Kai Pflaume im Kinder-Interview »Ich wollte Müllmann werden«
DEIN SPIEGEL: Bei »Klein gegen Groß« treten Kinder mit besonderen Talenten gegen Erwachsene an. Mit welchem Talent hättest du als Kind bei dieser Show mitgemacht?
Pflaume: Besonders gut war ich darin, auf Dinge hinaufzuklettern. Das habe ich ständig gemacht. Leider bin ich auch oft wieder heruntergefallen.
DEIN SPIEGEL: Ist dir dabei was passiert?
Pflaume: Ja, ich habe mir sechsmal den Arm gebrochen: dreimal den rechten und dreimal den linken. Rechts war immer cooler, weil ich dann in der Schule nicht mitschreiben musste.
Seit 2011 moderiert Kai Pflaume, 57, »Klein gegen Groß«. Die Show läuft in der ARD.
Foto: Thorsten Jander / SRFDEIN SPIEGEL: Hat man dir als Kind schon angemerkt, dass du ein Talent hast, andere zu unterhalten?
Pflaume: Ich denke schon. Es fiel mir jedenfalls nie schwer, vor anderen zu stehen und zu reden. Aber es ist auch nicht so, dass ich mich gern in die Mitte einer großen Gruppe stelle und sage: »Hallo, hier bin ich, jetzt erzähl ich euch was.« Manchmal höre ich lieber zu.
DEIN SPIEGEL: Was war als Kind dein Traumberuf?
Pflaume: Ich wollte Müllmann werden. Weil ich es cool fand, wie die Arbeiter sich mit einer Hand am Wagen festgehalten haben und während der Fahrt abgesprungen sind. Das habe ich immer vom Fenster aus beobachtet.
DEIN SPIEGEL: Wie kamst du zum Fernsehen?
Pflaume: Eigentlich hatte ich eine Ausbildung bei einer Bank gemacht. Eines Tages sprach mich jemand auf der Straße an, ob ich Lust hätte, als Kandidat bei einer Fernsehshow namens »Herzblatt« mitzumachen. Ich fand das spannend und willigte ein. Das ist fast 35 Jahre her.
Levi und Christina trafen Kai Pflaume vor der Aufzeichnung von »Klein gegen Groß« in Berlin.
Foto: Verena Brüning / Dein SPIEGELDEIN SPIEGEL: Und wann bist du Moderator geworden?
Pflaume: Etwa zwei Jahre später, als ich erneut als Kandidat für eine Sendung angefragt wurde. Dieses Mal lehnte ich ab, weil ich lieber als Moderator vor die Kamera wollte. Daraufhin wurde ich zu drei Castings eingeladen. Bei einem hat es geklappt, und ich bekam meine erste eigene Sendung.
DEIN SPIEGEL: Mittlerweile hast du schon etliche Shows moderiert. Was macht man eigentlich, wenn man beim Moderieren einen Schluckauf bekommt?
Pflaume: Oh, das ist immer doof, weil man einen Schluckauf nicht kontrollieren kann. Wenn ich vor oder während einer Sendung einen bekäme, müssten wir die Aufzeichnung unterbrechen. Und bei einer Livesendung kann man nichts machen, außer hoffen, dass der Schluckauf wieder verschwindet.
Wie lernt man, glücklich zu sein? Mobbing, Müdigkeit, mieser Leistungsdruck – wenn in Deutschland Kinder und Jugendliche gefragt werden, wie es ihnen in der Schule geht, sind die Ergebnisse leider schlecht. Viel zu wenige gehen gern zur Schule und fühlen sich dort gut. Mancherorts wird dagegen etwas unternommen, mit einem besonderen Schulfach: Glück! Wir haben eine Schule in Berlin besucht und uns angeschaut, wie Glück gelehrt wird. Außerdem im Heft: Warum Elon Musk so mächtig ist. DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:
DEIN SPIEGEL: In welcher deiner eigenen Sendungen wärst du gern mal selbst zu Gast?
Pflaume: Am liebsten wäre ich mal Teil des Rateteams bei der NDR-Show »Kaum zu glauben!«. Dort geht es darum, der kuriosen Geschichte einer Person auf die Spur zu kommen, indem man ihr die richtigen Fragen stellt.
DEIN SPIEGEL: Auch auf deinem YouTube-Kanal geht es um die Geschichten anderer Leute. In den Videos begleitest du Streamerinnen, Influencer und YouTuberinnen in ihrem Alltag. Was findest du daran so interessant?
Pflaume: Dass ich dadurch die Chance bekomme, in eine andere Welt einzutauchen. Influencer erleben ganz unterschiedliche Dinge: Manche filmen sich auf Reisen oder drehen Sport-Videos, andere backen oder spielen Games auf Twitch. Viele denken, dass so was keine echte Arbeit ist. Das stimmt nicht, diese Leute arbeiten richtig viel. Ich finde es spannend, was sie tun. Wenn es das Internet schon während meiner Jugend gegeben hätte, hätte ich vielleicht etwas Ähnliches gemacht.
DEIN SPIEGEL: Warum heißt dein YouTube-Kanal »Ehrenpflaume«?
Pflaume: Das hat mit einer großen Online-Community zu tun, in der sich alles um Sneaker und Kleidung dreht. Ich wurde dort von den Mitgliedern aufgenommen, weil sie meinen Stil cool fanden. Immer wenn in dieser Community etwas über mich gepostet wurde, haben die Leute das mit »#Ehrenpflaume« kommentiert. So bin ich auf den Namen gekommen.
DEIN SPIEGEL: Was gefällt dir besser: Videos für YouTube drehen oder Fernsehsendungen aufzeichnen?
Pflaume: Mir macht beides Spaß. Die Fernseharbeit ist toll, aber sehr aufwendig: Für eine Folge »Klein gegen Groß« sind wir mehrere Tage lang im Studio, um uns vorzubereiten und alle Abläufe zu proben. Hinter den YouTube-Videos steckt weniger Planung. Ich weiß zwar, wen ich treffe, aber nicht, was dabei alles passieren wird. Einmal habe ich den Rapper Ski Aggu zu Hause besucht. Dabei kam heraus, dass er in seiner Küche kein warmes Wasser hatte. Also habe ich mich spontan mit Werkzeug unter sein Spülbecken geklemmt und das Problem behoben. So was passiert beim Fernsehen selten.
DEIN SPIEGEL: Glaubst du, dass es bald kein Fernsehen mehr gibt, weil alle nur noch Videos im Internet anschauen?
Pflaume: Ich denke, es wird immer beides geben. Ein Fernseher hat gegenüber kleinen Geräten wie dem Handy oder dem Tablet einen großen Vorteil: Er verbindet Menschen. Vor ihm könnt ihr euch gemeinsam mit eurer Familie versammeln. Und wenn ihr dann kein YouTube-Video, sondern ein Fußballspiel oder eine Show wie »Klein gegen Groß« anschaut, trefft ihr am Montag in der Schule bestimmt Freunde, die sich das ebenfalls angesehen haben. Dann habt ihr etwas, über das ihr euch austauschen könnt. Das macht Fernsehen so besonders.
Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 04/2025.
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