Thomas Jefferson: Ehemaliger US-Präsident zeugte Kinder mit seiner Sklavin - DER SPIEGEL
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DNA-Studie erbringt Beweis US-Präsident Thomas Jefferson zeugte Kinder mit seiner Sklavin

Eine Haarlocke überführte ihn als Vater: Nach 15 Jahren Forschung legt ein US-Team nun den definitiven Beweis dafür vor, dass Jefferson Kinder mit Sally Hemings zeugte. Die Sklavin war 30 Jahre jünger als der Sklavereikritiker.
Filmszene aus »Jefferson in Paris« (1995, Regie: James Ivory) mit Nick Nolte und Thandie Newton: Eines der ältesten und umstrittensten Rätsel der US-Geschichte wurde auch dank Hollywood verklärt
Filmszene aus »Jefferson in Paris« (1995, Regie: James Ivory) mit Nick Nolte und Thandie Newton: Eines der ältesten und umstrittensten Rätsel der US-Geschichte wurde auch dank Hollywood verklärt

Filmszene aus »Jefferson in Paris« (1995, Regie: James Ivory) mit Nick Nolte und Thandie Newton: Eines der ältesten und umstrittensten Rätsel der US-Geschichte wurde auch dank Hollywood verklärt

Foto: United Archives / IMAGO

»Sie wissen, dass niemand leidenschaftlicher als ich die Abschaffung nicht nur des Sklavenhandels, sondern auch der Sklaverei selbst wünscht«, schrieb Thomas Jefferson  1788 in einem Brief. Was den berühmten Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und dritten US-Präsidenten jedoch nicht davon abhielt, im Laufe seines Lebens etwa 600 Sklaven zu besitzen. Eine von ihnen war Sally Hemings.

Sie soll »fast weiß« und »sehr hübsch« gewesen sein, »mit langen glatten Haaren, die ihr über den Rücken fielen«, so ein Zeitgenosse. Jefferson verliebte sich in Sally Hemings, so weit, so bekannt. Auch dass er mit der rund 30 Jahre jüngeren Frau Kinder gezeugt haben soll, ist kein Geheimnis. Gegner Jeffersons erhoben diese Anschuldigung bereits während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident.

Die etablierte (weiße) Historikerzunft hatte den Vorwurf lange zurückgewiesen – nun ist eines der ältesten und umstrittensten Rätsel der US-Geschichte wohl definitiv gelöst: Wie die US-Medien »The Atlantic«  und »New York Times« berichteten, haben Forscher des US-Instituts Smithsonian den genetischen Beweis dafür erbracht, dass Jefferson mehrere Kinder mit Hemings zeugte.

Liaison begann in Paris

15 Jahre lang dauerte die Untersuchung, bei der die Wissenschaftler DNA aus Jeffersons Haaren mit Proben von Nachfahren verglichen. Die neuen Daten stützen eine Überlieferung, die Nachfahren der Hemings-Familie seit Generationen vertreten, die aber von Teilen der Jefferson-Familie lange bestritten wurde.

Genetiker, Genealogen, Historiker und Anthropologen waren an der Studie beteiligt, die Ergebnisse werden in dem Buch »History by a Hair« erörtert, vorgestellt wird es am Dienstag von Projektleiter Richard Kurin. Die Untersuchung trage dazu bei, »eine Frage zu klären, die uns seit der Gründung unserer Nation gespalten hat«, zitiert die »New York Times« Kurin.

US-Gründervater Jefferson: Der Sklavereikritiker, der von Sklaverei profitierte

US-Gründervater Jefferson: Der Sklavereikritiker, der von Sklaverei profitierte

Foto: GraphicaArtis / Getty Images

Thomas Jefferson verurteilte die Sklaverei in seinen Schriften wiederholt als moralisches Übel und befürwortete ihre schrittweise Abschaffung. Er schrieb, dass alle Menschen »gleich erschaffen« seien und »unveräußerliche Rechte« wie »Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit« genössen.

Jefferson prangerte »verabscheuungswürdigen Sklavenhandel« an, der das »Recht auf Leben und Freiheit« verletze – gleichzeitig profitierte der US-Gründervater als Sklavenhalter von der Ausbeutung unfreier Menschen.

