Polio-Viren im Abwasser: Eltern sollen Impfstatus ihrer Kinder überprüfen - DER SPIEGEL
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Virenfunde im Abwasser Eltern sollen Polio-Impfstatus ihrer Kinder überprüfen

In Abwasserproben mehrerer Städte fand das RKI Erreger der Kinderlähmung. Nun appelliert die Ständige Impfkommission an Eltern, die Viren nicht zu unterschätzen – und Kinder gegebenenfalls impfen zu lassen.
Untersuchung von Abwasserproben auf Krankheitserreger: »Versäumte Impfungen schnellstmöglich nachholen«
Untersuchung von Abwasserproben auf Krankheitserreger: »Versäumte Impfungen schnellstmöglich nachholen«

Untersuchung von Abwasserproben auf Krankheitserreger: »Versäumte Impfungen schnellstmöglich nachholen«

Foto: Bernd von Jutrczenka / picture alliance / dpa

Nach der Entdeckung von Polioviren im Abwasser mehrerer deutscher Städte hat die Ständige Impfkommission (Stiko) Eltern zum Handeln aufgefordert: »In der aktuellen Situation ist es wichtig, den Impfstatus von Kindern als besonders vulnerable Gruppe für Poliomyelitis zu überprüfen und versäumte Impfungen schnellstmöglich nachzuholen«, hieß es in einer Stellungnahme des Gremiums. Leichte Erkältungskrankheiten seien kein Grund, fällige Impfungen zu verschieben.

Die Stiko wies zudem darauf hin, dass der Polio-Impfschutz bei vielen Kindern in Deutschland schlecht sei. »Obwohl die Grundimmunisierung bis zu einem Alter von zwölf Monaten abgeschlossen sein sollte, sind im Alter von zwölf Monaten nur 21 Prozent der Kinder vollständig geimpft.«

Versäumte Impfungen werden zwar oft nachgeholt, trotzdem haben den Fachleuten zufolge nur 77 Prozent der Kinder in einem Alter von zwei Jahren einen vollständigen Impfschutz. Im Einschulungsalter von sechs Jahren hätten 88 Prozent den vollständigen Schutz. Ziel sei eine Impfquote von mindestens 95 Prozent bis zum Ende des ersten Lebensjahres.

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Im Abwasser aus Klärwerken in München, Bonn, Köln, Hamburg, Dresden, Düsseldorf und Mainz sind im Oktober und November Polioviren nachgewiesen worden. Bei den Erregern handelt es sich laut Robert Koch-Institut (RKI) nicht um den Wildtyp des Poliovirus, sondern um Viren, die auf die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung mit abgeschwächten, aber lebenden Polio-Erregern zurückgehen. Die abgeschwächten Impfviren können sich in sehr seltenen Fällen so verändern, dass sie wieder Krankheiten auslösen können.

Angesichts der aktuellen Impfquoten und der vom Schluckimpfstoff abgeleiteten Polioviren besteht laut RKI die Möglichkeit, dass in Deutschland Infektionsketten in der Bevölkerung nachgewiesen werden und auch wieder Menschen an Polio erkranken.

Poliomyelitis ist eine hochansteckende Krankheit, die bei nicht ausreichend immunisierten Menschen zu dauerhaften Lähmungen führen kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat als Ziel die Ausrottung der Krankheit definiert. Doch die Kinderlähmung taucht immer wieder auf. Warum es so schwer ist, den Erreger zu besiegen, können Sie hier lesen.

sol/dpa