Luna-Halle in Köln: Trainingsanlage für Raumfahrende - Mal eben zum Mond - DER SPIEGEL
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Trainingsanlage für Raumfahrende Mal eben zum Mond

Krater, Lavatunnel und tonnenweise Mondstaub: Die Luna-Halle in Köln bringt die Landschaft des Mondes auf die Erde. Astronautinnen und Astronauten können sich hier möglichst realitätsnah auf einen Einsatz vorbereiten.
Von Deborah Weber • • aus DEIN SPIEGEL 10/2025

Um auf den Mond zu fliegen, braucht man etwa drei Tage und ein spezielles Raumfahrzeug, das Erdatmosphäre und Weltraum durchqueren kann. Oder man nimmt die S-Bahn am Kölner Hauptbahnhof. Etwa eine Stunde entfernt befindet sich die Luna-Halle, eine Art Trainingszentrum für Astronautinnen und Astronauten. Auf 700 Quadratmetern ist die Mondlandschaft so nachgebildet wie nirgends sonst auf der Welt.

»Wer sich auf eine Mondmission vorbereiten will, kommt an der Luna-Halle nicht vorbei«, sagt Projektleiter Thomas Uhlig. Als Kind hat der Physiker davon geträumt, Astronaut zu werden. Statt selbst ins Weltall zu fliegen, hilft er nun anderen, sich darauf vorzubereiten. Zusammen mit vielen Forschenden der Europäischen Weltraumorganisation Esa und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sorgt er dafür, dass die Luna-Halle der Mondoberfläche möglichst ähnlich ist.

Der Hallenboden besteht aus 900 Tonnen nachgebildeten Mondstaubs, etwa 60 Zentimeter hoch. In einer Ecke befindet sich ein drei Meter tiefer Krater. Dazwischen liegen Felsen und Steine, deren Struktur der von echten Mondsteinen ähnelt.

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Woher wissen die Forschenden, wie die Mondumgebung aussieht, wenn noch niemand von ihnen dort war? »Von den Astronauten der ›Apollo‹-Missionen. Sie brachten damals Gesteinsproben mit, die auf der Erde analysiert wurden«, sagt Raumfahrtingenieurin Maria Hallinger, die geholfen hat, das Luna-Zentrum aufzubauen. »So konnte man gucken, welche ähnlichen Materialien wir auf der Erde haben.« Der nachempfundene Mondstaub besteht aus speziellem Vulkangestein, das zu so feinem Sand gemahlen ist, dass er sich wie Mehl anfühlt. Echter Mondstaub ist scharfkantiger und elektrisch aufgeladen. »Deshalb ist Mondstaub so klebrig. Das ist der gleiche Effekt wie bei einem Luftballon, den man kräftig reibt und der danach die Haare anzieht«, sagt Maria.

Nicht jede Eigenschaft des Mondes kann kopiert werden. So schwanken die Temperaturen an dessen Oberfläche zwischen minus und plus 130 Grad Celsius. »Das zu simulieren, wäre zu aufwendig«, sagt Thomas Uhlig. Um sicherzustellen, dass ein technisches Gerät mondtauglich ist, muss es deshalb nicht nur in der Luna-Halle ausprobiert, sondern später noch einem Temperaturtest unterzogen werden.

Luna-Halle in Köln: Wer zum Mond will, kommt an diesem Gebäude nicht vorbei

Luna-Halle in Köln: Wer zum Mond will, kommt an diesem Gebäude nicht vorbei

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL

Die vielleicht größte Herausforderung ist, die Schwerkraft des Mondes nachzuahmen. Auf der Erde ist alles sechsmal so schwer wie auf dem Mond. Doch auch dafür hat sich das Luna-Team eine Lösung überlegt und ein spezielles Seilsystem entwickelt. Astronautinnen und Astronauten werden an beweglichen Seilen befestigt, die von der Decke hängen. Die Seile können dann einen Teil des Gewichts übernehmen – und so die geringe Anziehungskraft des Mondes simulieren.

