»Piltdown«-Entdecker Dawson (2. v. l.), Mitstreiter um 1913: Eine der peinlichsten Pannen der Paläoanthropologie
Foto: Natural History Museum London / Bridgeman Art LibraryHerkunftsgeschichte Wir Afrikaner
Die Fachleute staunten, als 1912 der Hobbyarchäologe Charles Dawson einen archaisch wirkenden Schädel vorstellte, der angeblich in einem Steinbruch bei Piltdown in der englischen Grafschaft Sussex gefunden worden war. Der »Piltdown Man« war das perfekte »missing link«, die Verbindung zwischen Affe und Mensch. Darauf hatte die Welt seit Jahrzehnten gewartet.
Denn dieses Artefakt brachte wie ein fossiles Mosaik moderne und archaische Merkmale zusammen: einen menschlich anmutenden Schädel! Einen Kiefer, der affenhaft wirkte, mit mächtigen Eckzähnen! Ein auf bis zu 500.000 Jahre geschätztes Alter! Dagegen erschienen der Neandertaler und der 1891 gefundene Java-Mensch wie stammesgeschichtliche Teenager.
Vor allem aber war der Piltdown-Mann eines: Engländer.
Ihr Name ist Mensch
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Damit galt als bewiesen, dass die Wiege der Menschheit eben doch in Europa stand. Wahrscheinlich sah deshalb kein Experte so genau hin, denn Piltdown war tatsächlich eine plumpe Fälschung: Die Schädelknochen stammten aus einem mittelalterlichen Grab, der Kiefer von einem Orang-Utan, die Zähne von einem Schimpansen. Ob Dawson diese Attrappe selbst fabriziert oder untergejubelt bekommen hatte, wurde nie geklärt. Dass Piltdown bis zur Aufdeckung 1953 als authentischer archaischer Europäer angesehen wurde, gilt bis heute als eine der peinlichsten Pannen der Paläoanthropologie.