Sally Hemings, geboren um 1773 in Charlottesville, Virginia, war ursprünglich eine Sklavin von Jeffersons Ehefrau Martha Wayles. 1787 begleitete die damals 14-jährige Hemings Jeffersons Tochter Maria (»Polly«) nach Paris. Das Mädchen sollte bei seinem Vater wohnen, der damals als US-Gesandter und Botschafter in Paris lebte. Laut Historikern begann Jefferson in Paris eine sexuelle Beziehung zu der 14-jährigen Sklavin.

Erste DNA-Studien in den Neunzigern

Sally Hemings hatte mindestens sechs Kinder, vier überlebten bis ins Erwachsenenalter: Beverly, Harriet, Madison und ihr jüngster Sohn, Eston. Bereits in den Neunzigerjahren wurden DNA-Analysen durchgeführt, um die Frage gemeinsamer Kinder zu klären. Dieser Studie zufolge trug ein männlicher Nachfahre von Eston Hemings dieselbe seltene Y-Chromosomen-Signatur wie die männliche Jefferson-Linie. Damit war belegt, dass Estons Vater ein Mann aus Thomas Jeffersons väterlicher Familie war.

In einem Bericht aus dem Jahr 2000 kam die Thomas Jefferson Memorial Foundation zu dem Schluss, dass mehrere Beweislinien auf eine »hohe Wahrscheinlichkeit« hindeuten, dass Jefferson der Vater von Eston war und dass er »höchstwahrscheinlich« auch der Vater ihrer anderen Kinder war.

Filmszene aus »Jefferson in Paris« (1995, Regie: James Ivory): »Das ist ein Thema, das das amerikanische Volk interessiert«

Filmszene aus »Jefferson in Paris« (1995, Regie: James Ivory): »Das ist ein Thema, das das amerikanische Volk interessiert«

Foto: Rights Managed / Mary Evans / IMAGO

Dennoch haben Skeptiker nach wie vor andere Kandidaten für die Vaterschaft ins Spiel gebracht, darunter Jeffersons Bruder Randolph. Damit dürfte es nun ein Ende haben.

Das Smithsonian-Team setzte die neuesten genetischen Techniken ein, um Jeffersons Genom anhand von Haaren des Gründervaters zu rekonstruieren. Anschließend verglich es diese Sequenz mit der DNA von Nachkommen zweier Söhne Hemings’, Madison und Eston.

»Anerkennung, Wertschätzung und Akzeptanz«

David Miller, ein Nachfahre Jeffersons in sechster Generation, begrüße die Ergebnisse der Studie. Durch das Projekt hatte Miller Kontakt zu einigen Hemings aufgenommen, die er als »Cousins« bezeichnet.

»Es ist positiv, dass die Familie jetzt hoffentlich die Anerkennung, Wertschätzung und Akzeptanz erhält, die sie verdient«, sagte der Nachfahre laut »New York Times«.

Doch dürfte die kleine wissenschaftliche Sensation in den USA nicht allen gefallen. US-Präsident Donald Trump warf dem Smithsonian vor, eine »spaltende, auf Rasse ausgerichtete Ideologie« zu fördern, die die Gründerväter der Nation entehrt und die Sklaverei sowie andere negative Aspekte der amerikanischen Geschichte überbetont.

Laut einem am 4. Juli 2026 veröffentlichten Bericht schlugen Trumps innenpolitische Berater vor, dass vor den Geschichtsmuseen der Smithsonian Institution Schilder aufgestellt werden sollten: »Warnung: Die Ausstellungsstücke in diesem Museum wurden von Menschen zusammengestellt, die nicht wollen, dass Sie Ihr Land lieben.«

Wegen der wiederholten Attacken kündigte der leitende Sekretär des Smithsonian, Lonnie Bunch, seinen Rücktritt zum Ende des Jahres an. Projektleiter Kurin scheint dies nicht sonderlich anzufechten. Mit Nachdruck betonte der Wissenschaftler die Notwendigkeit, historische Fakten ohne Scheuklappen zu recherchieren.

»Das ist ein Thema, das das amerikanische Volk interessiert«, sagte er laut »New York Times«. Wenn man über »Beweise wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschung« verfüge, »die dazu beitragen, die amerikanische Geschichte zu erhellen, dann haben wir meiner Meinung nach die Pflicht, dem nachzugehen.«

Ob dies Trump nun passt oder nicht.