Infektion durch Zecken Was Sie über Borreliose wissen müssen
Er litt unter Nervenschmerzen, Müdigkeit und Schwäche bei den Auftritten: Bei Sänger Justin Timberlake wurde eine Borreliose diagnostiziert. Die Erkrankung ist auch in Deutschland weitverbreitet, ausgelöst wird sie durch Zeckenstiche und dabei übertragene Bakterien. Um das Risiko für einen schweren Verlauf gering zu halten, ist es wichtig, Zecken so schnell wie möglich zu entfernen und die Einstichstelle mehr als eine Woche lang zu beobachten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist eine Borreliose überhaupt?
Borreliose wird auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt. Lyme und Old Lyme sind Städte im US-Bundesstaat Connecticut, in denen die Erkrankung im Jahr 1975 zum ersten Mal beschrieben wurde.
»Auslöser sind Bakterien der Art Borrelia burgdorferi, die auch einfach Borrelien heißen«, sagt Kristina Huber, Ärztin beim Institut für Infektions- und Tropenmedizin am LMU Klinikum München. Eine Borreliose kann überall in Deutschland von Zecken auf Menschen übertragen werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.
Die Bakterien können verschiedene Organsysteme befallen. Häufig trifft es die Haut, aber auch Gelenke, das Nervensystem oder das Herz können betroffen sein. Manchmal zeigen sich Symptome nach wenigen Tagen, manchmal treten sie aber auch erst Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich auf.
In Deutschland fehlen genaue Angaben dazu, wie viele Menschen jedes Jahr an Borreliose erkranken. Die Erkrankung ist nicht bundesweit meldepflichtig. Es sei aber unstrittig, dass es sich um eine weitverbreitete Erkrankung handele, die ernst zu nehmen sei, schreibt das Robert Koch-Institut . Die allermeisten Erkrankungen verliefen jedoch vergleichsweise mild, mit einer sogenannten Wanderröte, und ließen sich gut mit Antibiotika behandeln.
Wie groß ist die Gefahr, sich zu infizieren?
Das Risiko, nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken, ist in ganz Deutschland groß. Bis zu 30 Prozent der Zecken tragen den Erreger in sich. Aber nicht jeder Stich einer befallenen Zecke führt zu einer Infektion. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist bei 0,3 bis 1,4 Prozent aller Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen. Selbst, wer sich schon mal infiziert hat, kann in der Regel noch mal erkranken.
Wie bemerkt man nach einem Zeckenstich, dass etwas nicht stimmt?
Eine Borreliose kann sehr unterschiedlich verlaufen. Wichtig ist, die Einstichstelle einige Wochen im Blick zu behalten. Bei einem Großteil der Erkrankungen kommt es dort zur sogenannten Wanderröte: Ein Fleck, der sich frühestens eine Woche nach dem Stich bildet, sich vergrößert und nach einigen Tagen mindestens die Größe eines Zwei-Euro-Stücks erreicht hat. Er ist in der Mitte oft blasser als am Rand.
Weitere Anzeichen für eine Borreliose sind Beschwerden wie Fieber und Gliederschmerzen, die sich innerhalb von sechs Wochen nach dem Stich entwickeln.
Eine Neuroborreliose liegt vor, wenn Borrelien das Nervensystem befallen. Die Beschwerden setzen wenige Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich ein. »Dabei kommt es zu brennenden Nervenschmerzen«, sagt Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung. Zu den weiteren potenziellen Symptomen zählen Lähmungen der angeschlossenen Muskeln oder Kribbeln und Taubheitsgefühle in betroffenen Körperbereichen. Auch ein- oder beidseitige Gesichtslähmungen sind möglich. Bei Kindern kann eine Neuroborreliose eine nichteitrige Hirnhautentzündung auslösen. Dazu können starke Kopfschmerzen und plötzliche Gesichtslähmungen kommen.
Eine Lyme-Arthritis äußert sich durch Gelenkentzündungen. Sie kann Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich auftreten. Betroffen sind oft Kniegelenke, daneben auch Sprung- oder Ellenbogengelenke. Die Entzündungen sind wiederkehrend und verlaufen zumeist schubweise.
In wenigen Fällen kann im Verlauf der Borreliose auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen sein. Dann kann es neben Entzündungen auch zu Rhythmusstörungen kommen.
Wie wird eine Borreliose behandelt?
