Es waren knappe, aber existenzielle Worte, die Hannah Arendt am 23. Mai 1941 aus New York an ihren früheren Ehemann Günther Anders telegrafierte: »Sind gerettet«.
Soeben hatte die Philosophin auf der Flucht vor den Nazis an Bord des portugiesischen Dampfers »Guiné« die Ostküste der USA erreicht. Mit ihrer Mutter und ihrem zweiten Gatten Heinrich Blücher bezog sie eine halb möblierte Zweiraumwohnung in Manhattan, 317 West, 95. Straße.
Deutschland und die USA
»Wir sollten uns an die Geschichte erinnern«, rief Barack Obama 2008 in Berlin, »und die Welt neu erschaffen.« Längst ist der Optimismus in den deutsch-amerikanischen Beziehungen der Angst vor Zerrüttung gewichen. Vor den US-Präsidentschaftswahlen erzählt die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL Geschichte von Euphorie und Entfremdung, von kulturellen Importen und vergessenen Pionieren. Wir zeichnen nach, wie aus Feinden Freunde wurden – und was sich aus der Geschichte dieser langen Partnerschaft für die Zukunft ableiten lässt.
Zum Start ihres neuen Lebens in New York hatte Arendt 25 Dollar in der Tasche, 75 Dollar bekam sie als monatliches Stipendium der Zionist Organization of America. »Ich muss Englisch lernen, das ist das erste«, notierte sie. »Wenn ich erst Englisch kann, werde ich mich schon durchschlagen können.« Gleich ging sie in die öffentliche Bibliothek. »Die Public Library habe ich bereits von innen gesehen und fühle mich seither viel besser«, schrieb sie zwei Tage nach ihrer Ankunft.