Waldbrände verhindern: Wie ein Förster Bäume für die Zukunft wappnet - DER SPIEGEL
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So arbeitet ein Förster Er sieht den Wald trotz lauter Bäumen

Jan Meyer-Hamme sorgt dafür, dass Waldflächen auch in ferner Zukunft Menschen, Tieren und dem Klima zugutekommen.
Von Pelle Kohrs • • aus DEIN SPIEGEL 8/2026

Die Fichten stechen aus dem Grün hervor. Ihre hochgewachsenen Kronen überragen alles andere: Buchen, Douglasien, Eichen und Jan Meyer-Hamme, der zwischen den Bäumen auf dem Waldboden hockt. Auf seinen Schuhen krabbeln Ameisen herum. Den 39-Jährigen stört das nicht. Er sieht sich gerade einen Ahorn-Sprössling an. »Der wurde stark verbissen«, urteilt Jan. Das heißt, Wildtiere haben die Knospen des Jungbaums abgekaut. »Der hat keine Chance mehr, groß zu werden.«

Jan ist Förster. Seine Arbeitsplätze sind der Wald und ein Büro in Neumünster. Dort befindet sich die Zentrale der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, bei denen Jan angestellt ist. Der Betrieb ist für alle Wälder verantwortlich, die dem Land Schleswig-Holstein gehören. Zu­sammengerechnet ist die Fläche ungefähr so groß wie rund 75.000 Fußballfelder.

Ein Förster allein reicht für so viel Holz nicht aus. Insgesamt sind den Waldflächen 31 Revierleiterinnen und Revierleiter zugeteilt. Sie kümmern sich unter anderem um den Baum­bestand, halten die Augen nach Schädlingen offen oder planen die Holz­ernte. »Solche Aufgaben haben die meisten Leute im Kopf, wenn sie an Försterinnen und Förster denken«, sagt Jan.

Berufsinfo

Was ist das Schönste an dem Beruf?

»Nachhaltig zu arbeiten. Es ist unsere Aufgabe, den Wald für die nächsten Generationen zu erhalten. Das ist ein tolles Gefühl.«

Und was ist das Schlimmste?

»Mitzubekommen, dass viele Leute keinen Respekt mehr vor der Natur haben. Manche benehmen sich wie die Axt im Walde und lassen zum Beispiel ihren Müll zurück.«

Wie viele Försterinnen und Förster gibt es in Deutschland?

Eine genaue Zahl dazu gibt es nicht. In Deutschland sind rund 35.000 Menschen im Bereich der Forstwirtschaft beschäftigt. Davon arbeitet aber nur ein kleiner Teil als Försterinnen und Förster.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Normalerweise sechs bis acht Semester, also drei bis vier Jahre. So lange dauert es, Forstwirtschaft oder Forstwissenschaft zu studieren. Danach können noch ein bis zwei Jahre Vorbereitungsdienst folgen.

Wie viel verdient man?

Als Revierförsterin oder Revierförster erhält man im Schnitt rund 5200 Euro brutto im Monat.

Was muss man können?

  • Mit Menschen umgehen

  • Sich draußen wohlfühlen

  • Respekt vor der Natur haben

Für wen ist das eher nichts?

  • Für Stubenhocker, die sich nicht schmutzig machen wollen

  • Für Menschen, die sich vor Krabbeltieren ekeln

  • Für Zartbesaitete, weil man oft mit toten Wildtieren zu tun hat

Der 39-Jährige ist hingegen für andere Dinge zuständig. »In erster Linie bin ich Ansprechpartner für die Themen Jagd, Wildvermarktung und Waldschutz«, sagt er. Wenn die 31 Revierförsterinnen und -förster dazu Fragen haben, melden sie sich bei Jan. Doch nicht nur sie. »Ich erkläre Jägerinnen und Jägern, wie sie bei uns jagen können, ich spreche mit Wildhändlern, die das Fleisch der Tiere kaufen wollen, und ich bekomme Bescheid, wenn Waldflächen bedroht sind, etwa durch Schädlinge oder das Wetter.«

Klingt nach einer Menge Telefo­nate. »An manchen Tagen geht es ruhig zu«, sagt Jan. »An anderen klingelt mein Handy 30- bis 50-mal.«

Heute ist der Förster schlechter zu erreichen. Er steht mitten im Segeberger Forst, dem zweitgrößten Wald Schleswig-Holsteins. Dort hat sein Handy kaum Empfang. Jan passt das gut, so bleibt ihm mehr Zeit für andere Dinge, zum Beispiel abgekaute Knospen. »Da war Wild dran«, sagt Jan, während er mit der Hand über die Äste des Ahorn-Sprösslings fährt. »Leider macht es sich am liebsten über die Bäume her, die für den Wald am wichtigsten sind.«

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Die Wälder in Schleswig-Holstein sollen klimastabiler werden, also auch in vielen Jahren gegen das Wetter gewappnet sein. »Am besten gelingt das mit Mischwäldern«, sagt Jan. Je mehr Baumarten, desto besser. Die Idee: Wenn eine Art gefährdet ist, gleichen andere die Gefahr für den Wald aus. Jan erklärt das anhand eines Beispiels: »Fichten können im Sommer sehr trocken werden. In einem reinen Fichtenwald wird aus einem Feuer deshalb schnell ein großer Waldbrand. In Mischwäldern können Laubbäume die Ver­breitung des Feuers ausbremsen, weil sie feuchter sind und schlechter brennen.«

Jan besteigt einen Hochsitz. Das Thema Jagd gehört für die meisten Förster und Försterinnen zum Job dazu.

