SPIEGEL-Cover zum Jubiläum: Die besten Titelbilder aus 75 Jahren - DER SPIEGEL
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SPIEGEL-Jubiläum Die besten Cover aus 75 Jahren

3931 SPIEGEL-Hefte sind seit Januar 1947 erschienen. Welche Titelbilder waren besonders markant, provozierend, originell? Entscheiden Sie selbst – ein Streifzug durch die SPIEGEL-Geschichte.
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SPIEGEL 36/1949:

Seit Mitte 1947 hatten die SPIEGEL-Titelfiguren den orangefarbenen Balken oben nicht mehr durchbrechen dürfen – ein Prinzip, das man erst Anfang 1949 aufgab. In der Ausgabe vom 1. September 1949 wurde das SPIEGEL-Cover zum Tor; die Redaktion ließ aber keinen Zweifel daran, dass es sauber bleiben würde: »DER HELD, DER HÄLT – Kein Elfmeter in Moros Tor«, stand unter diesem Bild. Es ging um den italienischen Nationaltorwart Luido Moro.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 11/1952:

Hätten Sie ihn erkannt? »Genannt Plumpudding«, schrieb der SPIEGEL unter dieses Porträt des damals drei Jahre alten britischen Prinzen Charles, der mit der Thronbesteigung seiner Mutter Elizabeth II. zum Thronfolger geworden war. »Moderne Soziologen«, hieß es in der Titelgeschichte, »sind seit langem darauf gekommen, dass es kein besseres Mittel gegen die grassierende Öde und Langeweile der Völker gibt als pausbäckige Prinzen und Prinzessinnen.« Inzwischen erfüllen Charles' Enkelkinder diese Rolle.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 50/1956:

Elvis, the Pelvis. Der SPIEGEL berichtete von einer Nacht am New Yorker Times Square: Dort »wälzten sich dreitausend weinende Backfische. Es waren die eingeschriebenen Mitglieder einer neuen Vereinigung, die sich der bedingungslosen Verehrung eines neuen Gottes der Halbwüchsigen widmet: Es waren die Mitglieder der ›Elvis-Presley-Fan-Clubs‹.« Sie hatten die ganze Nacht für Karten zur Premiere des Elvis-Films »Love Me Tender« angestanden. Der Star, so erklärte der SPIEGEL seinen Leserinnen und Lesern, könne nicht einmal fehlerfrei Gitarre spielen und singe in »grotesk abgewandeltem Rock 'n' Roll-Rhythmus«.

Foto: Michael Friedel / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 1/1957:

Aus einem bayerischen Trachtenhut wird ein Bundeswehrhelm, er schwebt über der ordentlich gescheitelten Frisur von Franz Josef Strauß (CSU), der im Oktober 1956 zum Verteidigungsminister aufgestiegen war. Ein Strauß-Porträt des legendären Zeichners Boris Artzybasheff, der auch schon Titel für das »Time Magazine« gemacht hatte. Unter der Überschrift »Der Primus« beschrieb der SPIEGEL in seiner Titelgeschichte Strauß als couragiert und manchmal etwas zu forsch. Er wird unter anderem mit dem Satz zitiert: »Wir Deutschen haben zwar den Krieg verloren, aber nicht gleich den Verstand.«

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 50/1958:

Ein Titelbild, das ganz ohne Text auskommt – das geschah nur zweimal in 75 Jahren SPIEGEL: 1963 zum Attentat auf John F.Kennedy und fünf Jahre zuvor auf diesem Cover. Das skizzierte Brandenburger Tor, der Umriss einer Stadt, durch die sich von Norden nach Südosten eine Trennlinie zieht – auch heute erkennt jeder auf den ersten Blick, worum es geht. Anlass für die Titelgeschichte über Berlin im Dezember 1958 war der Umstand, dass die Sowjetunion nach der Blockade der Westsektoren 1948 »ein zweites Mal Hand an Berlin« legte. Ministerpräsident Nikita Chruschtschow hatte einseitig den Vier-Mächte-Status aufgekündigt, offenbar mit dem Ziel, Berlin der DDR zuzuschlagen.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 9/1961:

