfahrt nach Fulda neu beladen wird.
Lkw-Fahrer sind eher Einzelgänger.
Stimmt: »Auf mich trifft das zu. Ich bin gern allein im Lkw, weil ich beim Fahren in Ruhe über alles Mögliche nachdenken kann. Zu Hause komme ich oft nicht dazu.«
Lkw-Fahrer sitzen den ganzen Tag nur herum.
Stimmt nicht: »Das Fahren ist eigentlich nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. Mehr Zeit verbringe ich mit dem Ein- und Ausladen. Ich fahre aber ja auch nur kurze Strecken.«
Lkw-Fahrer sind meistens Männer.
Stimmt: »Auch bei uns in der Spedition gibt es im Moment nur männliche Fahrer. Den Beruf können aber natürlich alle Geschlechter ausüben.«
Für Jan geht es währenddessen noch einmal mit der restlichen Ware durch die Marburger Innenstadt. In der Halle in Fulda wird er erst zwischen 15.30 und 16.30 Uhr ankommen – und dann, ganz ohne Motor, den Heimweg antreten: Privat ist Jan am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs.
Dieser Artikel erschien in DEIN SPIEGEL 4/2025.
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