Geschichte des Weltfrauentags Warum Frauen den 8. März feiern
Internationaler Frauentag in New York (2017): »Die Frauenfrage ist nicht mehr und nicht weniger als eine Menschenrechtsfrage«
Foto: Justin Lane/ EPA/ REX/ ShutterstockEinen frohen Weltfrauentag, allerseits! Wenn Sie in Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern leben, können Sie sich sogar als Mann heute über einen gesetzlichen Feiertag freuen. Wenn Sie woanders wohnen, haben Sie derzeit leider eine Niete gezogen. Und fragen sich vielleicht umso mehr, warum die Frauen überhaupt einen eigenen Feiertag haben und warum ausgerechnet an diesem Tag Anfang März. Hier kommen die Antworten.
Wer hat’s erfunden?
Die Ursprünge des Internationalen Frauentags reichen mehr als 100 Jahre zurück, fußen aber nicht, wie oft behauptet, allein auf einem Vorstoß der deutschen Sozialistin Clara Zetkin.
Tatsächlich griff die Frauenrechtlerin lediglich eine Idee aus den USA auf. Dort hatte eine heute nahezu vergessene Frau 1909 den »National Women’s Day« initiiert: die jüdische Sozialistin Theresa Serber Malkiel, geboren 1874 auf dem Gebiet der heutigen Ukraine.
1891 war Malkiel mit ihrer Familie vor der antisemitischen Verfolgung aus dem damaligen Russischen Kaiserreich geflohen und nach New York ausgewandert. Als 17-Jährige begann sie in der Textilindustrie zu arbeiten – deren entsetzliche Arbeitsbedingungen ließen sie zur Aktivistin werden.
Malkiel verschrieb sich dem Sozialismus, kämpfte für mehr Arbeitnehmerrechte, setzte sich für Eingewanderte ein und forderte Gleichberechtigung sowie das Frauenwahlrecht . 1909 schrieb sie in einem Essay:
»Die Frauenfrage ist nicht mehr und nicht weniger als eine Menschenrechtsfrage. In Wirklichkeit bedeutet die Befreiung der Frau die Befreiung des Menschen in ihr.«
Unterstützt von der Socialist Party of America, organisierte Malkiel am 28. Februar 1909 den »National Women’s Day« – als einen Protestmarsch für Frauenrechte in New York. 2000 Menschen versammelten sich allein in Manhattan, um Reden und Gedichte zu hören, sozialistische Hymnen zu singen und das Wahlrecht zu fordern.
Internationaler Frauentag (1944): Reden, Gedichte, sozialistische Hymnen
Foto:Daily Herald Archive / SSPL / Getty Images
Malkiel und ihre Mitstreiterinnen waren begeistert. Und fragten sich: Könnte man solche Kräfte nicht auch international freisetzen – um nicht nur den Kampf für Frauenrechte, sondern auch den Zuspruch zum Sozialismus auszuweiten?
Wie kam der Frauentag nach Europa?
Da traf es sich gut, dass die US-Sozialistin May Wood Simons 1910 zur Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz nach Kopenhagen reiste. Dort stellte sie die Idee vor, einen solchen Protesttag für die Frauen international ins Leben zu rufen. Das weibliche Plenum mit über 100 Delegierten aus 18 Ländern stimmte zu:
»Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.«
Jetzt mussten sie nur noch die Männer überzeugen.
Plakat für den Frauentag am 8. März 1914: »Heraus mit dem Frauenwahlrecht«
Foto: akg-imagesDie deutschen Politikerinnen Käthe Duncker und Clara Zetkin erklärten sich bereit, den lästigen Papierkram zu übernehmen: Sie schrieben den notwendigen Antrag, um die Idee auf dem nur wenige Tage später stattfindenden Internationalen Sozialistenkongress einzubringen, an dem Frauen und Männer gemeinsam teilnahmen.
Der Antrag bestach nicht nur durch seine Argumente, sondern auch durch zahlreiche Unterschriften der weiblichen Delegierten der Kopenhagener Frauenkonferenz. Die Aktion hatte Erfolg: Die Einführung eines Internationalen Frauentags wurde offiziell beschlossen – Zetkin war hocherfreut:
»Dieser Internationale Frauentag ist die wuchtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht, welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann.«
Was der Blick zurück zeigt: Der Frauentag geht nicht auf die Initiative einer deutschen Aktivistin zurück. Er ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt – ein schönes Omen für einen Tag, an dem Frauen Seite an Seite ihre Rechte einfordern.