Ein Porträt des Schauspielers Klaus Kinski: »Nikolaus Nakszynski ist der bürgerliche Name eines 34-jährigen Rezitators, der sich Klaus Kinski nennt«, schrieb der SPIEGEL im Februar 1961. »Mit seiner rhetorischen Verve, mehr aber noch mit seinem exhibitionistischen Gaukelspiel hat er von Saison zu Saison größere Scharen von Kurzweil-Bedürftigen in seine Ein-Mann-Show gelockt.« Am liebsten hatte er bis dahin François Villon rezitiert; nun kündigte er an, »den lieben Gott« sprechen zu wollen und Auszüge aus dem Neuen Testament »wie Blitze und Keulen unter die Massen« zu schleudern.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 45/1962:

Eines der berühmtesten Titelbilder in der Geschichte des SPIEGEL zeigt Herausgeber Rudolf Augstein bei seiner Verhaftung am 28. Oktober 1962. Dem SPIEGEL wurde vorgeworfen, mit der Titelgeschichte »Bedingt abwehrbereit« über die mangelhafte Ausstattung von Bundeswehrtruppen im Nato-Verband »Landesverrat« begangen zu haben. Die Aktion der Justiz gegen die Redaktion ging als »SPIEGEL-Affäre« in die Geschichte ein. Schon damals schrieb etwa die schwedische Zeitung »Dagens Nyheter«: »Es gibt Gründe, die Aktion zumindest zum Teil als eine Art juristischer Blutrache an einem vom politischen Standpunkt aus unbequemen und störenden Presseorgan zu sehen.«

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 51/1967:

»Die bleiche Stirn vom nachtschwarzen Schopf überflattert, das Kinn von Stoppeln verschattet, die dunklen Augen unter buschigen Brauen ekstatisch entflammt, den tief in die hageren Wangen eingekerbten Mund aufgerissen zu angestrengter Artikulation« – so beschrieb der SPIEGEL Ende 1967 den Studentenführer Rudi Dutschke, wenige Monate vor dem Attentat auf ihn. »Was Dutschke denkt, ist ›Revolution‹, ›Konterrevolution‹, ›Obstruktion‹, ›Produktion‹, ›Reproduktion‹, ›Subsumption‹, ›Integration‹, ›Transformation‹, ›Abstraktion‹, ›Repression‹, ›Manifestation‹, ›Manipulation‹«, hieß es in der Titelgeschichte: »Kaum ein Mensch versteht's, doch die Republik spricht von ihm.«

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SPIEGEL 25/1970:

Im Sommer 1970, im Jahr nach Woodstock, Altamont und Bob Dylans Auftritt auf der Isle of Wight, kam auch der SPIEGEL nicht mehr am Jugendphänomen Pop vorbei – und leitete seine Nachhilfestunde mit einem Zitat über den Rattenfänger von Hameln ein. Auch Pete Townshend von The Who, die damals schon mit ihrer Rock-Oper »Tommy« Furore gemacht hatten, wurde vom SPIEGEL interviewt. Auf die Frage: »Wie werden Ihrer Meinung nach Musikologen in 100 Jahren die Rock-Musik einschätzen?« antwortete Townshend, damals 25: »Ich bin nur an der Gegenwart interessiert.«

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 51/1970:

Dass Willy Brandts Kniefall am Ehrenmal für die Opfer des Warschauer Gettos am 7. Dezember 1970 ein Bild für die Geschichtsbücher ist, war den Journalisten nicht nur in Deutschland schnell klar. »Durfte Brandt knien?« Der SPIEGEL veröffentlichte bereits eine Woche später eine Umfrage: Demnach hielten 41 Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger die Geste des Kanzlers für »angemessen«, 48 Prozent für »übertrieben«. Brandt selbst äußerte sich im SPIEGEL-Interview zu seinem Motiv: »Ich habe im Namen unseres Volkes Abbitte leisten wollen für ein millionenfaches Verbrechen, das im missbrauchten deutschen Namen verübt wurde. Dies gehört mit dazu, wenn wir einen neuen Anfang setzen und eine Wiederholung der Schrecken der Vergangenheit ausschließen wollen.«

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 35/1976:

Helmut Kohl spricht nicht mit dem SPIEGEL? Das galt 1976 noch nicht. Kohl wollte Bundeskanzler werden und trat als CDU-Kandidat gegen Helmut Schmidt an. SPIEGEL-Redakteur Klaus Wirtgen und Chefredakteur Erich Böhme trafen Kohl am Wolfgangsee. Sie konfrontierten ihn unter anderem mit seiner mangelnden bundes- und außenpolitischen Erfahrung. Kohl verwies auf seine guten Umfragewerte und entgegnete: »Mit den gegenwärtig in Bonn residierenden Weltbürgern nehme ich es gerne auf.« Am Ende reichte es nicht: Die SPD behauptete zusammen mit der FDP ihre Mehrheit, allerdings knapp. Das Titelbild, das Kohl mit unverkennbar birnenförmigem Schädel zeigt, zeichnete der Karikaturist Jean Mulatier.

Illustration: Mulatier / DER SPIEGEL

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SPIEGEL 31/1977:

Ein Titel, der im Sommer 1977 für Aufruhr sorgte – vor allem in Italien natürlich. Italienische Tageszeitungen druckten das Titelbild ab und kommentierten beleidigt: »Wieder einmal wird die italienische Situation schlimmer dargestellt, als sie in Wirklichkeit ist«, schrieb etwa »Il Tempo«. Der »Corriere della Sera« fragte: »Warum kommen die deutschen Touristen weiterhin en masse?« – und merkte spitz an: »Die Spaghetti sind zu weich gekocht.« Auch das noch.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 33/1986:

Dieses Cover ist wirklich schon 1986 erschienen. Denn damals warnte die Deutsche Physikalische Gesellschaft erstmals vor dem Treibhauseffekt: CO₂ heize die Atmosphäre auf, ein Anstieg der Temperatur auf der Erde um drei bis neun (!) Grad sei zu befürchten. Ein Teil des Eises an den Polkappen werde schmelzen und den Meeresspiegel ansteigen lassen. Der SPIEGEL, so notierte Wissenschaftsredakteur Johann Grolle 30 Jahre später, »nahm diese Prognose zum Anlass, auf seinem Titel publikumswirksam den Kölner Dom unter Wasser zu setzen«. Die Geschichte damals hebt an mit einer fiktiven Szenerie aus dem Sommer 2040: Hamburg und Hongkong, London, Kairo und New York sind »längst vom Meer verschluckt«, Großbritannien ist »in einen Archipel zerfallen«. So weit wird es bis 2040 kaum kommen – aber ohne solche Horrorszenarien hätte das Umdenken zum Klimawandel in Politik und Gesellschaft vielleicht noch länger auf sich warten lassen.

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SPIEGEL 41/1989:

Ein Dutzend Titel widmete der SPIEGEL im Wendejahr 1989 der DDR und ihren Bewohnern. Auch »Wiedervereinigungsträume« wurden bereits im September thematisiert. Zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober aber zeichnete der SPIEGEL ein düsteres Bild. Zur Betontorte mit Grenzzaun-Deko hieß es in der Titelgeschichte: »Die Stimmung in der DDR ist so schlecht wie nie in der 40-jährigen Geschichte des Staates. Die SED-Führung, vom Volk durch ein riesiges Polizeiaufgebot geschützt, aber feierte, als sei nichts geschehen.« Einen Monat später fiel die Mauer – auch das natürlich ein SPIEGEL-Titel.

Foto: Schwarzdesign / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 9/1991:

Das Gesicht des Krieges: der irakische Diktator Saddam Hussein als Collage aus einem Trümmerhaus und dem für ihn typischen Barrett – ein preisgekröntes SPIEGEL-Titelbild. Der Zweite Golfkrieg war im Februar 1991 in eine entscheidende Phase gegangen, die Sowjetunion schlug am 22. Februar eine Waffenruhe vor, die USA verlangten den Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait binnen einem Tag. Als das nicht geschah, begannen die USA den Bodenkrieg gegen den Irak.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 11/1996:

Stolz, aber auch ein wenig distanziert schrieb die SPIEGEL-Redaktion am 11. März 1996 in der Hausmitteilung zur Titelgeschichte über das Internet: »Als weltweit erstes Nachrichtenmagazin, knapp vor der amerikanischen Time, bot der SPIEGEL im Oktober 1994 redaktionelle Inhalte im ›Internet‹ an – jenem elektronischen Kosmos, von dem es heißt, er sei das Reich der Zukunft.« Und weiter: »Ob die erdumspannende Vernetzung einmal zu einem Spielplatz des Kapitalismus führt oder zum Schauplatz idealer Demokratie, ob sie an der Fülle der Informationen erstickt oder doch zu jedermanns Liebling wird – darüber wird noch gestritten.« Bis heute.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 43/1998:

