meinung •Newsletter »SPIEGEL läuft!« Wie mich das Runners High packte
Der Autor dieser Newsletter-Ausgabe bei seinem ersten Marathon 1982
Foto: unbekannt / privatWarum ich laufe? Das wüsste ich selbst gern genauer. Vor allem in jenen Momenten, wenn mir im Februar bei zwei Grad Kälte ein Graupelsprühregen senkrecht in die Visage bläst. Im Dunkeln. Allein. Ich laufe viel. Vier- bis fünfmal die Woche, 50 bis 80 Kilometer.
Was treibt mich? Was treibt uns? Für Außenstehende sind wir wahrscheinlich eine Art Gattung des Homo sapiens. Homo cursus vielleicht. Der rennende Mensch. Auf meiner persönlichen Motivations-Spurensuche hilft eventuell ein Blick in die Vergangenheit.
Wie ich zum Läufer wurde
Den Lauf-Newsletter des SPIEGEL gibt es inzwischen seit einigen Monaten, mit mir stellt sich heute ein neuer Laufautor vor. Ich heiße Sven Christian und arbeite für das Videoressort. Und meine Laufanfänge liegen weit zurück.
Meinen ersten Marathon lief ich eine Woche nach meinem 15. Geburtstag in Berlin. 1982 gab es noch keine Altersbeschränkung für Marathons. Ich hatte das Spektakel im Jahr zuvor als Zuschauer verfolgt und fand wohl den Applaus an der Strecke so attraktiv, dass ich mich einfach anmeldete.
Als mittelmäßig trainingsfleißiger Fußballer verfügte ich über etwas Ausdauer, hatte aber überhaupt keine Ahnung, wie ich ein solches Rennen angehen sollte. Also machte ich alle Fehler: zu wenig und falsches Training, völlig ungeeignete Schuhe, viel zu schnell angelaufen, keine Verpflegungsstrategie, zu spät zu wenig getrunken. Die Liste ließe sich weiter fortführen. Und kumuliert führten sie in Summe zu starken Schmerzen. Während des Marathons und danach.
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meinung meinung •Newsletter »SPIEGEL läuft«: Laufen hält jung, sexy und macht klüger! Von Susanne Amann
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Aber ich habe es geschafft. Knapp vor dem Besenwagen. Woran ich mich neben den Schmerzen noch gut erinnere: mein erstes Runners High auf der Zielgeraden.
Als ich nach mehr als vier Stunden Strapazen auf den Ku’Damm einbog, kribbelte auf einmal der ganze Körper. Und wie durch ein Wunder – ein zugegebenermaßen etwas plumpes Bild, aber ich kann es nicht anders beschreiben – liefen meine bis dahin steifen, schweren Beine auf einmal wie von allein. Schwerelos. Schnell. Schlusssprint. In totaler Euphorie.
Was war denn da los? Der Körper schüttete Stoffe aus, die meine kaputten Beine blitzreparierten und mich zudem in einen bis dato unerfahrenen Rausch versetzten. Wissenschaftler sind sich nicht ganz einig, welche das sind. Endorphine oder Endocannabinoide. Letzteres klingt irgendwie plausibler. Diese Erfahrung war schon sehr drogenähnlich.
Wie mich das Runners High packte
Dieses Runners High ist ein guter Grund, warum ich laufe. Wenn es der einzige wäre, hätte ich schon längst wieder aufgehört. Denn dieser einzigartige Zustand passiert zumindest mir außergewöhnlich selten. Ich glaube, es waren bislang insgesamt viermal.
Seit meinem ersten Mal ist viel passiert. Die Berliner Mauer ist gefallen. Das Internet und Smartphones wurden erfunden. Ich habe an vier weiteren Marathons teilgenommen und dann eine 30-jährige Laufpause eingelegt. Angefangen zu rauchen, aufgehört zu rauchen. Erst mit 50 habe ich das Laufen wiederentdeckt. Aber wie!
Es gibt 58 gute Gründe zu laufen: Verbesserung eigener Bestzeiten, Challenges, Medaillen (Medal-Madness), der Flow durch Musik, Laufgruppen, Lauf-Apps, die Vermessung und Optimierung des Selbst. Den häufig genannten Grund, Laufen sei praktisch kostenlos, hat mein Kollege und Myth-Buster Ole Reißmann schon hier widerlegt.
Über meine Motivation möchte ich in diesem Laufletter völlig subjektiv und überhaupt nicht repräsentativ schreiben. Ich freue mich schon auf die kommenden Ausgaben, die in den nächsten Monaten erscheinen werden. Ich möchte etwa über mein Ziel schreiben, bei allen großen Marathons dieser Welt dabei gewesen zu sein. Berlin, New York City, Boston, London und Tokio habe ich bereits in den Beinen. Einer fehlt noch.
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Und dabei soll es auch immer um die Frage gehen: Warum machen wir das eigentlich?
Ich bin neugierig zu erfahren, was Sie zum Laufen motiviert, was Sie zum Homo cursus gemacht hat, oder auch dran hindert, ein(e) solche(r) zu werden. Schreiben Sie mir , was Ihnen Beine macht und was Sie von uns erfahren möchten. Vielen Dank.
Laufend grüßend
Ihr Sven Christian
Wenn Sie meinen Läufen folgen möchten: Sven Christian @ strava .