Keramikerin Wiebke Lehmann: Warum Teller? - DER SPIEGEL
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Gespräch mit Wiebke Lehmann Warum Teller?

Der Teller ist die Bühne fürs Essen – und mehr als nur ein Rahmen. Wiebke Lehmann erklärt, warum Köche und Genießer nicht auf Ikea setzen müssen, wie Design die Wahrnehmung verändert und was einen perfekten Teller ausmacht.
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Patrica Parinejad

Von Peter Lau

Warum Teller?

Ich bin gelernte Keramikerin. Ich wäre lieber Malerin geworden, habe mich nicht getraut und fand es dann super, Teller zu drehen und auch anzumalen. Eine ideale Leinwand: Ist das Bild Murks, ist es zumindest noch ein Teller. Ich habe mich immer damit beschäftigt und mit der Zeit eine Sammlung zusammengetragen, die jetzt hier im Laden sozusagen als Angebot steht, unter dem Gesichtspunkt: Was ist spannend für Köche? Der Teller ist der Rahmen für ihr Essen, so wie ein Bilderrahmen für ein Bild. Der Maler braucht den Rahmen vielleicht nicht, aber es ist schon manchmal geil, was für Rahmen einige Bilder haben, was da so zusammenkommt. Auch wenn die Maler die Rahmen ihrer Bilder selten selber aussuchen.

Zur Person
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Grit Siwonia

Wiebke Lehmann, geboren 1963 in der norddeutschen Tiefebene, hat nach Töpferlehre und Studium der Keramikgestaltung Studios in London und Berlin betrieben. Sie hat 1999 die Porzellanmanufaktur Hering Berlin mitgegründet und ging nach ihrem Ausstieg 2018 zur Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen. Seit 2021 betreibt sie den Laden Tawl.

Warum sollten es dann die Köche tun?

Sie tun es nicht alleine – ich helfe dabei. Der Teller ist das Verbindungsglied zwischen dem Essen und dem Restaurant, also dem Gastraum, den Materialien, dem Licht, der Stimmung. Kann der Koch das einschätzen? Meistens nicht. Der Koch sieht den Teller in der Küche. Wenn er anrichtet, hat er das Licht am Pass. Aber wie sieht es am Tisch aus? Beim Gast? Was ist dafür ein Licht? Was ist das für ein Ort? Es ist möglich, dass ein Teller, der am Pass funktioniert, im Restaurant nicht funktioniert. An solche Sachen musst du denken, wenn du Teller aussuchst.

Der Koch könnte einfach Ikea-Teller nehmen.

Klar kann er das. Wenn er gerade ein Restaurant eröffnet und gar kein Geld hat, kann er zu Ikea fahren. Damit macht er weniger falsch als mit vielen anderen Tellern. Die sind nicht so aufdringlich wie die billigsten Teller im Gastrogroßhandel oder manche Auslaufmodelle. Ichhabe in Sternerestaurants schon Teller von Ikea gesehen und kann es nachvollziehen, wenn jemand sagt: Ich muss mit meinem Budget haushalten. Es gibt wenig Banaleres als einen Ikea-Teller, aber er ist meistens zumindest nicht falsch. Er funktioniert.

Was heißt das?

Zum Beispiel Haltbarkeit: Die gehen nicht so schnell kaputt.

Deshalb funktioniert der Teller? Das kann doch nicht alles sein.

Sie sind gut stapelbar und nehmen nicht so viel Platz weg. Ganz pragmatische Qualitäten. Dann gibt es noch das optische Funktionieren, am Pass und auf dem Tisch. Aber auch da macht man mit einem weißen Ikea-Teller nichts falsch. Es gibt ähnliches Porzellan von der deutschen Porzellanindustrie, das auch günstig ist. Das geht schon.

Und darauf spricht das Essen dann für sich selbst.

