Rauchverbot im Auto? Nichts darf man mehr! - Satire - DER SPIEGEL
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Julian Aé

meinung •Einschränkung der persönlichen Freiheit Rauchverbot im Auto? Nichts darf man mehr!

Julian Aé
Eine todernste Wutrede zum Wochenende von Julian Aé
Es soll künftig tabu sein, Minderjährige und werdende Mütter zu vergiften. Ist Karl Lauterbach jetzt vollkommen übergeschnappt?
Achtung Zugluft! Beim Rauchen im Auto sollten die Fenster stets geschlossen bleiben.
Achtung Zugluft! Beim Rauchen im Auto sollten die Fenster stets geschlossen bleiben.

Achtung Zugluft! Beim Rauchen im Auto sollten die Fenster stets geschlossen bleiben.

Foto: kmk-vova / iStockphoto / Getty Images

Nun haben sie sich also etwas Neues einfallen lassen, die da oben. Dem kleinen Mann soll eine weitere Freude des Alltags genommen werden. Die Bevormundung durch den übergriffigen Nanny-Staat erreicht eine neue Dimension:

Zukünftig soll es verboten sein, im Auto zu rauchen, wenn Schwangere oder Kinder mit an Bord sind. Das Recht, seine Kinder auf engstem Raum mit krebserregendem Qualm zu vergiften, wird einfach so beschnitten – ja sind wir denn in Nordkorea?

Das liebliche und unschuldige Husten deutscher Knaben auf der Rückbank bei 250 km/h – es könnte schon bald verstummen. Und wenn es nach Verbotsminister Lauterbach geht, kommt es noch viel schlimmer: Nicht mal mehr einen Joint soll man sich künftig am Steuer erlauben dürfen, wenn unsere zukünftigen »Leistungsträger« auf den billigen Plätzen krakeelen und zum hundertsten Mal wissen wollen »sind wir schon da?«

Jetzt können wir zum ersten Mal ehrlich antworten: Ja, sind wir! Angekommen in der Gesundheitsdiktatur. Die mühsam erkämpfte Legalisierung wird konterkariert, noch bevor wir uns mit Frau und Kindern im SUV daran erfreuen konnten – als ob es im Straßenverkehr nicht schon hektisch genug zuginge. Genuss, Ignoranz und Rücksichtslosigkeit auf der Straße – die heilige Dreifaltigkeit des deutschen Vulgärliberalismus steht unter Beschuss. Mal wieder.

Was kommt als Nächstes? Ein Crack-Verbot im U-Boot? Eine Hosenpflicht in der Bibliothek? Trösten können wir uns nur damit, dass eine Kontrolle kaum möglich sein wird, weil Polizisten mit der Überwachung des Süßigkeitenwerbeverbots in Supermärkten überlastet sein dürften.

Aber auch abgesehen davon weist der Gesetzesvorstoß eklatante Lücken auf. Eine Frage etwa, die vor allem durch ausbleibendes Elterngeld in ihrer Existenz bedrohte Mütter und Väter mit mehr als 150.000 Euro Haushaltseinkommen umtreibt: Was gilt im Cabrio?

Die Idee ist aber nicht nur unausgegoren und freiheitsverachtend, sie ist auch perfide. Denn eigentlich steckt eine geschickt getarnte linksgrüne und wirtschaftsfeindliche Agenda dahinter: Die Autoindustrie, seit Gründung der Bundesrepublik ein mindestens ebenso entscheidender Motor dieses Landes wie die überzeugten Raucher, wird vor die Hunde gehen. Wir opfern einen moralisch einwandfreien und grundehrlichen Wirtschaftszweig.

Und für wen? Für die ebenso einflussreiche wie durchtriebene Fahrradindustrie! Denn Raucher hören ja nicht auf zu rauchen, weil ihnen das irgendjemand vorschreibt oder weil es besser für sie und ihre Familien wäre. Stattdessen werden zigarettenaffine Familien früher oder später unweigerlich auf das Tandem umsteigen.

Die vorgeschobenen Gesundheitsaspekte sind spätestens dann enttarnt, wenn Schwangere und Kinder über die Erschöpfungsgrenze hinaus strampeln müssen, nur damit Papa paffen kann. Danke, Lauterbach!


Ernstes Wort zum Abschluss: Wer im Jahr 2023 Kinder oder Schwangere im Auto vollqualmt, dem ist auch mit der Androhung von Bußgeld nicht zu helfen. Gute Besserung!