Jan besteigt einen Hochsitz. Das Thema Jagd gehört für die meisten Förster und Försterinnen zum Job dazu.

Foto: Ulrike Schacht / DEIN SPIEGEL

Blöd nur, wenn Wildtiere diesen Plänen in die Quere kommen. Für sogenanntes Schalenwild, etwa Rehe oder Hirsche, sind junge Laubbäume wie Ahorne, Buchen oder Eichen ein gefundenes Fressen. »Die schmecken süßer und pieksen nicht so wie Nadelbäume«, sagt Jan. Aus wirtschaftlicher Sicht sind die abgebissenen Knospen ebenso ein Problem wie für die Zukunft des Waldes. »Selbst wenn diese Pflanzen weiterwachsen, werden aus ihnen keine starken Bäume mehr. Ihr Holz wird später kaum einen finanziellen Wert haben.«

Etwa zweimal pro Jahrzehnt werden in Schleswig-Holsteins Wäldern Bäume für den Verkauf gefällt. Das nennt man Holzernte. Die Einnahmen sind für Forstbetriebe wichtig. »Es kostet eine Menge Geld, sich um den Wald zu kümmern und ihn zu schützen«, erklärt Jan. »Ohne den Holzhandel könnte sich das keiner leisten.«

Försterinnen und Förster müssen folglich aufpassen, dass nicht zu viele Bäume von dem Verbiss betroffen sind. »Die Jagd hilft uns dabei, das Problem in den Griff zu bekommen«, sagt Jan. »Mit ihrer Hilfe begrenzen wir den Wildbestand.« Trophäen wie Geweihe oder Hauer dürfen die Jä­gerinnen und Jäger behalten, der Rest der Tiere gehört hingegen den Landesforsten. »Wir verkaufen sie weiter, das Fleisch geht zum Beispiel an Restaurants.«

Wenn Jan im Wald unterwegs ist, sind seine Hunde Hanna und Basti stets an seiner Seite.

Wenn Jan im Wald unterwegs ist, sind seine Hunde Hanna und Basti stets an seiner Seite.

Foto: Ulrike Schacht / DEIN SPIEGEL

Jan steigt zurück in seinen Dienstwagen, ein Elektroauto. Er macht damit gerade eine Kontrollfahrt. »Wenn ich Zeit finde, schaue ich in den Wäldern nach dem Rechten«, sagt er. »Ich sehe mir Bäume an, prüfe Lösch­wasserbrunnen oder stelle sicher, dass sich die Jägerinnen und Jäger auf unserem Gelände an die Regeln halten.«

Und manchmal, so wie jetzt, kümmert sich Jan um Tüten mit Hundekacke. Jemand hat den Plastikbeutel mitten auf dem Waldweg liegen lassen. Der 39-Jährige steigt aus seinem Auto und nimmt ihn mit. »Das kommt leider immer häufiger vor«, sagt er und schüttelt mit dem Kopf. »Was soll so was?«

Vorurteile-Check

Försterinnen und Förster ...

... tragen immer grüne Kleidung.

Stimmt teilweise: »Nicht immer, aber meistens, weil unsere Dienstkleidung oft grün eingefärbt ist. Sinnvoll ist das vor allem für die Jagd.«

... haben meistens Hunde.

Stimmt: »Das ist für diesen Beruf von Vorteil. Hunde können zum Beispiel dabei helfen, Wildtiere aufzuspüren.«

... sind den ganzen Tag im Wald unterwegs.

Stimmt nicht: »Wir sitzen leider häufig am Schreibtisch. Zu unserem Job gehört viel Büroarbeit.«

Einige Kilometer weiter hält Jan wieder an – diesmal vor einer großen Scheune mitten im Wald. »Darin lagern 120 Kilometer aufgerollter Zaun.« Eine Vorsorge für den Ernstfall: den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Die Tierseuche ist für den Menschen ungefährlich, für Wild- und Hausschweine jedoch tödlich. In anderen Bundesländern ist sie bereits angekommen.

»Wir gehen davon aus, dass die ASP auch nach Schleswig-Holstein kommen wird«, sagt Jan. Wenn es so weit ist, legt das Veterinäramt eine Sperrzone fest. »Die müssen wir einzäunen, um das Virus einzudämmen.«

Seuchen, Brände, Stürme – in Wäldern kann es ungemütlich zugehen. Im Normalfall lässt es sich zwischen den Bäumen aber wunderbar aushalten. Im Segeberger Forst ist es angenehm ruhig, die Luft ist klar, und es duftet nach Harz. »Ich fühle mich immer wohl im Wald«, sagt Jan. »Am liebsten wäre ich den ganzen Tag hier.«

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