Nein, das spricht dann noch gar nicht. Das Essen ist einfach nur auf einem Teller. Eigentlich braucht es einen Rahmen, damit man es so wahrnimmt, wie es gemeint ist. Darüber macht man sich in der gehobenen Gastronomie auch einen wahnsinnigen Kopf, denn wenn das Essen einen banalen Rahmen hat, wird es banaler wahrgenommen, als es ist. Das hat einen großen Einfluss.

Und wie sieht der ideale Rahmen aus?

Wichtig ist zum Beispiel: Wie reflektiert der Teller das Licht? Wenn er komplett glasiert ist, porzellanglänzend, glänzt er um das Essen herum und nimmt viel Aufmerksamkeit davon weg. Dabei soll er eigentlich den Fokus auf das Essen richten, das ist für mich das absolute Ideal.

Also keine glasierten Teller.

Oder matt glasiert. Hochglanz ist meist zu schrill. Dann spielen Wölbungen eine Rolle, für Saucen und Verläufe. Es ist total wichtig, dass die Sauce nicht komplett ins Zentrum läuft, sondern stehen bleibt, aber eben auch nicht flach verläuft. Das wird von Tellerherstellern häufig nicht beachtet. Es sind tatsächlich viele Teller auf dem Markt, die für die Gastronomie durchaus interessant sein könnten, hätte mal jemand mit Köchen gesprochen.

Warum sind eigentlich die meisten Teller rund?

Das ist eine sehr gute Frage. Ursprünglich kommt das vom Drehen auf der Töpferscheibe. Aber es hat auch mit dem Ausrichten der Partikel in der Masse zu tun, egal ob Porzellan, Ton oder Steinzeug. Beim Drehen, egal ob handgedreht oder maschinengedreht, richten sich die Partikel am besten aus, sie verdichten sich am besten, was die Teller haltbarer macht.

Du könntest also im Prinzip auch eckige Teller herstellen, nur dass die fragiler wären?

Genau. Es gibt heute aber noch andere Herstellungsmethoden, zum Beispiel Druckguss. Dafür wird die Masse verflüssigt, mit Wasser und einem sogenannten Verflüssiger. Der ist nötig, weil du sonst so viel Wasser zugeben müsstest, dass du keine ordentliche Haltbarkeit hinkriegst. Damit kannst du im Druckgussrecht stabile Sachen machen, der Druck verdichtet die Masse gewaltig. Das ist allerdings superaufwendig und auch ziemlich teuer. Deshalb werden damit fast nur Sachen gemacht, die groß sein müssen.

Du verkaufst ausschließlich von Manufakturen, in deinem Laden ist alles Handarbeit – wie lange dauert es, so einen Teller handwerklich herzustellen?

Das ist schwer zu sagen. Es sind viele Handgriffe über insgesamt zwei, drei Wochen. Zusammen kommt es vielleicht auf anderthalb Stunden.

Und was kostet so ein Teller dann?

Wenn der Töpfer den unter vierzig Euro verkauft, macht er einen Fehler.

Was kosten Teller bei dir?

Der einfachste liegt bei zwanzig Euro, der ist dann aber nur teilweise handwerklich hergestellt. Die meisten liegen bei ungefähr hundert Euro, aber das ist nach oben offen – Einzelstücke können auch wesentlich teurer sein.

Dann schauen wir mal, was so ein Teller bringt. Stevan, unser Hauskoch, hat Schnelle Teller auf Tellern aus deiner Kollektion angerichtet. Die sehen wir uns jetzt an. Das hier ist Muscheln in Sweet-Chili-Kokosnusscreme .