Die rot-grüne Sonne geht auf über Berlin – nach 16 Jahren Kohl hatten SPD und Grüne am 27. September 1998 bei der Bundestagswahl die Mehrheit, eine Zeit des Aufbruchs und vieler offener Fragen. Noch vor der offiziellen Amtsübernahme von Kanzler Gerhard Schröder nahm sich der SPIEGEL die Pläne der neuen Regierungskoalition vor und kam mit SPIEGEL-typischer Skepsis zu der Einschätzung: »ziemlich geschmeidig, aber auch ziemlich glanzlos«.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 43/2001:

Mehrfach waren die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York, die nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in sich zusammenfielen, auf dem SPIEGEL-Titel abgebildet – allein im Jahr 2001 dreimal. Über dieses Bild sagte Fotograf Frank Schwere später im SPIEGEL-Interview: »Als ich das Foto machte, wusste ich: Das wird eine Ikone.« Der Titel, sechs Wochen nach den Anschlägen, zeigte die Katastrophe aus einer anderen Perspektive, näher dran. »Es ist eine tiefe Wunde, die der Weltmetropole am 11. September geschlagen wurde. Noch immer stehen über dem Berg, der einmal das World Trade Center war, graue Rauchschwaden«, schrieben die Reporter. »Doch die gewaltige Brache an der Südspitze New Yorks ist nicht nur ein Ort der Verwüstung; sie gilt auch als ein Symbol für den Überlebenswillen der Stadt und damit der ganzen Nation.« Die stand im Oktober 2001 vor einer neuen Herausforderung: Die »Anthrax-Briefe«, Umschläge, die hochgefährliche Milzbrandsporen enthielten, lösten eine neue Schreckenswelle aus.

Foto: Frank Schwere / Matrix / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 47/2004:

Ein Einblick in das Leben deutsch-türkischer Mädchen aus streng konservativen Familien. Die Mädchen wollen nur, so hieß es in der Titelgeschichte, »was ihre deutschen Freundinnen dürfen: mal ins Kino gehen, mal Eis essen, mal mit Jungs reden. Nur reden. Für diese Teenie-Träume mussten sie mit ihren Familien brechen, in den Untergrund gehen, den Namen wechseln und Pässe fälschen. Sie stehen für eine Generation von Einwandererkindern, die den Kampf der Kulturen vorm Kleiderschrank und im Wohnzimmer kämpfen. Jede Jeans ist ein Etappensieg, und siegreich ist, wer nicht gegen seinen Willen verheiratet wird, irgendwo da hinten, weit, in der Türkei. Es ist ein Aufstand gegen die Eltern.«

Foto: C. Hechtenberg / Caro Fotoagentur / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 26/2006:

Für den Titel »Ansturm der Armen« im Herbst 1991, der mit einer klischeehaften »Das Boot ist voll«-Symbolik arbeitete, wurde der SPIEGEL scharf kritisiert. 15 Jahre später stand wieder »Ansturm der Armen« auf dem Titel – diesmal jedoch war die Perspektive genau umgedreht: Nicht um die vermeintliche Bedrohung des europäischen Wohlstandes ging es in der Titelgeschichte, sondern um die Motive derer, die sich auf den Weg ins gelobte Land machten. Stellvertretend für die (damals) rund 190 Millionen Migrantinnen und Migranten auf der Erde stand der Ghanaer John Ekow Ampan, der eine vierjährige Odyssee auf sich genommen hatte, um nach Europa zu gelangen. Klaus Brinkbäumer, damals Reporter und später SPIEGEL-Chefredakteur, war sieben Wochen unterwegs, um Ampans Weg nachzuzeichnen.

