Hausmitteilung Für die Freiheit. Aber für welche?
Kinder beim Treueeid, San Francisco 1942: Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit
Foto:Dorothea Lange / WRA / U.S. National Archives NARA
»Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen worden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.« Diese Worte schrieben die amerikanischen Gründerväter 1776 in die Unabhängigkeitserklärung.
Erstmals in der Geschichte garantierte ein offizielles Dokument Menschenrechte und persönliche Freiheiten. Doch 250 Jahre später stehen die Freiheitsversprechen angesichts der Politik von Präsident Donald Trump massiv unter Druck – nicht zum ersten Mal.
Immer wieder gab es Deutungskämpfe rund um die große Idee der US-amerikanischen Freiheit, unterschiedliche Interpretationen der scheinbar doch so klaren Idee. Davon erzählten Journalistinnen und Journalisten zusammen mit Forschenden in dieser Ausgabe von SPIEGEL Geschichte.
Schon die Autoren der Unabhängigkeitserklärung konnten sich nicht zur Verurteilung der Sklaverei durchringen – der Dokumentarfilmer Ken Burns nennt das die Ursünde des Landes . Die Zusage, alle Menschen dürften ihr individuelles Glück erstreben, nahmen die US-Amerikaner von jeher besonders ernst. Es befeuerte im 19. Jahrhundert die Besiedlung des »Wilden Westens« . Zur Jahrhundertwende interpretierten es Großindustrielle als Recht der Stärkeren, mit dem sie ohne Rücksichten Reichtum anhäuften . US‑Präsident Franklin D. Roosevelt versprach seinen Mitbürgern hingegen die Befreiung von Existenzängsten und schuf Grundlagen des amerikanischen Sozialstaats , um den bis heute gerungen wird.
Zu scheinbar paradoxen Entwicklungen führten die Freiheitsversprechen immer wieder. So trug die Garantie religiöser Freiheit auch zum Aufstieg evangelikaler Kirchen bei, die heute eine mächtige politische Kraft im Land sind. Libertäre wie Elon Musk oder Peter Thiel propagieren sogar die Freiheit vom Staat . Und kompliziert wurde es immer dann, wenn die USA ihre Freiheitsideen und Werte über die eigenen Grenzen hinaus exportieren wollten .
Auch heute sind die USA zerrissen zwischen unterschiedlichen Vorstellungen darüber, welchen Auftrag die Freiheitstradition für die Zukunft gibt. Der Blick zurück in die Geschichte zeigt auf, wie groß die Spielräume sind – und wo sie enden.
Wir wünschen Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.
Ihr Team von SPIEGEL GESCHICHTE