Wie HipHop nach Deutschland kam - DER SPIEGEL
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Wie HipHop nach Deutschland kam: "Mein persönlicher HipHop-Supergau"

Foto: Philipp Wohlleben/Stefan Schuh

Wie HipHop nach Deutschland kam "Mein persönlicher HipHop-Supergau"

Der Deal klappte überraschend schnell: Einmal vorsprechen und schon hatte Produzent Michael Rick aka Future Rock den Plattenvertrag für die Crew in der Tasche. Die Ernüchterung kam später - als er sich zum ersten Mal das frisch gepresste Album seiner Gruppe LSD anhörte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die meisten Schallplatten, die Ende der achtziger Jahre in unseren Plattenregalen landeten, waren Importe aus den USA oder England. Nur einen handvoll Labels veröffentlichte damals HipHop-Musik in Deutschland. Eines davon war R.A.P. (Rhythm Attack Productions), ein Ein-Mann-Unternehmen mit Sitz in Köln. Mit einem Drei-Track-Demo im Rucksack machte ich mich im Sommer 1989 auf nach Köln Ehrenfeld.

Der Label-Inhaber Stephan Meyner war sichtlich überrascht über den unbekannten Besuch, aber auch interessiert und so hörte er sich das Tape an, auf dem sich neben zwei eigenen Rap-Songs auch eine Demoaufnahme von Ko Lute, unserem späteren Rapper, befand. R.A.P. hatte zu diesem Zeitpunkt bereits das Repertoire von US-HipHop-Labels wie B-Boy Records und Wild Pitch Records in Deutschland herausgegeben. Meyner bot an, einen Song von uns auf einen geplanten Sampler namens "New School" zu veröffentlichen. Wir schlossen unseren ersten Platten-Deal. So einfach war das damals!

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Wir nahmen das zum Anlass, unser erstes Mini-Album mit dem Titel "Competent" aufzunehmen. Der neue Crewname LSD (die Abkürzung für "Legally Spread Dope", zu deutsch "legal verbreitete Droge") war schnell gefunden. Die Songs fanden soviel Anklang, dass das Label gar nicht anders konnte, als die Aufnahmen im Dezember 1989 als Vinyl-EP zu veröffentlichen.

An den Grenzen der Technik

R.A.P. machte sich damals anfangs den Spaß, uns in den Medien als amerikanische Rapgruppe zu verkaufen. Die Fachpresse zweifelte nicht daran. Im Gegenteil: Nachdem der kleine Schwindel aufgeklärt war, bescheinigte man uns sogar, dass "Competent" die erste HipHop-Platte aus Deutschland auf internationalem Niveau sei.

Die ersten Lorbeeren der Presse waren uns Ansporn, nun richtig loszulegen. Fortan arbeiteten wir zu viert akribisch an unserem persönlichen HipHop-Supergau. Ein komplettes Album, das die produktionstechnischen Möglichkeiten der damaligen Zeit ausreizte, an manchen Stellen sogar überreizte. Heraus kam mit "Watch out fort he third rail" (ein Zitat aus dem HipHop-Kultfilm "Wild Style") ein Album mit 27 Tracks und weiteren 11 Skits, kurzen Soundschnipseln zwischen den eigentlichen Stücken. Allein die Tatsache, dass das Album aus insgesamt mehr als tausend einzelnen Samples bestand, macht es bis heute einzigartig.

Die Laufzeit des Albums betrug über eine Stunde - die absolute physikalische Obergrenze einer Schallplatte - und wies dem Sound in puncto Dynamik und Frequenzgang die Grenzen auf, wie wir beim ersten Hören des Albums feststellen mussten. Viele Klangdetails fielen den technischen Restriktionen zum Opfer.

Doch nicht nur das war ein Grund, das Album 2008 noch einmal als Doppel-LP zu veröffentlichen. Es ist meiner Meinung nach ein wichtiges Zeitzeugnis, das den HipHop-Spirit und die Leidenschaft der damaligen Zeit verdeutlicht. In diesem Punkt unterscheidet sich das Album grundsätzlich von allen anderen Veröffentlichungen, die heute dem Genre HipHop zugeordnet werden, und macht es unverwechselbar.