1920 bis 1945 Die Machtmaschine der Nazis – der Aufstieg der NSDAP
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25 Jahre lang existierte Adolf Hitlers »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei«. Mithilfe der NSDAP kam Hitler an die Macht, danach machten die Nazis sie zur Einheitspartei. Schnell wurde die NSDAP so zum Werkzeug, mit dem die Nazis Leben und Alltag aller Deutschen kontrollierten. 1945, zum Ende des Zweiten Weltkriegs, hatte die Partei Millionen Mitglieder und Deutschland war zerstört.
Die Geschichte der NSDAP beginnt in der Weimarer Republik mit der Umbenennung der Deutschen Arbeiterpartei DAP. Zu Beginn des Jahres 1920 hat diese völkisch ausgerichtete Partei nur etwa 200 Mitglieder. Darunter Adolf Hitler als Mitgliedsnummer 555. Hinter dieser Zählweise steckt allerdings ein Trick: Die Mitgliedsnummern beginnen erst bei 501. Dadurch soll die Partei größer und bedeutender wirken. Später taucht auch eine Mitgliedskarte auf, die Hitler als Mitglied Nr. 7 ausweist.
Adolf Hitler ist eine der treibenden Kräfte hinter der Umbenennung der DAP in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei am 24. Februar 1920 im Münchner Hofbräuhaus. An diesem Abend verkündet er auch das 25-Punkte-Programm der Partei. Darin aufgeführt unter anderem: das Streben nach einem Großdeutschen Reich. Die Ablehnung der deutschen Staatsbürgerschaft für Juden und die zwangsweise Ausweisung von Ausländern. Außerdem wird der Aufbau eines autoritären Staates und einer politisch gelenkten Presse entworfen.
Nur zwei Jahre später wird die NSDAP in einigen Staaten des Deutschen Reiches verboten, zum Beispiel in Baden, Thüringen, Hamburg und Preußen. Nach seinem gescheiterten Putsch im November 1923 wird Hitler zu fünf Jahren Haft in der Festung Landsberg am Lech verurteilt. Und das NSDAP-Verbot auf das ganze Reich ausgeweitet. Zu diesem Zeitpunkt zählt die Partei knapp 56.000 Mitglieder. Tatsächlich endet Hitlers Inhaftierung schon nach wenigen Monaten, und der Österreicher wird auch nicht ausgewiesen.
So kann die NSDAP am Abend des 27. Februar 1925 im Münchner Bürgerbräukeller zum zweiten Mal gegründet werden. Hitler proklamiert an diesem Abend das Konzept der Führerpartei, das demokratische Strukturen ablehnt. Und er wird zum alleinigen Parteivorsitzenden bestimmt – folgerichtig nicht durch eine Wahl, sondern durch Handzeichen der etwa 3000 Anwesenden. Am darauffolgenden Tag stirbt Reichspräsident Friedrich Ebert und damit beginnt auch das Sterben der ersten deutschen Demokratie.
Mit der Neugründung der NSDAP erfolgt auch eine neue Nummerierung der Parteimitglieder. Adolf Hitler erhält die Nummer eins. Rudolf Heß wird als Nummer 16 geführt. Joseph Goebbels und Hermann Göring bekommen später nachträglich die Nummern 22 und 23. Ende des Jahres 1925 hat die Partei wieder etwa 25.000 Mitglieder. Ein Jahr darauf sind es schon gut 40.000. Später bekommen sogenannte alte Kämpfer mit einer Mitgliedsnummer unter 100.000 ein goldenes Parteiabzeichen.
In der Haft hat Adolf Hitler den ersten Band von »Mein Kampf« weitgehend fertiggestellt. Seiner Partei verordnet er öffentlich nun eine strikte Legalitätstaktik. Die Macht soll nun nicht mehr durch einen gewaltsamen Umsturz, sondern auf legalem Wege erreicht werden: durch Propaganda, Mobilisierung der Massen und Wahlsiege.
Gewalt wird trotzdem eingesetzt. Mit der zweiten Gründung der Partei entsteht auch die zwischenzeitlich verbotene »Sturmabteilung« SA neu. Durch regelmäßige Aufmärsche sorgt die SA dafür, dass die NSDAP andauernd in der Öffentlichkeit steht. Und die SA-Schläger attackieren politische Gegner, insbesondere Anhänger linker Parteien wie KPD oder SPD. 1928 tritt die neu gegründete NSDAP zum ersten Mal allein unter eigenem Namen bei einer Reichstagswahl an. Inzwischen hat sie 50.000 Mitglieder. Das Wahlergebnis ist für die Nazis allerdings enttäuschend. Nur 2,6 Prozent der Wähler votieren für Hitler.