Foto: dpa / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 47/2008:

Auf dem amerikanischen Ein-Dollar-Schein abgebildet ist, das weiß jeder, der schon mal einen in der Hand hatte, George Washington, der erste Präsident der Vereinigten Staaten. So auch in abgewandelter Form auf dem SPIEGEL-Cover dieser Ausgabe 2008. Die Grafik illustriert einen brutalen Überfall auf den Dollar und damit auf die Weltwirtschaft, der zur großen Finanzkrise geführt hatte. Der SPIEGEL rekonstruierte in der Titelgeschichte, »wie die Welt an den Rand des Ruins gebracht werden konnte«: ein Kapitalverbrechen, »begangen von Bankern, geduldet von Politikern«.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 35/2011:

Vicco von Bülow alias Loriot war der Mann, der den Deutschen beibrachte, über sich selbst zu lachen. Und bei seiner Arbeit galt er als Perfektionist, der seine Szene so lange drehen ließ, bis jedes Detail passte. Mit diesem Titel verneigte sich der SPIEGEL, als der große Humorist 2011 im Alter von 87 Jahren starb. Er habe sich »längst so tief in die Herzen der Menschen gelächelt, dass er schon zu Lebzeiten ewig war«, hieß es in der Titelgeschichte : »Das hat mit Langsamkeit, Genauigkeit und Timing zu tun, mit großer Zuneigung zu seinen Geschöpfen, mit Präzision und einer seltenen Beobachtungsgabe, aber auch mit Lust am Nonsens und einer tiefen Liebe zur deutschen Sprache. Wer sich ein Gericht namens ›Kosakenzipfel‹ ausdenkt oder einen Namen wie Hallmackenreuter, ist ein wahrer Literat. Wer die ›Spannmuffenfederung‹ erfindet, weiß um die absurde Eleganz deutschen Technokratensprechs.«

Illustration: Loriot / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 46/2016:

Donald Trump rast Richtung Erde wie ein Meteorit. Noch ist unklar, wie viel Schaden sie dabei nehmen wird; die Bildzeile spielt an auf einen der bekanntesten Songs der Band R.E.M.: »It's the End of the World as We Know It«. Das Titelbild für die Ausgabe vom 12. November 2016  stammt von Edel Rodriguez. Mit dem Meteoriten-Trump waren nicht alle einverstanden; eine Leserin schrieb, der SPIEGEL würde so dem »wachsenden Katastrophismus« noch mal einen Schub geben. Als Chefredakteur antwortete Klaus Brinkbäumer: »Dass Titelillustrationen ähnlich wie andere Karikaturen Aussagen auf den Punkt bringen oder auch etwas zuspitzen, halte ich nicht nur für legitim, sondern für zwingend.« Der Hamburger New Business Verlag wählte den Meteoriten zum »Cover des Jahres«: »Das einzige Cover mit Relevanz und künstlerischem Anspruch.«

Illustration: Edel Rodriguez / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 20/2018:

Kein US-Präsident polarisierte mehr – der SPIEGEL hat Donald Trump in den letzten Jahren oft zur Titelfigur gemacht, oft gezeichnet vom New Yorker Künstler Edel Rodriguez. Der Grafiker und Karikaturist entwarf auch die heftig diskutierte Cover-Zeichnung des amerikanischen Präsidenten, mit geköpfter Freiheitsstatue (Ausgabe 6/2017), und hier Trumps Mittelfinger-Ansage an Europa . Immer wieder waren diese Titel umstritten, aber einige gelten als Ikonen.

Der Spiegel / Illustration: Edel Rodriguez
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SPIEGEL 35/2018:

Den Umgang mit weltweiten Migrationsbewegungen beschrieb der SPIEGEL 2018 als brisante »Jahrhundertfrage« und Europas Asylpolitik als »ohne Plan und Verstand«; sie treibe radikalen Parteien immer mehr Wähler zu. Zwei Titelautorinnen und ein Autor suchten nach einer humanen Lösung, die von den Bürgern akzeptiert wird – »ein Plädoyer  für eine neue, bessere Flüchtlings- und Migrationspolitik« in zehn Vorschlägen von mehr Hilfe vor Ort bis zu einem Einwanderungsgesetz für Deutschland.

