Die Hoffnungen sind groß, das Ergebnis ist verheerend: Der Warschauer Aufstand 1944 gehört zu den großen Tragödien des Zweiten Weltkriegs. Denn die deutschen Besatzer reagieren mit extremer Brutalität. Mindestens 150.000 Bewohnerinnen und Bewohner Warschaus werden getötet. Etwa 16.000 Widerstandskämpfer sterben. Die polnische Hauptstadt wird fast völlig zerstört.
Der Aufstand beginnt am 1. August 1944. Die Heimatarmee Polens, die »Armia Krajowa«, will ihr Land nach fünf Jahren grausamer Besatzung endlich selbst befreien.
Hymne der »Armia Krajowa«:
»Für Verbrechen, Qualen und Blut. Auf zu den Waffen! Jesus Maria! Soldaten, wir werden gerufen!«
Sie hofft auf geschwächte Deutsche: Die rasch vorrückende Rote Armee, das Attentat auf Hitler und die Landung der Alliierten in der Normandie setzen das Naziregime unter Druck. Die ersten Tage machen Mut. Die verhassten Nationalsozialisten können teilweise überrumpelt werden.
»Die Deutsche Wochenschau« (1944):
»Die Aufständischen besetzten lebenswichtige Betriebe und militärische Unterkünfte und errichten Barrikaden. Schlagartig setzt die deutsche Gegenwehr ein.«
Die Nazis bleiben bei ihren Racheaktionen ungestört. Stalins Rote Armee steht zwar mit mehreren Panzerverbänden kurz vor Warschau, greift aber nicht ein.
»Die Deutsche Wochenschau« (1944):
»Auch SS-Verbände werden mit panzerbrechenden Waffen eingesetzt. Die Säuberung schreitet in allen Stadtteilen schnell vorwärts. Um die Bevölkerung vor übermäßig hohen Verlusten zu bewahren, veranlasst die deutsche Führung ihren Abtransport.«
So klingt Nazipropaganda. Das Gegenteil ist der Fall: SS-Trupps exekutieren viele Tausende zivile Opfer mitten auf den Straßen – eine Vernichtungsaktion auf Befehl Himmlers. Die Leichen werden direkt verbrannt.
Sturzkampfbomber unterstützen die Massenmörder aus der Luft. Sogenannte Stukas, die 1580 Tonnen Bomben auf die Stadt werfen. Viele andere Zivilisten werden in Konzentrationslager deportiert oder als Zwangsarbeiter verschleppt.
Der Warschauer Aufstand 1944 wird oft mit dem Aufstand der im Warschauer Ghetto internierten jüdischen Bevölkerung 1943 verwechselt. Tatsächlich ist die polnische Hauptstadt zweimal Schauplatz des erbitterten Widerstands gegen die Nazis.
Beide Male ein äußerst ungleicher Kampf. Die Untergrundkämpfer sind den Deutschen unterlegen. Die Ausrüstung ist katastrophal. Nach 63 Tagen endet die Revolte am 2. Oktober.
»Die Deutsche Wochenschau« (1944):
»Als Folge der Kapitulation erfolgt in langen Kolonnen der Marsch der Aufständischen in die Gefangenschaft.«
Auf Befehl Hitlers wird die Zerstörung der Stadt noch drei Monate lang fortgeführt. Die Rote Armee befreit die menschenleere Trümmerwüste Warschau erst im Januar 1945.