Foto: Andrea Thode

Rezept Muscheln in Sweet-Chili-Kokosnusscreme

30 Min Für 2 Personen

Zubereitung

1.
Schalotten halbieren, pellen und fein würfeln, Ingwer pellen und fein würfeln. 10 g Butter in einem Topf schmelzen, Ingwer und Zwiebeln darin glasig dünsten. 50 ml Wasser und die Kokosmilch zugeben, die Chilisauce einrühren. Offen 2–3 Minuten dicklich einkochen. Die Sauce mit Salz abschmecken. 2.
Die Muscheln in kaltem Wasser gründlich waschen, beschädigte Muscheln und Muscheln, die sich auch auf Druck nicht mehr schließen, bitte aussortierten – bei Miesmuscheln zusätzlich die Bärte ziehen. Eine Handbreit gesalzenes Wasser in einem Topf aufkochen, Muscheln zugeben und zugedeckt aufkochen. 5 Minuten zugedeckt garen, dann ziehen lassen. 3.
Die Knoblauchzehe halbieren, pellen und fein würfeln. Knoblauch mit 40 g Butter in einer Pfanne aufwallen lassen, nach Geschmack etwas gehackten Koriander zugeben, leicht salzen. Die Milchbrötchen halbieren und in der Butter in 1–2 Minuten hell anrösten. 4.
Die Sauce aufkochen. Die gegarten Muscheln abgießen und abtropfen, auf gewärmten Teller verteilen und mit Sauce beschöpft servieren.

Ich finde das wunderschön, die Muscheln passen farblich ganz fantastisch. Man nimmt ihre Farbe durch den Teller auch ganz anders wahr. Wäre das ein weißer Ikea-Teller, wären es eben Muscheln. Aber hier siehst du auch, wie schön das zusammengeht. Außerdem mag ich an dem Teller den leicht gebrochenen Rand. Man sieht, wie die Glasur über dem Ton arbeitet. Aber vielleicht ist das nur für Keramiker interessant.

Foto: Andrea Thode

Rezept Udon-Nudeln mit gebratenem Lachs in Schwarzbrot-»Dashi«

25 Min Für 2 Personen

Zubereitung

1.
Den Lachs in zwei Tranchen teilen und salzen. Knoblauch halbieren und pellen, Ingwer in dünne Scheiben schneiden. Brühe mit Sojasauce, Knoblauch und Ingwer aufkochen. Sardelle, Brot und 1 Esslöffel Sushi-Ingwer-Sud zugeben und aufkochen. Vom Herd nehmen und ziehen lassen. Frühlingszwiebel in Ringe schneiden und in kaltes Wasser legen. 2.
Udon in kochendem Salzwasser 3 Minuten garen (getrocknete Udon nach Packungsanweisung zubereiten). Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen, den Lachs darin auf der Hautseite 2–3 Minuten golden-knusprig braten, dann rundherum insgesamt 4–6 Minuten weiterbraten (medium bis medium well). Die Brühe vorsichtig durch ein Sieb in einen anderen Topf gießen und wieder erhitzen. 3.
Die Nudeln abgießen und auf gewärmte tiefe Teller oder Bowls verteilen. Einen Tupfer Wasabi auf den mittleren bis oberen Rand des Gefäßes drücken, später würzt und schärft man die Brühe damit individuell. Den Lachs auflegen, Brühe angießen. Mit abgetropften Frühlingszwiebeln und Sushi-Ingwer getoppt servieren.

Den finde ich ein bisschen zu voll. Klar, bei Blau denkt man natürlich ans Meer. Aber ich fände es besser, wenn nur Gemüse drauf wäre. Das ist ein Glasteller, und mir ist der Lachs optisch zu schwer, irgendwie zu dicht. Vielleicht hätte es funktioniert, wenn er den Lachs hochkant gekippt hätte. Kann sein.

Okay, der nächste: Cheddar-Polenta mit Chili-Mais und Hüttenkäse.

