Statuette der Venus von Willendorf: Lässt die Darstellung auf eine herausgehobene Position von Frauen schließen?
Foto:Herwig Prammer/ REUTERS
Frauen und Macht in der Steinzeit Die Legende vom friedvollen Matriarchat
Die nackte, adipöse Frau zieht unweigerlich die Blicke auf sich, ihre prallen Brüste, der Bauch mit dem überhängenden Fleisch um die Taille, die zwischen den Schenkeln hervortretende Vulva. »Gefährlich pornografisch«, befanden Facebook-Zensoren und verbannten 2017 ein Foto von ihr. Als daraufhin ein Aufschrei durch die Kunst- und Kulturszene ging, entschuldigte sich das Unternehmen und ließ das Bild wieder zu.
Immerhin handelte es sich um eines der berühmtesten Relikte der Steinzeit. Die Venus von Willendorf, eine elf Zentimeter kleine Figur aus oolithischem Kalkstein, fast 30.000 Jahre alt, steht in einer Vitrine aus Panzerglas im Naturhistorischen Museum in Wien. Sie ist die bekannteste prähistorische Frauendarstellung. War sie steinzeitliche Pornografie, wie 1949 der Archäologe Karel Absolon vermutete? Und wenn nicht, was war sie dann?
Ihr Name ist Mensch
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Gerätselt wurde darüber schon bei ihrer Entdeckung am 7. August 1908, als man in Niederösterreich die Donauuferbahn baute. Der Kurator der Prähistorischen Sammlung des damaligen Wiener Naturhistorischen Hofmuseums überwachte den Aushub bei Willendorf persönlich und griff zu, als die altsteinzeitliche Statuette zum Vorschein kam. Sie hatte kein Gesicht, der große, netzartig verhüllte Kopf saß auf verhältnismäßig schmalen Schultern.