Irre Schönheitsprodukte - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Irre Schönheitsprodukte: Superbusen aus der Tube

Foto: General Photographic Agency/ Getty Images

Erfindungen im 20. Jahrhundert Die irrsten Beauty-Produkte für Frauen

Aufblasbarer Push-up-BH, Bauch-weg-Seife, radioaktiver Lippenstift: Wahre Schönheit kommt doch von außen - und ist mitunter nicht ganz ungefährlich. einestages erinnert an die absurdesten Beauty-Produkte des 20. Jahrhunderts.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die junge Dame auf dem Foto blickt ängstlich drein - und sie hat offenbar allen Grund dazu: Ihr Kopf klemmt in einem von Schrauben und Metallbändern gespickten Helm, der aussieht, als stamme er aus einer mittelalterlichen Folterkammer.

Dutzende von Nadeln scheinen sich jeden Moment in die Haut zu bohren. Besonders um die Augen herum gruppiert sich eine bedrohliche Ansammlung von Metallstiften: gut möglich, dass sie die junge Frau demnächst erblinden lassen.

Doch der bebrillte Herr neben ihr, der in aller Seelenruhe an den Nadeln herumnestelt, hat nichts Böses im Sinn. Sein Name ist Max Factor - und der Folterhelm eine seiner bedeutendsten Kreationen.

1932 erfand ein Expertenteam rund um den berühmten Hollywood-Visagisten den sogenannten Beauty Micrometer: ein Gerät, das nichts Geringeres versprach als die Vermessung der Schönheit.

"Glamour ist etwas, das erschaffen wird"

Der weibliche Liebreiz, so die nüchterne These Max Factors, ist ebenso quantifizierbar wie die Körbchengröße einer Frau, die PS-Stärke eines Autos oder der Kaloriengehalt einer Schokoladentorte. Perfekt ist ein Gesicht, so die Erfinder des Schönheits-Mikrometers, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Länge der Nase = Höhe der Stirn sowie Abstand zwischen den Augen = die Breite eines Auges.

Vom elektrischen Falten-Bräter über den aufblasbaren Push-up bis hin zur Nylonstrumpf-Creme: Klicken Sie sich mit einestages durch die schrägsten Schönheitsprodukte der Geschichte!

Fotostrecke

Irre Schönheitsprodukte: Superbusen aus der Tube

Foto: General Photographic Agency/ Getty Images

Max Factor, einst als Maksymilian Faktorowicz im russisch besetzten Polen geboren und schon mit neun Jahren Lehrling eines Perückenmachers in seiner Heimatstadt Lodz, war in den USA zum Liebling aller Hollywood-Diven geworden. Seine geheimen Mixturen machten den weiblichen Teint noch strahlender, die Lippen noch voller und ließen die Augen noch größer wirken.

Der Mann, der wagte, Schönheit zu vermessen, wusste ganz genau, wie man sie am wirksamsten vortäuschen kann - durch das, was er "Make-up" taufte. "Man wird nicht glamourös geboren", so das Credo des Kosmetik-Gurus, "Glamour ist etwas, das erschaffen wird".

Und wenn den Filmlegenden am Tag nach der Party jeglicher Sex-Appeal aus dem Gesicht gewichen war? Dann legten sie rasch den "Hangover Heaven" auf: eine von Visagist Factor in den Vierzigerjahren entworfene, mit Eiswürfeln gespickte Anti-Müdigkeits-Maske.

Moderne Form der Folter

Zumeist jedoch beschränkte sich der Make-up-Pionier darauf, mit Farbtopf und Pinsel zu hantieren, um graue Minen erstrahlen zu lassen, Kartoffelnasen zu übertünchen, Schlupflider und Zornfalten zu kaschieren. Andere Beauty-Experten griffen zu Methoden, die für die Damenwelt weit weniger angenehm waren. Jeanne Walter zum Beispiel.

Die in New York ansässige Erfinderin ließ sich 1904 eine Gummi-Bandage patentieren, die ihren Trägerinnen unsägliche Pein zugefügt haben muss. Denn: Die Bänder drückten ungeliebte Fettpolster, Doppelkinne und Hängepopos so lange zusammen, bis sie sich - so der Plan - in die gewünschte Richtung verkrümelt hatten.

"Reduziere Dein Fleisch!", lautete der harsche Slogan der walterschen Bänder, die laut Werbeanzeige bei den europäischen Königshäusern sowie innerhalb der amerikanischen High Society gang und gäbe seien. Besonders Rheumatikern, so die Empfehlung, würde es gut tun, sich ins Gummikorsett zu zwängen. Inwieweit diese Abschnürmethode den gewünschten Effekt zeitigte, ist nicht überliefert.

Gesichtsgeschirr gegen Falten

Ebenso wenig weiß man über den Erfolg des 1933 in den USA beworbenen Anti-Falten-Gesichtsgeschirrs: eine Art Bondage-Maske, die so unangenehm zu tragen gewesen sein muss, dass selbst das Model auf der Zeitungsannonce gequält dreinschaut.

Über Nacht angelegt, so suggeriert es die Werbung im US-Magazin "Modern Mechanix", würden die Gurte sämtliche Runzeln und Krähenfüße im Gesicht verschwinden lassen. "Morgens bitte abnehmen", lautete die gut gemeinte Empfehlung der Vermarkter.

Oftmals bewarben die Hersteller ihre Schönheitsprodukte - und wenn sie noch so absurd anmuteten - mit dem Seriosität suggerierenden Label "Ärztlich empfohlen". Im Fall der "Wonder Sauna-Hot-Pants" stand gar ein konkreter Verband Pate: Die große US-amerikanische Sportvereinigung "Amateur Athletic Union" riet in den Siebzigerjahren allen Ernstes zu quietschbunten Plastikhosen zum Aufblasen.

Abnehmkur für Ross und Reiter

"Besser aussehen - sich besser fühlen - den Körper aufwecken": Mit diesem Slogan wurde das Wunder-Beinkleid beworben, dessen Träger aussahen, als hätten sie sich versehentlich gigantische Schwimmflügel über die Hüften gestreift. Wer sich in eine der albernen One-size-hot-Pants zwänge, so das Versprechen, würde seine Fettpolster allein durch Schwitzen los.

Immerhin: Bei den Saunahöschen beschränkte sich die Pein auf gezielte Körper-Regionen. Die Not für die in den Fünfzigerjahren beworbenen Poly-Capes für Ross und Reiter dürfte noch größer gewesen sein: Pferd wie Mensch wurden einmal komplett in Plastik eingeschweißt, um überflüssige Pfunde purzeln zu lassen. Bis zu fünf Pfund pro Stunde würden Jockeys auf diese grässliche Art loswerden, schwärmte der Werbetexter im US-Magazin "Popular Mechanics".

Selbst für offenkundige Scharlatanerie, etwa Bauch-weg-Seifen und Wundercremes, die den Busen wachsen lassen sollten, fand sich irgendein werbewilliger Doktor Sowieso. Dass so etwas im Prinzip nicht funktionieren kann, muss den meisten Menschen klar gewesen sein.

Dennoch wird der Markt seit einem guten Jahrhundert immer wieder mit neuen Produkten überschwemmt, die Schönheit im Handumdrehen versprechen: ohne lästigen Sport, ohne Diät, ohne Entsagung. Schön wär's.