Ein Verdacht auf eine Borreliose sollte rasch von einem Arzt abgeklärt werden. »Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt«, sagt Kristina Huber. Sie oder er überweist Betroffene im Zweifel an einen Facharzt, etwa eine Dermatologin oder einen Neurologen. Wer bei einer Borreliose früh geeignete Antibiotika erhält, erholt sich in der Regel schnell und wird wieder vollständig gesund. Durch eine frühe Antibiotikabehandlung lassen sich auch schwere Krankheitsverläufe und spätere Beschwerden verhindern.
Gibt es eine Impfung gegen Borreliose?
Anders als gegen die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) (Lesen Sie hier mehr darüber) gibt es gegen Borreliose keine Impfung. Das könne sich aber eines Tages ändern, sagt Frank Erbguth. An Borreliose-Impfstoffen werde derzeit geforscht.
Wie sollte man reagieren, wenn man eine Zecke bemerkt?
Die Bakterien, die Borreliose auslösen, befinden sich im Darm der Zecken. Bis sie den Erreger übertragen können, dauert es also etwas. »Ist die Zecke mit Borrelien befallen, kann es nach frühestens vier bis sechs Stunden ab Beginn der Blutmahlzeit zu einer Infektion kommen«, sagt Kristina Huber. Nach mehr als zwölf Stunden steigt das Infektionsrisiko. Aus diesem Grund sollten die Spinnentiere so schnell wie möglich entfernt werden.
Beim Entfernen sollte die Zecke mit einer Pinzette, einer Zeckenzange, einer Zeckenschlinge oder zur Not auch mit den Fingernägeln möglichst nah an der Haut angefasst und gerade herausgezogen werden. Wichtig ist, beim Entfernen nicht auf den vollgesogenen Körper zu drücken, um keine Krankheitserreger in die Wunde zu pressen. Aus diesem Grund sollten nur Pinzetten genutzt werden, deren Spitzen nach innen zeigen. Ebenfalls möglich ist das Entfernen mit Zeckenkarten, bei denen die Tiere mithilfe eines schmalen Schlitzes aus der Haut geschoben werden.
Nicht ratsam ist, Zecken mit Öl, Klebstoff, Nagellack, Alkohol oder Zahnpasta zu bedecken, da die Tiere durch den Stress im Zweifel mehr Speichel abgeben. Außerdem dauert es bei diesen Methoden lange, bis die Zecken abfallen.
Was ist, wenn der Rüssel in der Haut hängen bleibt?
In der Regel droht nur eine kleine, harmlose Entzündung. Im Zweifel kann eine Ärztin oder ein Arzt das Überbleibsel entfernen.
An welchen Körperstellen saugen sich Zecken am häufigsten fest?
Wichtig ist, sich und seine Kinder nach einem Besuch im Garten, im Park, im Wald oder auf einer Wiese abzusuchen. Zecken sind häufig am Haaransatz, am Hals, in den Achseln, in den Ellenbeugen, im Intimbereich, im Bauchnabel oder in den Kniekehlen zu finden. Sie können sich jedoch auch hinter den Ohren oder in einer Hautfalte verstecken. Ebenfalls beliebt sind Stellen unter einer Uhr oder am Hosenbund, da sich Zecken dort geschützt fühlen.
Wie lassen sich Zeckenstiche vermeiden?
Der in Deutschland weitverbreitete Gemeine Holzbock krabbelt nicht aktiv auf seine Wirte zu. Er lässt sich auch nicht von Bäumen fallen, wie es zum Teil behauptet wird. Stattdessen sitzt er auf Grashalmen oder in Büschen und wartet darauf, dass ein Wirt vorbeikommt und ihn abstreift.
Helle, lange Kleidung kann helfen, die Tiere zu entdecken, bevor sie sich festgesaugt haben. Geschlossene Schuhe und eine Hose, die in den Socken steckt, bieten zumindest bedingt Schutz. Dasselbe gilt für Sprays, deren Geruch die Tiere abhalten soll. Die Wirkung hält allerdings nur zwei bis vier Stunden an, danach muss nachgesprüht werden.
Haben Zecken einen Wirt gefunden, krabbeln sie mitunter stundenlang auf seinem Körper umher, bis sie sich festsaugen. In dieser Zeit lassen sich die Tiere noch beim Duschen abspülen.
Mit Material der dpa.