Nach diesem schlechten Abschneiden ändert die NSDAP die Themen ihrer Politik. Der bislang stark propagierte Antisemitismus verschreckt offenbar bürgerliche Kreise und wird daher bei öffentlichen Auftritten reduziert. Die Partei wirbt jetzt nicht mehr nur unter einfachen Arbeitern um Mitglieder. In den Fokus rücken auch Studenten, die eine Proletarisierung akademischer Kreise fürchten. Bauern, deren Existenzen durch einbrechende Agrarpreise bedroht sind, und mittelständische Kaufleute, die Angst vor der ökonomischen Überlegenheit großer Warenhäuser haben.
Gleichzeitig verstärkt die SA ihre einschüchternde Präsenz. Dabei ignorieren die Nazis das vielerorts ab 1930 geltende Uniformverbot. Denn die SA tritt trotzdem auf – nur eben nicht in braunen, sondern wie hier in Köln in einheitlich weißen Hemden. Hitler und die NSDAP präsentieren sich als einzige Lösung für die Probleme des Landes. Dabei wollen sie gerade nicht als klassische Partei wahrgenommen werden, sondern als »Bewegung«, die die parlamentarische Demokratie ablehnt. Ein Programm, das in der Weimarer Republik verfängt. Viele Menschen sehen in der zersplitterten Parteienlandschaft und dem parlamentarischen Liberalismus die Ursachen für Armut und Krisen in Deutschland. Andere sehnen, vom Kaiserreich geprägt, einen starken Start mit einer mächtigen Führungsfigur herbei.
Am Donnerstag, dem 24. Oktober 1929, platzt eine Spekulationsblase an der New Yorker Börse und die Weltwirtschaftskrise beginnt. Knapp drei Jahre lang fallen die Kurse. Fast eine ganze Generation verliert einen Großteil ihres Vermögens. Millionen werden arbeitslos. Im Jahr darauf verzeichnet die NSDAP rund 144.000 Eintritte. Und kann ihre Mitgliederzahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln, auf 246.000 bis zum Ende des Jahres 1930. In jenem Jahr zerbricht auch die Große Koalition unter SPD-Kanzler Hermann Müller, die letzte Regierung der Weimarer Republik mit einer parlamentarischen Mehrheit. Bei den Wahlen im September erhält die NSDAP 18,3 % der Stimmen. Insgesamt stimmen 6,4 Millionen Deutsche für Adolf Hitler.
Ein Jahr später hat die NSDAP ihre parteipolitische Struktur ausgeweitet. Die Nazis sprechen jetzt gezielt verschiedenste Bevölkerungsschichten an und gewinnen so neue Wähler in unterschiedlichsten Milieus. 1932 gibt es fast eine Million Mitglieder. Hitlers Bewegung ist endgültig eine Massenpartei geworden. Im Frühjahr 1932 erreicht die Arbeitslosigkeit in Deutschland einen neuen Höchststand. Jeder dritte deutsche Erwerbsfähige ist jetzt ohne Arbeit. Der Staat steht vor der Zahlungsunfähigkeit.
Hinzu kommt das Fehlen politischer Optionen. Die bestehende Demokratie schafft es nicht, die Lebensverhältnisse in der Weltwirtschaftskrise zu verbessern. Sozialdemokraten und Kommunisten könnten ein politisches Gegengewicht zur erstarkenden Rechte bilden, bekämpfen sich aber gegenseitig. Das nutzt die NSDAP aus: Die Nazis prangern die Unfähigkeit der anderen Parteien und die angebliche Untauglichkeit der Demokratie an, um gleichzeitig ihr eigenes »Heilsversprechen« zu verkünden. Nämlich, dass nur Adolf Hitler das Land retten könne.
SA-Verbände ziehen weiter durch die Städte. Auch dies soll der Öffentlichkeit die Schwäche des bestehenden Systems gegenüber der unbeugsamen Hitler-Bewegung zeigen. Am 31. Juli 1932 wählen mehr als 13,5 Millionen Deutsche die NSDAP. Die Partei erhält 37,3 Prozent der Stimmen und stellt die stärkste Fraktion im Reichstag. Jetzt will Hitler endlich Kanzler werden. Aber Reichspräsident Hindenburg verwehrt ihm das und bestimmt Franz von Papen erneut zum Regierungschef.
Die Nazis aber wollen allein regieren. Die Regierungsbildung scheitert, die Deutschen müssen nur drei Monate später erneut abstimmen. Die Wahl am 6. November 1932 ändert nichts am politischen Kräfteverhältnis. Die NSDAP verliert zwar Millionen Wählerstimmen, wird aber mit 33,1 Prozent erneut stärkste Kraft. Und diesmal bekommt Adolf Hitler den Posten als Reichskanzler. Allerdings erst, nachdem Hindenburgs Kandidat Kurt von Schleicher gescheitert ist und Hitler Anfang 1933 schließlich eine Koalition mit der »Deutsch-Nationalen Volkspartei« DNVP akzeptiert.
