Gehaltsvergleich So gut verdienen Sie wirklich
Mal angenommen, Sie verdienen 3200 Euro brutto im Monat. Ist das viel? Kommt drauf an: Ihr Chef bekommt vielleicht das Vier- oder Fünffache, seine Putzhilfe muss dafür zehn Monate feudeln. Unter allen Beschäftigten in Deutschland landen Sie mit diesem Gehalt schon im oberen Drittel, unter den Frauen sogar im obersten Fünftel. Bei den Männern allerdings verdient jeder zweite mindestens so viel wie Sie.
Ob ein Vergleich befriedigt oder frustriert, hängt vom Vergleichspartner ab. Die Gehaltsmaßstäbe von Frauen und Männern unterscheiden sich deutlich, ebenso die von Ost- und Westdeutschland, die verschiedener Altersgruppen oder Branchen.
SPIEGEL ONLINE und das neue Magazin SPIEGEL JOB präsentieren Ihnen heute einen Vergleichsrechner, der das berücksichtigt. Suchen Sie sich Ihre Vergleichsgruppe aus und erfahren Sie, wie viele Beschäftigte mehr und wie viele weniger verdienen als Sie. Dabei können Sie viele Kriterien auch kombinieren, etwa wenn Sie sich mit anderen ostdeutschen Männern zwischen 35 und 45 vergleichen möchten.
Leider können wir Ihnen den interaktiven Gehaltsrechner nicht mehr auf dieser Seite anbieten. In diesem Artikel finden Sie eine aktuellere Auswertung zum selben Thema, in der ebenfalls ein interaktiver Rechner verlinkt ist.
Um so genaue Aussagen treffen zu können, greifen wir auf eine besondere Datenquelle zurück. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin konnte SPIEGEL ONLINE jüngste Ergebnisse des Sozioökonomischen Panels (SOEP) auswerten, einer jährlichen Umfrage mit rund 30.000 Befragten. Wie sich aus dieser Stichprobe bundesweite Zahlen ableiten lassen, erklärt DIW-Forscherin Anika Rasner im Interview.
Zurück zum Vergleich der Geschlechter. Dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, liegt natürlich auch an ihrem großen Anteil an Teilzeitjobs. Doch die Differenzen verschwinden keineswegs, wenn nur Vollzeitbeschäftigte in den Vergleich einbezogen werden.
Das zeigt die Verteilung von weiblichen und männlichen Beschäftigten auf die Gehaltsklassen sehr deutlich. Bei den Frauen sind mittlere Einkommensklassen zwischen 1500 und 2500 Euro brutto im Monat am stärksten vertreten, bei den Männern vierdient jeder dritte 3500 Euro und mehr.
Ebenso detailliert lassen sich auch andere Gruppen gegenüberstellen. Diese wurden so ausgewählt, dass die Gehaltsklassen stets mit genügend Befragten besetzt waren, um daraus gesicherte Aussagen ableiten zu können. So können die Vollzeitbeschäftigten nach Geschlecht aufgetrennt werden, die Teilzeitbeschäftigten jedoch nicht. Männer sind hier einfach zu selten vertreten, eine fundierte Auswertung wäre nicht möglich.
Auch die regionale Zuordnung kann entscheidend sein. Hier können Sie im Gehaltsvergleich auswählen, ob Sie sich unter den ostdeutschen oder den westdeutschen Beschäftigten einsortieren wollen. Hier liegen Löhne und Gehälter noch immer weit auseinander, auch die Einkommensklassen sind unterschiedlich stark besetzt. Mehr als 3500 Euro brutto im Monat verdient im Westen jeder Vierte, im Osten nur jeder Achte.
Doch nicht jeder kleine Unterschied ist auch statistisch signifikant. Schuld daran ist die Stichprobe der Umfrage, von der aus die Ergebnisse hochgerechnet werden. Deshalb behelfen sich Statistiker mit einem Sicherheitspuffer namens Konfidenzintervall rund um die Mittelwerte: Würde man hundert Mal eine Stichprobe ziehen, dann würde der Durchschnitt in 95 Fällen in dieses Intervall fallen.
Überschneiden sich zwei Intervalle, dann ist die Gefahr relativ hoch, dass ein Unterschied zufällig zustande gekommen ist. Liegen die Intervalle aber weit auseinander, dann lassen sich auch gestandene Statistiker zu der Aussage hinreißen, dass sich die beiden Mittelwerte signifikant voneinander unterscheiden.
Die folgende Grafik zeigt, wo die Konfidenzintervalle rund um ausgewählte Gehaltsdurchschnitte liegen - und wie groß ihr Abstand voneinander ist. Nur in einem Fall überschneiden sie sich, bei den beiden höheren Altersgruppen. Allein das fortgeschrittene Alter sorgt also offenbar nicht für ein höheres Einkommen. Jedenfalls bei den über 40-Jährigen.
Wenn Sie mehr zum Thema Einkommen lesen möchten oder erfahren wollen, wie Sie Ihr Gehalt geschickter aushandeln, interessiert sie vielleicht die neue Ausgabe des Berufsmagazins SPIEGEL JOB mit der Titelgeschichte "Über Geld spricht man nicht genug!" In der Bildergalerie finden Sie eine Übersicht der Themen.
Das neue SPIEGEL JOB: Ein Rundflug durchs Magazin