Foto: Andrea Thode

Rezept Cheddar-Polenta mit Chili-Mais und Hüttenkäse

30 Min Für 2 Personen

Zubereitung

1.
Brühe, Milch und Olivenöl mit der halbierten, gepellten Knoblauchzehe aufkochen. Die Polenta mit einem Schneebesen einrühren. Die Hitze reduzieren und unter gelegentlichem Rühren (erst noch mit dem Schneebesen, später mit einem Kochlöffel) leise blubbernd 7 Minuten garen. Den Cheddar einrühren und schmelzen, die Polenta mit Salz abschmecken. Knoblauchhälften mit einer Gabel entfernen. 2.
Mais abtropfen. Butter in der Pfanne schmelzen, Mais und Chili zugeben und 2–3 Minuten braten, leicht salzen. Polenta auf gewärmte Teller verteilen, mit Mais und Hüttenkäse toppen.

Das ist toll! Fantastisch! Die Idee des Gerichts und der Teller passen super zusammen. Er spielt mit dem Teller. Herrlich! Der Teller stammt aus dem belgischen Studio Mattes. Charlie Martens hat seine Werkstatt 2014 gegründet. Er hat sechs Mitarbeiter und ein sensationelles Verständnis dafür, die Haute Cuisine in Szene zu setzen. Er hat eine ungewöhnliche Herangehensweise an das Material Ton und sehr schöne Glasuren. Sehr poetisch. Und verwegen. Der Teller mit den Muscheln war auch von ihm.

Weiter geht’s! Das ist ein Vier-Bohnen-Bulgur-Eintopf.

Foto: Andrea Thode

Rezept Vier-Bohnen-Bulgur-Eintopf

30 Min Für 2 Personen

Zubereitung

1.
Den Bauch in vier dicke Streifen schneiden und salzen. Brühe mit Sojasauce aufkochen, das Fleisch zugeben und bei milder Hitze offen leise köcheln. Die Bohnen putzen und halbieren, die Schnippelbohnen in Rauten schneiden. 2.
Die Bohnen zur Brühe geben und 4 Minuten offen kochen. Den Bulgur mit Bohnenkraut und Lorbeer einrühren und 4 Minuten offen kochen. Die gemischten Bohnen aus dem Glas oder der Dose abtropfen und zugeben. Nochmals 2 Minuten kochen. 3.
Das Fleisch herausnehmen, in Stücke schneiden und wieder unterrühren. Den Eintopf mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen. In gewärmten tiefen Tellern servieren.

Das sieht auch ziemlich gut aus. Das ist ein sehr einfacher Teller, aber ganz witzig, weil er so wahnsinnig irden und schwer wirkt und dann diesen Goldrand hat. Der kommt aus Portugal von Casa Alegre. Mit denen arbeite ich, wenn jemand große Stückzahlen benötigt und das Budget eher klein ist. Die Fertigung ist aber manufakturell – es geht darum, spannende Teller fürs kleine Budget anzubieten. Das ist schön bei einem bestimmten Licht, wenn der Raum nicht super beleuchtet ist und das Gold glänzt. Bei diesem Gericht erinnert er ein bisschen an Waldboden. Mit den roten Bohnen sieht das sehr schön aus.

Foto: Andrea Thode

Rezept Kartoffel-Ragout »Vichy« mit nordischer Garnitur

25 Min Für 2 Personen

Zubereitung

1.
Die Kartoffeln schälen, in Scheiben, dann in feine Würfel schneiden. Den Lauch halbieren, unter lauwarmem Wasser waschen und in feine Halbringe schneiden. Die Gemüse in einem Topf in der Butter glasig dünsten, leicht salzen. Mit Apfelsaft ablöschen und 2 Minuten kochen. 2.
Mit Brühe auffüllen und offen weitere 5 Minuten leise köcheln lassen. Sahne zur Suppe geben und weitere 6 Minuten offen cremig einkochen. Das Ragout mit Salz abschmecken. 3.
In einer beschichteten Pfanne im heißen Öl bei mittlerer Temperatur Spiegeleier braten und leicht salzen. Auf gewärmten Tellern mit dem Ragout anrichten. Nach Gusto mit Krabben, gezupfter Lachsforelle und Forellenkaviar toppen, mit gezupftem Dill servieren.

