Freizeitdiktatur im Nationalsozialismus: Kraft durch Bräune - DER SPIEGEL
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Im Mai 1939 schipperten Hunderte »Volksgenossen« mit dem Kreuzfahrtschiff »Robert Ley« nach Norwegen.

Im Mai 1939 schipperten Hunderte »Volksgenossen« mit dem Kreuzfahrtschiff »Robert Ley« nach Norwegen.

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Hugo Jaeger / The Life Picture Collection / Shutterstock

Freizeitdiktatur im Nationalsozialismus Kraft durch Bräune

Günstige Kreuzfahrten oder das gigantische Seebad Prora waren Lockmittel der NS-Organisation »Kraft durch Freude«. Sie bot Reisen, Sport- und Kulturprogramme – ein totalitäres Freizeitimperium.
Von Johannes Hürter
• aus SPIEGEL Geschichte 6/2022

Der Rheinländer Robert Ley konnte eine lächerliche Figur sein, besonders wenn er wieder einmal alkoholisiert ans Rednerpult oder vor die Kamera trat. Hinter vorgehaltener Hand bezeichnete man den glühenden Hitler-Anhänger und radikalen Antisemiten als »Reichstrunkenbold«. Dennoch leitete Ley mit der Deutschen Arbeitsfront (DAF) die größte und mit »Kraft durch Freude« (KdF) die populärste NS-Massenorganisation. Die DAF verfolgte als Einheitsverband der Arbeitnehmer mit bis zu 25 Millionen Mitgliedern das Ziel, eine »wirkliche Volks- und Leistungsgemeinschaft aller Deutschen« zu schaffen; ihre Akzeptanz und Effizienz sollte durch die Freizeitangebote der Unterorganisation KdF gestärkt werden.

Ley fungierte somit als eine Art Sozial- und Freizeitdiktator, der zwar im Krieg erheblich an Einfluss verlor, aber wie kein zweiter für ein Kernanliegen des Nationalsozialismus stand: die umfassende Kontrolle, Lenkung und Korrumpierung aller »Volksgenossen« im Beruf wie auch in der Freizeit.

SPIEGEL GESCHICHTE 6/2022

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Wenn der Alkohol ihn nicht zu stark beeinträchtigte, vertrat Robert Ley dieses Konzept durchaus wirkungsvoll. Bei der KdF-Gründung im November 1933 versprach er, den Arbeitnehmern »in der Freizeit als Nahrung der Seele, des Geistes und des Körpers das Beste vom Besten« zu bieten. Ley berief sich auf einen Befehl seines Idols Hitler, durch genügend Urlaub und Freizeit ein »nervenstarkes Volk« zu schaffen, »denn nur allein mit einem Volk, das seine Nerven behält, kann man wahrhaft große Politik machen«.

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