Foto: DER SPIEGEL
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SPIEGEL 52/2018:

»Uns ist das Schlimmste passiert, was einer Redaktion passieren kann«, schrieb der SPIEGEL in einer Hausmitteilung Ende 2018. »Wir hatten über Jahre Reportagen und andere Texte im Blatt, die nicht die Wirklichkeit abbildeten, sondern in Teilen erfunden waren. Unser Kollege Claas Relotius hat sich nicht auf die Recherche verlassen, sondern seine Fantasie eingesetzt, hat sich Zitate, Szenen, Personen ausgedacht, um viele seiner Geschichten besser, spannender wirken zu lassen.« Über Jahre hatte der Reporter Artikel ganz oder teilweise gefälscht, kam damit viel zu lange durch und löste eine schwere Krise aus. Wie es dazu kommen konnte, wie die Manipulationen aufgedeckt wurden, wie die Redaktion ihre Abläufe und Kontrollen veränderte: Der SPIEGEL sagte selbst, was ist – in der Titelgeschichte  zum »Albtraum« dieses Betrugsfalles, in weiteren Veröffentlichungen sowie Ende Mai 2019 im Abschlussbericht der Aufklärungskommission.

Foto: cgs / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 42/2019:

Nachdem ein Rechtsextremist im Juni 2019 den Kasseler Regierungspräsidenten getötet hatte, erschütterte vier Monate später der Anschlag auf eine Synagoge in Halle Deutschland und empörte die Welt. Es war Jom Kippur, das Fest der Versöhnung, höchster Feiertag der Juden. An diesem Tag wollte der Attentäter Juden töten, hatte seine Tat lange vorbereitet und sich in der Parallelwelt rechtsextremer Internetforen radikalisiert. Die massive Holztür verhinderte ein Massaker in der Synagoge; der Täter ermordete erst eine Passantin, dann einen Bauarbeiter in einem Dönerimbiss. Der SPIEGEL rekonstruierte die Tat  und beschrieb außerdem »den Judenhass, den neuen alten Antisemitismus , der in Deutschland schon wieder fast alltäglich ist«.

Foto: [M]: Axel Schmidt / AFP / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 14/2020:

Als die Coronakrise im März 2020 richtig begann, widmete der SPIEGEL der Pandemie und ihren Folgen gleich neun Titel hintereinander, hier mit einem Absperr-Flatterband. So recherchierte ein Team in Tirol, wie der Wintersportort Ischgl eine Virusbrutstätte werden konnte. Und in der Titelgeschichte  versuchte die Redaktion, Antworten auf Fragen zu finden, wie sie uns bis heute und stärker denn je beschäftigen: Wie lange halten wir das aus? Wie wägt man ab zwischen Infektionsraten und Grundrechten? Wie lange dürfen Demokratien den Menschen die Freiheit beschneiden? Und vor allem: Wie kommen wir da wieder raus?

Foto: cgs / [M]: Getty Images / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 36/2021:

Ein simples Wort kann mehrere Bedeutungen tragen. »Geschafft«, titelte der SPIEGEL Anfang September, als das Ende von Angela Merkels Regierungszeit nahte. Sie hatte 16 Jahre als Kanzlerin überstanden, die Bundesrepublik ebenso, und natürlich spielt »Geschafft« auch an auf Merkels Satz »Wir schaffen das«, den sie 2015 in der Debatte über Deutschlands Migrationspolitik sagte. »Für Merkels Kanzlerschaft war das der Kipppunkt«, schrieb der SPIEGEL und zog eine Bilanz in sieben Kapiteln, zu sieben Katastrophen oder Krisen, die ihre Amtszeit prägten: von der Finanzmarkt- und der Eurokrise bis zum Klimawandel und zur Coronapandemie – eine »Ära der verpassten Chancen« .

Foto: Andreas Herzau / laif / DER SPIEGEL
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SPIEGEL 44/2021:

Anlässlich der internationalen Klimakonferenz in Glasgow leuchtete der SPIEGEL in mehreren Beiträgen die »zurzeit wohl größte Krise der Menschheit« aus. »Damit der reiche Norden ökologisch korrekt leben kann, wird der arme Süden ausgebeutet: Konzerne zerstören ganze Landstriche, um Rohstoffe für Windräder und Solarzellen zu fördern«, heißt es im SPIEGEL . Raubbau für die Rettung des Planeten – ein Team von Reportern suchte nach Auswegen aus dem Dilemma.

Foto: [M]: Hedi Xandt; SABarton / Getty Images / DER SPIEGEL