Jam-Skaterin Oumi Janta Rollen mit der Besten
Oumi bindet sich ihre hellgelben Rollschuhe zu. »Das Anziehen der Skates ist das einzig Nervige«, sagt sie und lacht, während sie die Schnürsenkel behutsam durch die vielen Ösen zieht. Oumi richtet noch ihren bunten Pullover, bevor sie sich vom Boden in einem Berliner Park abstößt und davongleitet. Sie lacht viel und laut, wenn sie von ihrer Lieblingsbeschäftigung erzählt: Jam-Skating.
Oumi sieht aus, als würde sie ein paar Zentimeter über dem Boden schweben, wenn sie auf den Rollschuhen tanzt. Jede Bewegung geht fließend in die nächste über. Ohne Probleme dreht sich Oumi, fährt rückwärts, springt und fährt wieder vorwärts. Sie dreht kleine und schnelle Pirouetten oder läuft lässig auf der Stelle. Dabei schwingen die Arme und Zöpfe mit, und auf Oumis Gesicht ist ein Lächeln zu sehen.
Jam-Skating ist Tanzen auf Rollschuhen. »Man muss nur die Musik verstehen. Wenn sich das Lied plötzlich verändert, also zum Beispiel lauter und kräftiger wird, dann sieht man das auch in meinen Bewegungen. Ich lerne aber keine Choreografien«, sagt Oumi.
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Ursprünglich kommt das Jam-Skating aus den USA. Dort wurde es in den Fünfziger- und Sechzigerjahren immer beliebter. Bald wurden die ersten Rollschuh-Discos veranstaltet. Anstatt nur Runden zu skaten und auf Geschwindigkeit zu achten, ging es um Rhythmus-Gefühl und geschmeidige Bewegungen. Beeinflusst durch Hip-Hop, Breakdance und die ersten Freestyle-Skater, die sich an Tricks versuchten, entwickelte sich so das Jam-Skating.
Dank Musikvideos von Sängerinnen wie Beyoncé gewann das Jam-Skating vor einigen Jahren erneut an Beliebtheit. Und als eines von Oumis Instagram-Videos im Juni 2020 viral ging und von mehr als drei Millionen Menschen angeschaut wurde, wollten es viele selbst ausprobieren. Oumi erzählt, dass es auch ein Jahr später noch schwierig ist, an Schuhe und Ersatzteile zu kommen, weil alles ausverkauft ist.
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Seit sechs Jahren macht Oumi Jam-Skating. Vorher war sie nie wirklich mit dem Rollschuh-Fahren in Berührung gekommen. Freunde nahmen sie damals zu einer Roller-Disco mit, und sie war fasziniert. »Die meisten Besucherinnen liefen nur im Kreis, aber ein paar tanzten in der Mitte der Rollschuhbahn zur Musik und zeigten Tricks. Das wollte ich auch unbedingt können«, sagt sie. Oumi kaufte sich Rollschuhe und begann zu üben.
Wer Oumi heute beim Skaten zusieht, möchte sofort mitmachen. Ganz einfach ist der Rollschuh-Tanz aber nicht. »Man braucht eine sehr gute Balance und Körperspannung«, erklärt Oumi. Bei Inlineskates reichen die Rollen über die Zehen und die Ferse hinaus, bei Rollschuhen nicht, darum muss man sehr gut das Gleichgewicht halten, um nicht nach vorne oder hinten wegzurutschen.
»Anfängerinnen sollten immer Schützer und Helm tragen und zuerst das Hinfallen üben. Wenn man weiß, wie man hinfällt, ohne dass es wehtut, schützt man sich nicht nur vor Verletzungen, sondern verliert auch die Angst vor dem Fall und kann sich freier bewegen.«
Der C-Step: Schritt für Schritt
Oumi gibt Jam-Skating-Kurse und veranstaltet Roller-Discos in Berlin, wo das Gelernte ausprobiert werden kann. Auf ihrem Instagram-Account und auf der Seite des Jam Skate Club Berlin postet sie dazu regelmäßig Neuigkeiten. Mittlerweile kann Oumi vom Rollschuh-Fahren leben. Durch die Jam-Skating-Kurse und Model-Aufträge für große Marken konnte sie ihren alten Job kündigen und sich ganz auf die Rollschuhe konzentrieren.
Sie übt momentan, ausschließlich auf den Vorderrollen zu tanzen. »Das ist superschwer, man muss sich richtig konzentrieren.« Oumi stellt ihre Bluetooth-Musikbox hin oder setzt die Kopfhörer auf und skatet los. Dabei hört sie gerade am liebsten »Teardrops« von Womack & Womack, ein fröhliches Lied.
Viel Platz braucht sie zum Rollschuh-Fahren gar nicht. Hauptsache, der Boden ist eben, und es liegen keine Steinchen herum, die sollte man vorher wegfegen. Das Handy stellt sie zum Filmen in ihre Straßenschuhe, wenn sie Videos für Instagram und TikTok aufnimmt. Wenn sie neue Schritte lernen möchte, dann schaut sie sich Videos anderer Jam-Skaterinnen auf den Social Media an und übt und übt und übt.
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Aber Oumi skatet nicht nur, um noch besser zu werden. »Bei gutem Wetter bin ich von neun Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang am Skaten, weil ich alles um mich herum vergesse«, sagt sie. Manchmal fährt Oumi alleine, um abzuschalten. Aber auch mit Freunden tanzt sie gern. »Wir zeigen uns gegenseitig neue Tricks, hören Musik und haben einfach Spaß.«
Dieser Artikel erschien im »Dein SPIEGEL«-Sommerheft 2021.
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