Augenblick mal Warum muss der Superroboter Autos schrubben?
Was für eine Kreatur! 1,80 Meter groß sei der Roboter, bewegt von 430 Motoren und steuerbar aus bis zu drei Kilometern Entfernung, jubelte die Zeitschrift "Popular Mechanics" 1970. Zudem sei er ausgestattet mit einer Fernsehkamera und Sensoren, die dafür sorgten, dass er stets den idealen Weg von A nach B finde. Das Technik-Magazin staunte begeistert über die menschenähnliche Maschine namens Tinker.
Und nein, sie war nicht von Außerirdischen zur Erde geschickt worden, um einen Landeplatz für Marsmenschen auszukundschaften, sondern tatsächlich irdischen Ursprungs.
Doch wozu diente dieses für seine Zeit hochentwickelte Stück Technik tatsächlich, das Mitte der Sechzigerjahre im britischen Leeds gebaut worden war? War Tinker ein militärisches Geheimprojekt? Ein Regierungsauftrag, ausgetüftelt von den genialsten Experten des Landes? Und wenn es so war: Warum musste der Hightech-Robo dann Autos schrubben?
Vermutlich, weil Tinker gar nicht in den Geheimlabors von Regierung oder Militär geboren worden war - sondern im Hobbykeller des Roboterfans Dennis Weston. Der machte sich vor allem Gedanken darüber, wie er sich unliebsamer Pflichten entledigen konnte.
Tinkers Fähigkeiten waren deshalb auch eher praktischer Natur. Neben der Wagenwäsche konnte Tinker im Garten arbeiten, Kinderwagen schieben und Schreibmaschine tippen. Und er trug die Einkäufe von Westons vielbeschäftigter Ehefrau ins Haus.
1995 starb sein Erfinder Dennis Weston. Wie viele Autos Tinker bis zum Ende seiner Dienstzeit geschrubbt hat, ist nicht bekannt. Aus Familienkreisen hieß es, sein Schöpfer habe sich noch in den Siebzigerjahren von dem Roboter getrennt und ihn einem Freund überlassen. Vielleicht, weil die Zeit Tinker längst eingeholt hatte - die erste vollautomatische Waschstraße mit Münzautomat war schließlich schon 1964 zum Patent angemeldet worden.