Am 30. Januar 1933 macht Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Zwei Tage später löst der Reichspräsident verfassungsgemäß den Reichstag auf. Für den 5. März werden wieder Neuwahlen angesetzt. Aber der nun folgende Wahlkampf folgt bereits nicht mehr demokratischen Regeln, denn Adolf Hitler nutzt bereits diktatorische Methoden: Mithilfe des Notverordnungsrechts erlässt er am 4. Februar die »Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes«. Diese erlaubt es der Regierung, Versammlungen und Veröffentlichungen politischer Gegner zu verbieten.
Die NSDAP erhält bei den Wahlen 43,9 Prozent der Stimmen und bildet eine Koalition mit der »Deutsch-Nationalen Kampffront Schwarz-Weiß-Rot« des Ex-Kanzlers von Papen, die aus der DNVP hervorgegangen ist. Erneut verfehlt Hitler die angestrebte absolute Mehrheit im Parlament. Aber noch im März 1933 sichert sich die NSDAP die Alleinherrschaft über Deutschland: Die Nazis können die Partei in der Mitte überzeugen, mit ihnen für das sogenannte »Ermächtigungsgesetz« zu stimmen. Damit wird die gesetzgebende Gewalt de facto auf die neue Reichsregierung übertragen und die Gewaltenteilung aufgehoben. Dieses Gesetz ermächtigt die neuen Herrscher auch, andere Parteien zu verbieten oder zur Selbstauflösung zu zwingen. Deutschland wird zum Einparteienstaat.
In der Folge wächst die Zahl der Parteieintritte so stark, dass zum 1. Mai 1933 eine Aufnahmesperre verhängt wird. Die NSDAP will damit weitere sogenannte »Märzgefallene« von der Partei fernhalten. Damit sind Leute gemeint, die jetzt Vorteile wittern, wenn sie sich den neuen Machthabern andienen. Am 3. Dezember 1933 tritt das »Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat« in Kraft, das die – und das ist ein Zitat – »unlösliche« Verbindung von NSDAP und Nazi-Staat festlegt.
Zu Beginn des Jahres 1933 hatte die NSDAP-Kartei noch etwas mehr als eine Million Mitglieder verzeichnet. Jetzt, zum Jahresende, sind es fast drei Millionen. Erst 1937 öffnet die NSDAP ihre Schleusen wieder und die Mitgliedszahl wächst auf mehr als fünf Millionen an.
Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 beginnt das Deutsche Reich den Zweiten Weltkrieg. Zu diesem Zeitpunkt ist die NSDAP längst keine Bewegung oder bloße Partei mehr. Sie wirkt inzwischen als integraler Bestandteil des faschistischen Staates und kontrolliert, überwacht und indoktriniert die Einwohner im Alltag. Vielfach wird diese Kontrolle über Nebenorganisationen wie die Arbeitsfront oder die nationalsozialistische Volkswohlfahrt ausgeübt.
1940 weitet Nazideutschland den Krieg nach Norden und Westen aus. Vom 9. April an besetzt die Wehrmacht Dänemark und attackiert Norwegen. Einen Monat später greift das Deutsche Reich auch Belgien, Luxemburg, die Niederlande und Frankreich an. Es ist die Zeit der raschen militärischen Erfolge für Hitler.
Viele Neumitglieder der Partei durchlaufen erst die Hitlerjugend oder den Bund Deutscher Mädel und beantragen mit ihrer Volljährigkeit die Mitgliedschaft in der NSDAP. 1942 gibt es erneut eine Aufnahmesperre, um Mitläufer auszuschließen. Jetzt werden fast ausschließlich ehemalige Mitglieder der beiden Nazi-Jugend-Organisationen HJ und BDM aufgenommen. Eine Ausnahme bilden aus der Wehrmacht ausscheidende Soldaten und kriegsversehrte Menschen.
1944 senkt die Partei das Mindesteintrittsalter von 18 auf 17 Jahre. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verzeichnet die NSDAP innerhalb der 20 Jahre nach ihrer Neugründung mehr als zehn Millionen Parteimitgliedschaften und stellt entsprechende Dokumente aus. Im Jahr 1945 sind etwa neun Millionen Deutsche in der NSDAP registriert.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Videos war in einer Grafik über die Reichstagswahl 1930 eine falsche Jahreszahl zu sehen. Wir haben den Fehler korrigiert.