Witzig! Mit Spiegelei. Sehr schön! Den Teller habe ich selber bei Meissen entwickeln dürfen. Auf der Fahne, also dem Rand, sind alte Meissen-Elemente. 18. Jahrhundert, Spätbarock, von dem wahrscheinlich berühmtesten Porzellanservice der Welt, dem Schwanenservice. Auf dem Original liegen die Elemente, die Schwäne und so weiter, in der Mitte des Tellers, unter dem Essen – du siehst sie nicht. Wir haben sie auf die Fahne verlegt, so dass du sie sehen kannst. Das Gericht passt herrlich, insbesondere das Spiegelei. Das ist so banal, das kriegt wirklich jeder hin. Aber ich glaube, dass selbst das weiche Eigelb auf diesem Teller länger in Erinnerung bleibt, weil der Teller besonders ist. Wäre das ein Ikea-Teller, wäre es anders – alle wissen, wie weiches Eigelb schmeckt. Aber der Teller ändert die Wahrnehmung, den Fokus.

Foto: Andrea Thode

Rezept Gnocchi mit gerösteten Maronen und Spinat in Mascarpone

20 Min Für 2 Personen

Zubereitung

1.
Spinatsalat waschen und trockenschleudern. Schalotte und Knoblauch halbieren, pellen und fein würfeln, leicht salzen. 2.
Kochwasser mit Salz für die Gnocchi aufstellen. 3.
Öl in einer Wok-Pfanne erhitzen, die Maronen darin hellbraun anbraten. Zwiebeln und Knoblauch zugeben, kurz glasig dünsten. Mit Wein ablöschen und aufkochen. Die Brühe zugeben und 2 Min. offen köcheln lassen. 4.
Gnocchi ins kochende Wasser geben und 3 - 4 Min. kochen – wenn sie nach oben steigen, sind sie fertig. 5.
Mascarpone mit einem Schneebesen unter die Brühe rühren und aufkochen, 2 Min. offen köcheln lassen. 6.
Die Gnocchi abgießen, abtropfen und mit dem Spinat unter die Mascarponesauce rühren. Aufkochen und genießen.

Ich liebe diesen Teller. Und hier verschmilzt das Essen quasi mit ihm, das ist ganz wunderschön. Die Cremigkeit der Gnocchi kommt schön rüber. Und der Bruch am Rand steht dazu in einem schönen Kontrast. Ich finde das ganz toll.

Zum Schluss Süßkartoffel-Sauerkraut-Suppe mit Meerrettich und wachsweichem Ei. Sieht aus wie ein Ei im Nest.

Foto: Andrea Thode

Zubereitung

1.
Die Süßkartoffeln schälen, in Scheiben, dann in Würfelchen schneiden. Die Zwiebel halbieren, pellen und fein würfeln. Die Gemüse in einem Topf in der Butter glasig dünsten. Mit der Brühe auffüllen und offen 6 Minuten leise köcheln lassen. Sahne zur Suppe geben und weitere 6 Minuten offen kochen. 2.
Eier anpiken und in kochendem Salzwasser 5–6 Minuten kochen. In kaltem Wasser kurz abschrecken und vorsichtig pellen. Die Suppe mit Salz würzen. Meerrettich nach Geschmack zugeben und mit dem Schneidstab leicht und kurz anpürieren – so, dass die Suppe eine Bindung bekommt, aber noch viele Würfelchen erkennbar sind. 3.
Das Sauerkraut klein schneiden, Majoran zupfen und beides unterrühren. Petersilie fein schneiden. Die Suppe in gewärmten tiefen Tellern mit Ei anrichten. Mit Petersilie, Meerrettich und Röstzwiebeln bestreut servieren.

