Deutsche in New York: "Glaub an dein Ziel"
Deutsche in den USA "Glaub an dein Ziel"
Conrad Ostwald, 28, Animator aus Leipzig, arbeitet seit 2007 in New York: "Nutze das Vertrauen, das du hier bekommst"
"Der deutsche Arbeitsmarkt hat mich abgeschreckt, insbesondere weil man erst viele unbezahlte Praktika machen muss, bevor man an einen Job kommt. Da ich schon immer ins Ausland wollte und die USA auf meinem Gebiet - Animation für Werbung und Fernsehen - Vorreiter sind, habe ich mich zunächst einfach per E-Mail für ein Praktikum beworben, um zu sehen, was passiert.
Ich habe Lebenslauf und Showreel (Arbeitsproben) an fünf Unternehmen geschickt, nur eine Firma hat geantwortet. Eines Tages rief mich der Chef aus New York an und fragte, ob ich es mir zutrauen würde, richtig an Projekten mitzuarbeiten. Da sagte ich ja und hatte ein Praktikum beim Animations- und Designstudio Buck mit 2000 Dollar brutto im Monat.
Nach viel Rennerei für das Visum bekam ich in New York gleich ein Projekt. Ich wurde nicht als Praktikant abgestempelt, sondern motiviert. Dem Chef gefiel meine Arbeit. Nach fünf Wochen machte er mir sogar ein Jobangebot.
Deutsche auf Glückssuche: New York? New York!
Im Anschluss an die sechs Monate Praktikum flog ich zurück nach Deutschland, um dort im Schnellverfahren mein Mediengestaltungsstudium in Weimar zu beenden und ein neues Visum zu organisieren. Darum kümmerte sich, ebenso wie um die Krankenversicherung, glücklicherweise meine Firma. Sie finanziert mein Arbeitsvisum, dafür bin ich an sie gebunden. Wenn ich also kündige, müsste ich mich selbständig machen oder ein anderes Unternehmen finden, das mein Visum sponsert.
Noten zählen weniger als praktische Arbeitergebnisse
Auch sonst kann ich mich nicht beschweren: Mein Einstiegsgehalt waren 5000 Dollar brutto - das wäre in Deutschland, vor allem beim ersten Job, nicht so einfach gewesen. Doch weil Miete und Steuern so hoch sind, bleibt am Ende nicht viel übrig.
Ich habe sehr nette Kollegen, kann entspannt mit meinem Chef reden und arbeite in der Regel von 10 bis 19 Uhr. Nur wenn ein Projekt mit einer harten Deadline reinkommt, wird erwartet, dass man nachts und auch am Wochenende lange arbeitet.
Es ist unglaublich - und das alles in New York. Ich habe schon das Gefühl, es geschafft zu haben. Danach kann ich alles machen. In meiner Branche sind in den USA Noten bei der Bewerbung nicht so wichtig. Praktische Arbeitsergebnisse zählen mehr, so dass der Arbeitgeber gucken kann, wo man einsetzbar ist und wie man im Team funktioniert. Das finde ich sehr angenehm und kreativitätsfördernd.
Langfristig möchte ich aber wieder zurück nach Europa. Denn dort hat man nicht nur mehr Urlaub als in den USA (zwei Wochen sind einfach zu wenig), sondern auch ein stärkeres Arbeitnehmerrecht, inklusive Krankenversicherung, Kündigungsschutz, Rente und Sozialversicherung. Doch ich habe Angst, dass mein Herz immer in New York bleiben wird."
Musikerin Iris Ornig: "Glaub an dein Ziel und tritt professionell auf"
Iris Ornig, 38, Musikerin vom Bodensee, arbeitet seit 2003 in New York
"In den USA gibt es viele Möglichkeiten für Musiker. Weil New York die Metropole des Jazz ist, zog es mich hierher. Ich wollte mit guten Musikern arbeiten und selbst musikalisch besser und bekannter werden. Also bewarb ich mich für ein Künstlervisum. Das klappte reibungslos, schon war ich eine von Tausenden Musikern in New York, die um Auftrittsmöglichkeiten kämpfen.
Ich nutzte alle Möglichkeiten, um an Gigs zu kommen: Ich nahm an Jam Sessions teil, ließ mich von anderen Musiker empfehlen und kontaktierte Veranstalter. Das läuft hier alles relativ locker. Man muss sich mit weniger Formalitäten als in Deutschland herumärgern, die meisten Dinge werden mündlich abgesprochen. Dabei muss man natürlich eine gute Menschenkenntnis mitbringen, um zu spüren, wem man trauen kann. Und manchmal vermisse ich die deutsche Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.
Arbeiten in den USA
Aber die Arbeit mit den Musikern hier ist großartig. Sie sind aufgeschlossen und viel entspannter als in Deutschland. Ich finde es schön, dass sie so viel Spaß an ihrem Job haben und es auch nicht schlimm ist, wenn man mal einen Fehler macht. Inzwischen bekomme ich regelmäßig Aufträge und denke, dass mein professionelles Auftreten und mein Glaube an meine Ziele eine entscheidende Rolle dabei spielen.
Als freischaffende Künstlerin verdiene ich nun zwischen 500 und 900 Dollar die Woche. Damit kann ich in New York über die Runden kommen. Ich möchte auf jeden Fall noch lange hier bleiben und könnte mir auch vorstellen, hierher auszuwandern."