Warum wird ausgerechnet am 8. März gefeiert?
Der erste Internationale Frauentag wurde 1911 begangen, ein festes Datum gab es zunächst aber nicht. So versammelten sich in den USA die Frauen am letzten Sonntag im Februar für Kundgebungen – in Dänemark war es Anfang März.
In Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und der Schweiz indes gingen die Frauen am 19. März 1911 auf die Straße; im Jahr darauf begingen die Deutschen ihren Frauentag am 12. Mai.
Internationaler Frauentag in Paraguay (2019): Seit 1921 am 8. März
Foto: Jorge Saenz / picture alliance / dpaEr fand bis 1921 an wechselnden Terminen statt – jedoch stets an einem Sonntag oder Feiertag, an dem Frauen nicht arbeiten mussten. Auf der Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 legten die Delegierten schließlich den 8. März fest.
Das war eine Hommage an die russischen Revoluzzerinnen: Am 8. März 1917 hatten die Petrograder Textilarbeiterinnen einen Streik initiiert, der die Russische Revolution einläutete und zum Sturz des Zaren führte.
Jährlich stand der Ehrentag unter einem anderen Motto. Ging es zu Beginn um das Frauenwahlrecht, wurde er in den Jahren des Ersten Weltkriegs erst von patriotischen Losungen und später von Friedensforderungen dominiert.
Nach der Einführung des Frauenwahlrechts 1918 in Deutschland riefen Kommunistinnen weiterhin jährlich zum Frauentag auf. Sozialistinnen waren zunächst skeptisch und richteten eigene Frauenkampftage aus – um sich von der KPD abzugrenzen, ausdrücklich nicht am 8. März.
Was hielten die Nazis vom Frauentag?
Das NS-Regime verbot den Frauentag ab 1933 als linkes Teufelszeug. Getreu Hitlers Motto (»Die Frau hat die Aufgabe, schön zu sein und Kinder zur Welt zu bringen«) instrumentalisierten die Nationalsozialisten stattdessen den Muttertag.
1923 in Deutschland ausgerechnet vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber eingeführt, avancierte der Muttertag als »Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter« zum offiziellen Feiertag; begangen wurde er jeweils am dritten Sonntag im Mai.
Obwohl verfemt, feierten die Deutschen den Frauentag jedoch insgeheim auch im »Dritten Reich«, betont die Historikerin Kerstin Wolff: An diesem Tag wurde etwa zu Kaffeekränzchen eingeladen oder es wurden die roten Federbetten zum Lüften aus den Fenstern gehängt. 1934 und 1935 beispielsweise wurden am Niederrhein illegale Flugblätter zum Internationalen Frauentag verteilt, so Wolff.
DDR-Staatschef Erich Honecker beim Internationalen Frauentag in Berlin (1984): Sprechende Männer, applaudierende Frauen
Foto: Stana / IMAGOErst 1946 fand erneut ein Frauentag in der sowjetischen Besatzungszone statt. In der 1949 gegründeten DDR wurde er zelebriert, in der Bundesrepublik verlor er an Bedeutung – bis ihn die Neue Frauenbewegung Ende der Sechzigerjahre für sich entdeckte.
Im Rahmen des »Internationalen Frauenjahrs« erklärten die Vereinten Nationen 1975 den 8. März dann zum International Women’s Day (IWD).
Zwei Jahre später forderte die Uno-Generalversammlung mit einer Resolution alle Staaten dazu auf, einen Tag im Jahr als »Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden« zu begehen.
Frei haben am Internationalen Frauentag in Deutschland aktuell nur die Arbeitnehmer in den Bundesländern Berlin (seit 2019) und Mecklenburg-Vorpommern (seit 2023). Als gesetzlichen Feiertag begehen ihn indes weltweit zahlreiche Staaten, darunter die Ukraine, Russland, Kasachstan sowie Angola, Laos und Eritrea.
Überall dort profitieren auch Männer vom Frauenfeiertag – in China, Madagaskar und Nepal gilt der Feiertag indes nur für Frauen.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, auch in Polen sei der 8. März ein gesetzlicher Feiertag. Wir haben den Fehler korrigiert.