Historische Figuren im Film: Eine Rolle - viele Gesichter
Historische Figuren im Film Eine Rolle, viele Gesichter
Den Kopf hielt er etwas schräg, dunkle Haarsträhnen fielen vom Seitenscheitel in das von Falten durchfurchte Gesicht. Adolf Hitlers Stimme zitterte an diesem Apriltag 1945 ebenso wie seine Hände, als er wutentbrannt zu einer Tirade ansetzte. "Wer sind Sie, dass Sie es wagen, sich meinen Befehlen zu widersetzen?", schrie er den vor ihm im "Führerbunker" stehenden Wehrmachtsoffizieren zu. "Die gesamte Generalität ist nichts weiter als ein Haufen niederträchtiger, treuloser Feiglinge!" Doch diese Abrechnung wenige Tage vor dem Ende des Weltkriegs war bei Weitem noch nicht die denkwürdigste Rede des Diktators.
Denn schon Jahre zuvor hatte ein jüngerer, völlig anders aussehender Hitler eine höchst ungewöhnliche Rede gehalten, in der er sich überraschend pazifistisch zeigte. "Es tut mir leid, aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein", hatte der kleine Herr mit Zweifingerbart und lockigem Haar seinen fanatischen Zuhörern gesagt, mit traurigem Blick und melancholisch sanfter Stimme. "Ich möchte weder herrschen noch erobern", fuhr er fort, "sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann." Kaum zu glauben - und doch wurde auch diese Rede noch von einer anderen Ansprache Hitlers mitten im Weltkrieg überboten.
Wieder stand der selbsternannte "Führer" auf einem Rednerpult, diesmal in einen schwarzen Mantel gehüllt, mit deutlich runderen Gesichtszügen und tiefen Tränensäcken. Mit ausladenden Bewegungen wandte er seinen zuckenden Oberkörper abwechselnd nach rechts und links, während er dem Volk zukrächzte: "Ihr seid alle arisch blond und blauäugig, außer mir, und trotzdem jubelt ihr mir zu. Heil mir selbst! Warum tut ihr das? Ich bin Bettnässer, drogenabhängig, ich kriege keine Erektion, ich wurde vom Vater so oft geprügelt, bis mein Gefühl verstummt war, und so quäle ich Wehrlose, wie ich einst wehrlos gequält wurde!"
War Hitler völlig von Sinnen? Wohl kaum - und wohl auch nicht die Regisseure der drei Filme, in denen der Despot so unterschiedlich inszeniert wurde: Einmal verkörperte Schauspieler Bruno Ganz 2004 im Monumentalfilm "Der Untergang" den historischen Hitler, Charlie Chaplin persiflierte ihn für seine 1940 uraufgeführte Satire "Der große Diktator", und Helge Schneider trieb die Hitler-Verulkung in der Groteske "Mein Führer" 2007 schließlich auf die Spitze.
Der deutsche Schreckensherrscher ist nur eine von Hunderten historischen Figuren, die im Laufe der Filmgeschichte immer und immer wieder von Regisseuren aufgegriffen wurden - und von verschiedenen Schauspielern ganz unterschiedliche Gesichter verliehen bekamen. So gab es Jesus von Nazareth auf der Leinwand als gramgebeugten Helden, der grausamsten Misshandlungen trotzt (2004 in "Die Passion Christi"), wie als jugendliches Rock-Idol (1973 in "Jesus Christ Superstar"). Und während Julie Cox 1996 in "Diana - ein Leben für die Liebe" Lady Di nicht einmal äußerlich ähnelte, kam die 2013 von Naomi Watts in dem Film "Diana" dargestellte Prinzessin als strahlende Protagonistin einer kitschigen Seifenoper daher.
Historische Figuren im Film: Eine Rolle - viele Gesichter
einestages erinnert an die vielen Gesichter, die historischen Figuren auf der Leinwand verliehen wurden - von Sigmund Freud bis Grace Kelly.