Adolf Hitler: "Bildbiografie" zeichnet unreflektiertes Bild - DER SPIEGEL
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Bildbiografie Adolf Hitler: Ein Bild vom "Führer"

Fotoband über den "Führer" Hitler in Bildchen

Ein Berliner Verlag hat erstmals eine "Bildbiografie" über Adolf Hitler veröffentlicht, den schlimmsten Massenmörder des 20. Jahrhunderts. Der Verlag nennt das kleine Buch "ein Wagnis" - und scheitert kläglich damit.
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Adolf Hitler war ein narzisstischer Zeitgenosse, er war größenwahnsinnig und eitel. Bereits in den Zwanzigerjahren verfügte er, dass alle zur Veröffentlichung vorgesehenen Fotos von ihm entweder durch ihn persönlich oder seine Adjutanten freigegeben werden mussten. Ab 1935 gab es eine tägliche Vorlage von Hitler-Bildern, von der es heißt, der Führer schnitt bei den Fotos, die er für seine Volksgenossen für ungeeignet hielt, einfach mit der Schere eine Ecke ab.

Die Nationalsozialisten, die drei Monate nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler ein "Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda" schufen, gaben sich von Anfang an größte Mühe, das öffentliche Bild ihres Führers und anderer wichtiger Parteigenossen sowie der gesamten Bewegung bis ins kleinste Detail zu kontrollieren.

Zu Hitlers Hoffotografen mit dem Titel "Reichsbildberichter" stieg sein alter Münchner Anhänger Heinrich Hoffmann auf, der zusammen mit den Fotografen seiner Agentur das öffentliche Bild des Diktators und führender Nazis im Stil einer feudalen Herrschaftsikonografie prägte. In seinem Atelier arbeitete auch Hitlers spätere Gattin Eva Braun.

"Führer"-Konterfei im Einmachglas

Der Fotograf Hugo Jaeger spezialisierte sich hingegen darauf, Hitler in Farbe zu verewigen. Gegen Kriegsende vergrub er in Westdeutschland rund 2000 Diapositive in Einmachgläsern in seinem Garten, um sie 1970 an die amerikanische Illustrierte "Life" zu verkaufen.

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Bildbiografie Adolf Hitler: Ein Bild vom "Führer"

Was die Auswahl der Fotos von Hitler anging, gab es in Nazi-Deutschland strikte Leitlinien. Mit der Lesebrille beispielsweise, die er privat trug, durfte er keinesfalls abgebildet werden. Wenn er mit einem Hund zu sehen war, konnte es nicht sein Scotch-Terrier Burli sein, wohl aber Blondi, sein deutscher Schäferhund. In kurzer Lederhose durften die deutschen Volksgenossen ihren Führer nicht sehen.

Dass sich sein Kollege, der italienische Faschistenführer Benito Mussolini, in der Badehose fotografieren ließ, fand Hitler völlig deplatziert. Er bevorzugte Bilder, auf denen er entschlossen in die Ferne blickte - in die großartige Zukunft seines "Tausendjährigen Reiches".

Unreflektiert, ängstlich, detailarm

Soviel über die Produktionsbedingungen und die Funktion der Hitler-Fotos sollte jeder mindestens wissen, der sich mit ihnen beschäftigt. Aus dem jetzt erschienenen Buch des "Focus"-Redakteurs Armin Fuhrer erfährt er das nicht. Es heißt im Untertitel "Bildbiografie", zeigt über 80 Fotos von Hitler, aber reflektiert nicht einmal im Ansatz die Ikonografie des Diktators. Der Autor legt auch nicht offen, welche Fotos bereits zu dessen Lebzeiten in Nazideutschland veröffentlicht wurden und welche erst später.

Das Buch ist schon deshalb - noch freundlich ausgedrückt - eine Mogelpackung, weil auf der Mehrzahl der insgesamt 205 Bilder Hitler gar nicht zu sehen ist. Es gibt Bilder von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, der Schlacht von Stalingrad, von der D-Day-Invasion der Alliierten in der Normandie, dem Warschauer Getto und anderem mehr.

Wahrscheinlich hatten Autor und Verlag Angst davor, Hitler ohne den Kontext seiner Verbrechen zu zeigen und sich damit dem Vorwurf der Verharmlosung oder der Verherrlichung eines Massenmörders auszusetzen. Ebenfalls gemogelt: Nur in ganz wenigen Fällen handelt es sich um "kaum bekannte Fotos" aus den National Archives in Washington D. C. Viele der Fotos sind auch noch viel zu klein gedruckt, aus Bildern werden Bildchen, unentzifferbare Briefmarken.

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Armin Fuhrer:
Adolf Hitler

Bildbiografie.

Berlin Story Verlag GmbH; 96 Seiten; 9,95 Euro.

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Zu den Miniatur-Fotos kommen die ungenauen, detailarmen Bildunterschriften und die zu kurzen Texte. Auf 96 Seiten lassen sich das Leben Hitlers, der NS-Staat und der Zweite Weltkrieg nicht angemessen in Bild und Wort erzählen. In der Ankündigung des Verlags heißt es: "Die Adolf-Hitler-Bildbiografie ist ein Wagnis". Das stimmt. Aber niemand hat Autor und Verlag dazu gezwungen, dieses Wagnis einzugehen und so kläglich dabei zu scheitern.

Es klingt zynisch, wenn der Verlag erklärt, das Buch sei "für interessierte (jüngere) Menschen ohne breites Wissen" konzipiert. Auch die Ahnungslosesten hätten Besseres verdient.