Die Raumanzüge der »Apollo«-Missionen wogen etwa 80 Kilogramm. »Auf dem Mond ist das Gewicht eines Raumanzugs aber kaum zu spüren. Die Schwierigkeit besteht eher darin, nicht versehentlich umzukippen«, erklärt Maria. Im September soll das System in der Luna-Halle installiert und getestet werden. Ab dann können Astronautinnen und Astronauten üben, wie sie in der Schwerkraft des Mondes mit einem modernen Raumanzug aufstehen, in die Knie gehen oder Dinge aufheben.

Bevor Maria und Thomas die Halle betreten können, müssen sie einen Schutzanzug anziehen. »So schützen wir unsere Kleidung vor dem Mondstaub – und den Mondstaub vor uns«, sagt Thomas. Denn jeder Mensch trägt auf seinen Klamotten Staubpartikel mit sich herum, die den nachgeahmten Mondstaub verunreinigen könnten. Über Schuhe und Haare kommt eine Plastikbedeckung. Maria schnallt sich einen elektrischen Luftfilter an den Rücken, der über einen Schlauch mit einem Helm verbunden ist. So wird der Helm direkt mit frischer Luft versorgt. Noch das Visier herunterklappen, Handschuhe an, »und ab auf den Mond!«.

Das Tor poltert, während es nach oben fährt. Drinnen ist alles stock­dunkel. Schwere Vorhänge schützen die Halle vor Licht. »Moment, ich knipse die Sonne an«, sagt Thomas. Die Sonne, das sind in dem Fall Scheinwerfer, hell wie bei einem Konzert. Sobald sie angehen, breitet sich vor Maria und Thomas die zerklüftete Landschaft aus. Vorn im Sand steckt eine Flagge, auf der das Logo der Luna-Halle zu sehen ist. Weiter hinten steht der Prototyp der europäischen Mondlandefähre »Argonaut«. Dazwischen ein Mondrover, eine Art fahrbarer Roboter, per Joystick steuerbar. An der Vorderseite des Rovers ist eine Kamera befestigt, die die Mondoberfläche filmt. »Das bringt mehr Spaß als ein ferngesteuertes Auto«, sagt Thomas.

Was man nicht sieht: Unter dem Mondstaub befindet sich ein Lavatunnel. Denn auch auf dem Mond gibt es Höhlen, die Astronautinnen und Astronauten Unterschlupf bieten könnten. »Aber dafür muss man die Höhlen erst mal aufspüren«, sagt Maria. Das lässt sich hier in der Luna-Halle mit speziellen Radargeräten üben. Außerdem sind überall im Boden Dinge versteckt, beispielsweise Scheiben aus Acrylglas. Ihre Struktur ähnelt der von sogenanntem Wassereis. »Mit Eis am Stiel hat das nichts zu tun. So heißt das gefrorene Wasser, das unter der Mondoberfläche gespeichert ist«, erklärt Maria. Aus dem verborgenen Wassereis könnte bei zukünftigen Mond­missionen Trinkwasser oder Raketentreibstoff gewonnen werden.

Raumfahrtingenieurin Maria Hallinger hat es sich in einer der Schlafkojen mehr oder weniger bequem gemacht

Raumfahrtingenieurin Maria Hallinger hat es sich in einer der Schlafkojen mehr oder weniger bequem gemacht

Foto: Marvin Ruppert / DEIN SPIEGEL

Um mehr­tägige Raumfahrtmissionen nachspielen zu können, hat das Luna-Team vor Kurzem außerdem eine Art Weltraum-Camping-Container bauen lassen. Dieser dient als Quartier für vier Astronautinnen und Astronauten, die während simulierter Mondmissionen dort schlafen, essen und arbeiten können. Darin befinden sich ein Labor und ein Bereich mit vier Schlafkojen. Der Container steht direkt neben der Halle. Bald soll er durch eine Schleuse direkt mit der Luna-Halle verbunden werden.

Schwer zu sagen, wann genau wieder Menschen auf dem Mond herumlaufen werden, welche Abenteuer sie dort erleben werden und was ihnen dabei durch den Kopf gehen wird. Aber vielleicht wird sich der eine oder die andere denken: »Ah, das fühlt sich hier ja genauso an wie in Köln.«

Dieser Artikel erschien in DEIN SPIEGEL 10/2025.

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