Stiko empfiehlt erstmals Reise-Impfung gegen Chikungunya - DER SPIEGEL
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Für bestimmte Gruppen Stiko empfiehlt erstmals Reiseimpfung gegen Chikungunya

Wer in Europa an Chikungunya erkrankt, ist meistens auf einer Fernreise von einer Mücke gestochen worden. Doch nun fürchten die Behörden lokale Infektionen. Unterdessen ändert die Stiko ihre Einschätzung zu dem Virus.
Chikungunya-Fieber wird durch Stiche von Gelbfieber- oder Asiatischer Tigermücke übertragen
Chikungunya-Fieber wird durch Stiche von Gelbfieber- oder Asiatischer Tigermücke übertragen

Chikungunya-Fieber wird durch Stiche von Gelbfieber- oder Asiatischer Tigermücke übertragen

Foto: Soumyabrata Roy / picture alliance / NurPhoto

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat erstmals eine Reiseimpfung gegen Chikungunya für bestimmte Personengruppen empfohlen. So sollten sich Kinder ab zwölf Jahren, die in Gebiete mit aktuellem Chikungunya-Ausbruch reisen, impfen lassen, wie die Stiko mitteilte.

Gleiches gelte für Menschen mit einem länger als vier Wochen dauernden Aufenthalt oder bei wiederholten Kurzreisen in Endemiegebiete, sofern bei ihnen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe bestehe. Das gilt etwa für über Sechzigjährige oder bei schweren Grunderkrankungen. Auch für Berufstätige, die beispielsweise in Laboren gezielt mit Chikungunya-Viren arbeiten, gilt die Empfehlung.

Chikungunya ist eine durch Stechmücken übertragene Virusinfektion, die in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet ist. Die Erkrankung verursacht hohes Fieber und starke Gelenkschmerzen, die bei vielen Betroffenen über Wochen bis Monate anhalten können. Schwere Verläufe sind selten, treten jedoch insbesondere bei älteren oder schwer vorerkrankten Menschen auf.

In Deutschland wurden Chikungunya-Erkrankungen bislang nur bei Reiserückkehrern etwa aus Mauritius, dem französischen Überseegebiet La Réunion und Sri Lanka festgestellt (eine Karte mit den weltweiten Verbreitungsgebieten hat etwa die EU-Gesundheitsbehörde ECDC erstellt ). In Baden-Württemberg sind laut Landesgesundheitsamt in diesem Jahr allerdings bereits 15 importierte Chikungunya-Fälle gemeldet worden. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es nur drei.

Derzeit gibt es zwei Impfstoffe. Die Grundimmunisierung besteht jeweils aus einer Impfstoffdosis. Ziel der Impfempfehlung ist die demnach Verhinderung von Erkrankungen, schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen durch eine Chikungunya-Virusinfektion.

Bedingungen für lokale Übertragungen in Deutschland gegeben

Zuletzt berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) von einem Chikungunya-Fall in Frankreich nahe der deutsch-französischen Grenze, bei dem eine Person offenbar durch den Stich einer infizierten Mücke direkt infiziert wurde, also die Erkrankung nicht von einer Reise mitbrachte. Den Experten zufolge sind auch in Deutschland die Bedingungen für solche Fälle gegeben, etwa durch hohe Temperaturen und Vorkommen der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), einer potenziellen Überträgerin von Chikungunya.

Die Mücke kommt hierzulande vor allem in Baden-Württemberg und im Rhein-Main-Gebiet von Hessen und Rheinland-Pfalz sowie punktuell in Bayern, Thüringen, Berlin und Nordrhein-Westfalen vor.

sol/AFP