Ein Nest, genau. Der Teller stammt übrigens ebenfalls von Studio Mattes, genau wie der davor. Der ist wahnsinnig voluminös, ein wichtigtuerischer Teller. Wobei mir das mit dem Ei gefällt. Das hat so eine Selbstverständlichkeit. Aber bei dem Teller kann ich mir nicht vorstellen, dass den jemand privat kauft.

Das ist interessant, denn wir sitzen schließlich in deinem neuen Laden, wo du auch Teller an Menschen verkaufen willst, die nur zu Hause mit ihren Freunden gut essen wollen. Was sollen die dann bei dir?

Ein Koch hat einen Teller manchmal für nur ein Gericht. Hat er vierzig Gerichte, kann es sein, dass er vierzig verschiedene Teller hat – das macht niemand zu Hause. Die Leute kaufen sich ein schönes Sortiment, das sie dann regelmäßig nutzen. Aber dafür kann man sich natürlich auch ein bisschen umsehen und verschiedene schöne Teller besorgen, anstatt einer Firma treu zu bleiben. Ich selber beschäftige mich mit großer Lust mit Tellern und meine Idee ist, diese Lust auch in anderen anzuregen. Die Leute sollen hier lustvoll stöbern, es soll ihnen Spaß machen.

Aber können sie die Teller am Ende überhaupt haben? Du hast mal erzählt, dass die französische Manufaktur JL Coquet für ihre Teller neun Monate Wartezeit hat. Wie schwer sind solche Teller zu bekommen?

Die Franzosen sind besser geworden, da dauert es von der Bestellung bis zur Lieferung nur noch ungefähr sechs Monate. Aber es gibt häufig Wartezeiten. Auch bei Meissen zum Beispiel. Wenn du einen besonderen Teller willst, wartest du ein halbes Jahr. Du kannst natürlich die Sachen kaufen, die alle kaufen – die sind immer verfügbar. Aber wenn du was Besonderes willst, wird das für dich angefertigt und du musst warten.

Zum Schluss noch eine ganz dumme Frage: Warum gibt es eigentlich keine Holzteller?

Das war früher der Armeleuteteller und weitverbreitet. Aber Holz ist leider nicht sehr hygienisch. Und in der Gastronomie hast du eben Vorschriften. Das Zeug muss durch die Spülmaschine – mit Holz geht das nicht. Es lässt sich auch nicht gut imprägnieren. Wenn du was drauflegst, so dass du hinterher nur kurz drüberwischen musst, ist es okay. Aber das war’s. Der wesentliche Punkt ist die Porosität. Porzellan und Glas sind komplett verdichtet und deshalb für Essen optimal.

Warum ist die Porosität wichtig?

Na ja, nehmen wir zum Beispiel Steingut. Das ist meist weiß, die Masse ist sehr kreidehaltig, weshalb du es nur auf sehr niedriger Temperatur brennen kannst. Es wurde früher als Imitat von Porzellan genutzt, und es gibt Firmen, die noch heute Kollektionen haben, wo so getan wird, als sei es Porzellan. Aber das ist zu porös, um es in die Spülmaschine zu stellen. Wenn du es trotzdem machst, bleibt Wasser drin, was nicht nur bedeutet, dass es länger braucht, bis es durchtrocknet – mit dem Wasser kommen auch Bakterien rein. Das ist sehr unhygienisch. Deswegen wird Steingut in der Regel rundum glasiert, da gibt es keine unglasierte Stelle.

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Und Bambus?

Bambus wird mit Kunststoffen und Lacken versetzt, die ihn haltbar machen. Und wenn du weißt, was das für Zeug ist, ist es echt eklig. Klar, es gibt wunderbare Bambuskörbe, die nicht imprägniert sind, aber die sehen nach kürzester Zeit ziemlich oll aus. Was ich wirklich großartig finde, sind echte Naturmaterialien, also zum Beispiel ein Bananenblatt. Das wird einmal benutzt und das war’s.

Info

TAWL

Giesebrechtstraße 10
10629 Berlin

tawl.berlin